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Kultur & Gesellschaft

Welche Berge sind uns heilig?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Im Himalaja, in entlegenen Provinzen Chinas und in den südamerikanischen Anden ist der Glaube an die spirituelle Macht der Berge ungebrochen.

Wer schon einmal auf Nepals Schneeriesen unterwegs war, hat garantiert erlebt, wie die einheimischen Bergführer an vielen Plätzen Opfer darbringen oder kleine Zeremonien abhalten. Die Wurzeln des Glaubens an die übernatürliche Kraft der Berge reichen in Urzeiten zurück, zum »Animismus«, der ältesten unserer Weltreligionen. In diesem spirituellen Konzept ist die gesamte Natur beseelt und heilig, jeder Baum, jeder Stein, jede Quelle. Besonders hohe Berge oder auffällig geformte, alleinstehende Felsformationen wurden zu Heiligtümern.

Wer in »unseren« Bergen, zum Beispiel den Alpen, kraxelt oder wandert, hat nur noch selten das Gefühl, »heiligen Boden« zu betreten. Bei uns zeugen allenfalls Sagen von den alten Naturkulten. Ganz anders in Japan – dort gilt bis heute jeder Berg als heilig. Im Himalaja entstehen sogar immer wieder Konflikte zwischen Bergbewohnern, Behörden und Bergsteigern um die Heiligkeit der Berge. Für die einheimische Bevölkerung kommt die Begehung eines heiligen Gipfels einer Verunreinigung oder einer Beleidigung der Götter gleich. Die Regierungen ihrerseits sind aber an Expeditionen (und ihren Dollars) interessiert.

So streng sahen und sehen das aber nicht alle Völker, In vielen Kulturen wird der Aufstieg auf einen heiligen Berg auch gar nicht als Störung der Gottheit gesehen, sondern im Gegenteil als eine Möglichkeit, dem Allerhöchsten zu begegnen. So begab sich Moses auf den Berg Sinai, um dort die Zehn Gebote zu empfangen. Und so gehen heute noch täglich bis zu 3000 Japaner auf den heiligen Fujisan. Sie erhoffen sich von der Bergwanderung keine neuen Gebote, sondern seelische Reinigung und Glück.

Fujisan, der Schönste, 3776 Meter
Seine symmetrische Form macht ihn zum vielleicht schönsten, ganz sicher aber zum meistfotografierten, gemalten, besungenen Berg der Welt. Für die Japaner ist er der Sitz einer uralten weiblichen Gottheit. Wallfahrten zum Gipfel gelten als Möglichkeit, sich geistig zu erneuern – eine spirituelle Wellness-Tour, der sich viele gerne unterziehen, da der Aufstieg relativ leicht ist. Erstbesteiger des Fujisan war ein Mönch (663 n. Chr).

Snaefellsjökull, Abstieg in die Unterwelt, 1446 Meter
Der Vulkan im Westen Islands ist einer der berühmtesten Berge der Welt, Jules Verne lässt hier die Reise in den Mittelpunkt der Erde starten. Für viele Mystiker ist der Atem beraubend schöne Gletscherberg eines der sieben »Chakren« (Energiezentren) der Erde und ein
besonderes Kraftfeld. Noch heute wenden sich manche Isländer an den Schutzgeist Bardur, der im Inneren des Berges wohnen soll.

Uluru, die schlafende Schlange, 348 Meter
Im Herzen Australiens liegt zusammengeringelt die Regenbogenschlange, die sich von den Strapazen der Weltenschöpfung erholt. So sehen es die Aborigenes, für die der eindrucksvolle alleinstehende Sandsteinmonolith das Allerheiligste darstellt. Der Aufstieg ist gefährlich, schon allein wegen der extremen Hitze in der australischen Wüste. Und er wird von den Aborigenes nicht gerne gesehen. Die heiligsten Plätze, versteckt in der fast zehn Kilometer langen Schlange, sind für Touristen nicht zugänglich.

Olymp, der Palast der Götter, 2917 Meter
Das Gebirge im Osten Griechenlands besteht aus mehreren Gipfeln, der höchste ist der Mitikas. In diesen luftigen Höhen trafen sich die Götter und Göttinnen der Antike, um zu diskutieren und zu lachen, zu essen und zu trinken. Von Licht und Musik erfüllt, so stellte man sich ihren Palast vor, ein paradiesischer Ort, von dem Sterbliche nur träumen konnten. Die UNESCO hat den »heiligen Boden« komplett zum schützenswerten Biosphärenreservat erklärt.

Kailash, das Schneejuwel, 6714 Meter
Er ist das Allerheiligste der Buddhisten und der Hindus, wird von mehr als einer Milliarde Menschen verehrt. Für die Buddhisten symbolisiert er das Zentrum der feinstofflichen Welt, für die Hindus ist er der Sitz der Supergottheiten Shiva und Parvati. Aus Rücksicht auf die besondere Heiligkeit dieses Berges in Tibet haben die chinesischen Behörden noch nie eine Genehmigung zum Run auf den Gipfel erteilt. Auch die ehrgeizigsten Bergsteiger müssen sich mit der traditionellen Wallfahrt begnügen, einer 53 Kilometer langen Umrundung, die allerdings bis auf eine Höhe von 5600 Meter führt. Hoffentlich bleibt es so!

Auch ganz schön heilig

Der Illimani (»Goldener Adler«) in Bolivien, 6439 Meter, gilt als Sitz der mächtigsten Berggottheit der Anden

Der Sinai, 2285 Meter hoch – der steile Aufstieg über Tausende von Steinstufen ist zum touristischen Trampelpfad geworden. Die meisten Besucher gehen nachts los, um gemeinsam den Sonnenaufgang auf dem biblischen Berg zu erleben.

Der Tabor, nur 558 Meter hoch, aber vielen Israelbesuchern einen Abstecher wert. Denn hier soll Jesus die Erleuchtung erlangt haben. In der Antike befand sich auf dem Gipfel ein Tempel des Fruchtbarkeitsgottes Baal.

Sagarmatha: der Mount Everest, 8850 Meter hoch, wird von einer Göttin bewohnt, je nach Glaubensrichtung die »Mutter des Universums« oder eine der »Fünf Schwestern des langen Lebens«.

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