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Kultur & Gesellschaft
Welche Bücher sind verschollen?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Der griechische Denker Aristoteles schrieb eines der wichtigsten Werke der Kulturgeschichte. Seine »Poetik« über die Dichtkunst gliedert sich in drei Bücher – »Tragödie«, »Komödie« und »Epos«.
Das zweite Buch aber ist verschollen (in Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ spielt das verlorene Manuskript eine entscheidende Rolle). Sollte die „Komödie“ doch noch auftauchen, wäre sie von unschätzbarem Wert.
Viele Bücher der Antike sind für immer verschwunden, weil sie auf Papyrus oder Pergament geschrieben waren – beides keine haltbaren Medien. Kriege oder Feuer (wie der berühmte Brand der Bibliothek von Alexandria) dezimierten die Bestände. Auch fanatische Glaubensritter vernichteten vor allem in der Frühzeit des Christentums viele „heidnische“ Schriftrollen. So sind heute rund 2000 altgriechische Autoren namentlich bekannt, aber von nur 144 blieben Schriften erhalten.
Forscher schätzen, dass rund 90 Prozent der antiken Literatur zerstört wurden.
In anderen Kulturen fehlen ebenfalls wertvolle schriftliche Zeugnisse, etwa die Maya-Codices der Hochkultur aus Mittelamerika. Lediglich vier (von Hunderten) haben das Wüten der Conquistadores überlebt. Und selbst im 20. Jahrhundert musste ein späterer Nobelpreisträger einen schmerzlichen Verlust hinnehmen: Ernest Hemingway war 1922 als Korrespondent in die Schweiz gereist. Seine Frau wollte ihm folgen und packte sämtliche Manuskripte mitsamt den Durchschlägen in einen Koffer.
Im Pariser Gare de Lyon kaufte sie sich eine Flasche Wasser für die Fahrt. Als sie zum Bahnsteig zurückkehrte, war der Koffer verschwunden. Er sollte nie wieder auftauchen. Falls der enttäuschte Dieb die Manuskripte aufbewahrt hat und seine Nachfahren diese auf irgendeinem Dachboden finden sollten, wären sie sofort Multimillionäre.
P.M. Fragen & Antworten 02/2011

























