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Das Gedankenexperiment
Was wäre, wenn ... Aliens in Deutschland landen?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Stellen Sie sich vor: Ein ganz normaler Tag in Deutschland – und plötzlich landet ein Raumschiff mit Aliens mitten in der Lüneburger Heide. Unglaublich, was dann alles passieren würde!
Im niederländischen Maastricht ist es kurz vor 15 Uhr, als das Luftkontrollzentrum für den oberen Luftraum das unregistrierte Flugobjekt an die Flugsicherung in Bremen weitergibt. Die ist zuständig für den Flugraum unterhalb 8000 Meter. Nicht registrierte Gegenstände am Himmel gibt es dort eigentlich nicht, für jeden Flug existiert ein Flugplan. Für jeden? »Für jeden«, sagt der Sprecher bestimmt. Doch von den Außerirdischen ist kein Flugplan bekannt.
Jetzt könnte das folgende Szenario ablaufen. Im halbdunklen Center der Bremer Luftüberwachung sitzen Zivilisten und Militärs gemeinsam vor den Radarschirmen. Diszipliniert arbeiten sie einen Alarmierungsplan Punkt für Punkt ab. Immer wieder versuchen sie, den fremden Piloten anzufunken. Keine Reaktion. Das Raumschiff passiert den Flugkorridor für Ferienflieger aus Hamburg: Spätestens jetzt informiert der Wachleiter das »Search-and-Rescue-Zentrum« in Münster. Der Rettungshubschrauber 31 vom Lufttransportgeschwader 63 in Diepholz steigt auf, ebenso »Christoph 6« vom Klinikum links der Weser in Bremen. Luftwaffe und Polizei werden in Kenntnis gesetzt.
Als die Aliens landen, springen die Heidschnucken auseinander. Die dunklen Schafe haben die Lüneburger Heide plattgefressen: ein idealer Landeplatz für Raumschiffe. Auch die Orte Schneverdingen, Bispingen und Undeloh beben, als das fremde Objekt nach kurzem Sinkflug östlich von Niederhaverbeck aufsetzt. Ein Schäfer ist Augenzeuge. Das Schiff hat schätzungsweise die Ausmaße eines Bundesligastadions, denn die Außerirdischen sind weit gereist. »Sie haben alles dabei für eine jahrelange Reise«, wird Harald Lesch später erklären. »Wäre ihre Reisezeit kürzer, hätten wir sie ja schon längst gefunden.« Der Professor für theoretische Astrophysik in München ist ein gefragter Experte – und er hat eine sehr lebendige Vorstellung davon, was bei uns so landen könnte.
Die Polizei aus dem niedersächsischen Bispingen ist als Erste da. Beim Anblick des goldfarbenen Riesenraumschiffs sind die Beamten erstmal baff, dann fordern sie Verstärkung an. Dafür, dass niemand einen Plan für einreisende Außerirdische in der Schublade hat, passiert schon eine ganze Menge. Auch ein Haufen Schaulustiger bildet sich schnell; beim Näherkommen spüren sie, dass das Raumschiff noch nicht abgekühlt ist. Die Feuerwehr trifft ein – sie ist ausgestattet mit ABC-Schutzanzügen gegen nukleare, biologische und chemische Verseuchung.
Es dauert eine Weile, bis sich die Türen öffnen. Auch Neil Armstrong ließ sich nach der Landung auf dem Mond über sechs Stunden Zeit, die Landefähre Eagle zu verlassen. Und der US-Astronaut war nicht umzingelt von einer Herde schwarzköpfiger Schafe und von Erdlingen in weißen Schutzanzügen. Geheim halten lässt sich die Landung jetzt nicht mehr: Handy-Bilder des Raumschiffs gehen quer durch Deutschland. Während die Heide abgeriegelt wird, laufen global die ersten Bilder im Fernsehen. Und vielleicht senden die Außerirdischen zur gleichen Zeit ihre Aufnahmen von der Erde nach Hause.
Wieder einmal wartet alles auf einen kleinen Schritt, der ein großer Schritt für die Menschheit wäre. »Ich möchte nicht der Erste sein, der ihnen begegnet«, sagt Harald Lesch. Fünfzig Jahre, nachdem der Kernphysiker Enrico Fermi die Frage »Ja, wo sind sie denn?« stellte, könnte ein schmallippiger Mund unter zwei großen Mandelaugen die Antwort geben: »Hier sind wir.« Ansonsten dürfte die Besatzung uns durchaus ähnlich sehen. »Die Naturgesetze gelten auch für Außerirdische«, ist Lesch überzeugt. »Wir sind vermutlich der kosmische Durchschnitt.« Dann wären Aliens auch nur Menschen. Sie könnten sehen, hören und riechen und hätten eine Körpertemperatur von 37 Grad Celsius, um den Betrieb eines großen Gehirns zu ermöglichen. »Irgendwelche Tentakel-Wesen können kein Raumschiff bauen«, sagt Lesch. Ihnen fehlen die Finger.
Solange noch kein Alien seinen Fuß auf den Heideboden gesetzt hat, bleibt die Astrobiologin Petra Rettberg skeptisch. Am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln sucht sie nach Lebensspuren im All. Eigentlich ist der Kontakt mit fremdem Leben – und sei es noch so mikrobiologisch – frühestens für 2013 eingeplant: Dann soll die »Exo-Mars-Mission« zum Roten Planeten starten. Die Landung von Aliens hält Rettberg für »extremst unwahrscheinlich«.
Sie glaubt, dass in einem Raumschiff aus fernen Welten allenfalls »Extremophile« überleben würden – Lebewesen, die beispielsweise unter so lebensfeindlichen Bedingungen wie in der Tiefsee oder in Vulkankratern existieren können. »Die allermeisten Lebewesen auf der Erde atmen keinen Sauerstoff«, sagt Rettberg. Lesch hält es trotzdem für wahrscheinlich, dass Aliens Luft atmen: »Wäre Sauerstoff für sie giftig, würden sie hier nicht landen.« Nur in einem sind sich beide Wissenschaftler einig: Leben braucht Wasser. Deshalb wird ja auch auf dem Mars nach Wasserspuren geforscht. Und deshalb könnten die gelandeten Aliens durstig sein.
In unserem Gedankenexperiment öffnet sich die Luke des Raumschiffs um kurz vor 20 Uhr, fünf Stunden nach der Landung. Ein glatter Schädel schiebt sich heraus, nach kurzem Rundumblick folgt der Rest des Aliens. Wie es scheint, ist er intelligent, hat gute Manieren und friedliche Absichten. Bei den Erdlingen kommt Sympathie auf und die Frage: Ist jemand verletzt? Krank?
Außerirdische werden »erwürgt von fäulnis- und krankheitserregenden Bakterien, gegen die ihre körperliche Beschaffenheit widerstandslos« ist, schrieb Herbert George Wells vor über 100 Jahren in »Krieg der Welten«. Dieses Szenario des Science-fiction-Autors scheint Wissenschaftlern noch heute plausibel. »Wenn sie nicht aufpassen, leben sie keine drei Stunden, dann sind sie tot«, sagt Lesch. Geraten Astronauten in Not, muss ihnen jeder Staat helfen, so steht es in einem UNO-Abkommen. Doch wo misst man Außerirdischen den Puls? Und wer macht freiwillig eine Mund-zu-Mund-Beatmung?
Natürlich könnten auch uns Gesundheitsgefahren durch den Kontakt mit Aliens drohen. »Ihre Strahlung sowie biologische und chemische Wirkungen können ja auch völlig unbeabsichtigt zum Problem für uns werden«, sagt Frank Ruge, im niedersächsischen Innenministerium zuständig für Katastrophenschutz. Die drei Astronauten der Mondexpedition von 1969 mussten sich 17 Tage in Quarantäne begeben, aus Furcht vor unbekannten Keimen. Eine Mars-Grippe-Pandemie wäre für uns schlimmer als jede irdische Influenza-Pandemie – die letzte forderte 1969 eine Million Todesopfer.
Ein Großraum-Rettungshubschrauber der Bundeswehr könnte die Außerirdischen in Quarantäne bringen. Doch die Experten raten ab: Die Elektronik eines Helikopters darf nicht kontaminiert werden. Das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg verfügt über einen Spezialkrankenwagen, der die Aliens zur Untersuchung in dieses größte Tropeninstitut Deutschlands transportieren könnte. Sechs Aliens hätten auf der neu gebauten Isolierstation Platz. Hätten – denn dass die Außerirdischen bereitwillig mitgehen, ist eher unwahrscheinlich. Wer steigt schon auf einem fremden Planeten gern in einen hermetisch abgeriegelten Kastenwagen? Aber dass die Außerirdischen sich im Landhaus Haverbeck Hof einmieten und die erste irdische Nacht unter Daunendecken verbringen, ist ebenfalls kaum vorstellbar.
Wenn sich die Besucher zu Blutproben überreden lassen, kommen diese auf jeden Fall ins Tropeninstitut. Im dortigen Hochsicherheitslabor gilt die höchste biologische Sicherheitsstufe L4. Die Luft wird durch doppelte Hochleistungsschwebefilter steril gehalten. Das Labor können die Wissenschaftler nur über eine Säuredusche verlassen, acht Minuten dauert die Desinfektion. Im Tropeninstitut wurde die Lungenseuche SARS entschlüsselt – und hier untersuchen Wissenschaftler in PVC-Anzügen auch die Alien-Keime.
Die Sicherheit der Welt geht im Zweifel immer vor, meint auch der Welt-Raumfahrtforschungs-Kongress: »Die Erde muss geschützt werden vor der Gefahr von extraterrestrischem Material von anderen Planeten«, heißt es in der Stellungnahme zum Planetenschutz, die sich auf Proben vom Mars bezog. Zu unserem Schutz wäre es außerdem notwendig, das Raumschiff zu dekontaminieren. Die vollständige Demontage würden sich die Aliens wohl verbitten – irgendwann wollen sie ja wieder zurückfliegen. Alternativ könnte eine radioaktive Bestrahlung des Schiffs helfen – aber dadurch würden wertvolle wissenschaftliche Information flöten gehen.
Und dann ist da noch die zentrale Frage: Die UNO oder Bispingen – wer ist zuständig? Die Polizei aus Bispingen ist am schnellsten vor Ort, also erst mal zuständig. Doch viel mehr als Straßen sperren kann sie nicht tun. Der Landkreis Soltau-Fallingbostel, in dem Bispingen liegt, evakuiert die Einwohner. Die Regie über die Alien-Begrüßung führt das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum in Nordrhein-Westfalen: Es koordiniert die Arbeit der Bundesregierung und der Länder und ist dem kurz nach dem 11. September 2001 gegründeten Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn untergeordnet. Von hier aus wird auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon informiert: Ihm untersteht das Büro für Weltraumangelegenheiten, das Office for Outer Space Affairs. Der UNO-Chef muss über jede Landung eines Raumfahrzeugs informiert werden, und wenn kein Staat ermittelt werden kann, in dem das Raumfahrzeug gestartet ist, muss die Landung öffentlich bekannt gemacht werden.
Eine Fachabteilung im Bundesinnenministerium prüft die »nicht autorisierte Einreise«. Doch wo die Außerirdischen vor Reiseantritt ihr Visum hätten beantragen sollen, sagen die Beamten nicht. Für Raumschiffe zuständig seien ohnehin eher Verkehrs- oder Verteidigungsministerium. Im Verteidigungsministerium und bei der Bundeswehr will man von einer Zuständigkeit nichts wissen – schließlich sei ja alles friedlich. Da auch die Luftwaffe eine Zuständigkeit ablehnt, gilt das Raumschiff als zivil. Die Außerirdischen haben wahrscheinlich großes Glück, in Deutschland gelandet zu sein: Jede andere Armee hätte sie ohne zu zögern umstellt.
Bei uns wird der Ball niedrig gehalten. Statt die Landesverteidigung zu starten, wird der Katastrophenschutz organisiert. Das passiert nach Paragraf 20 des niedersächsischen Katastrophenschutz-Gesetzes: »Eintritt und Ende des Katastrophenfalles werden durch die Hauptverwaltungsbeamtin oder den Hauptverwaltungsbeamten der Katastrophenschutzbehörde festgestellt.« Was sich nicht besonders hilfreich anhöre, funktioniere in der Praxis aber sehr gut, etwa bei Zugunglücken oder Orkanen, versichert Katastrophenschützer Ruge: »Auch bei einem unwahrscheinlichen Besuch von Außerirdischen würden die Mechanismen greifen.«
Wenn man weiter fragt bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, beim Luftfahrtbundesamt oder bei der deutschen Raumfahrtagentur: Überall herrscht Ratlosigkeit, wer die Aliens »in Empfang« nehmen soll. Ob der Bundesnachrichtendienst (BND) auch für das Weltall zuständig ist, darüber wollte man in Pullach keine Auskunft geben. Wahrscheinlich ist aber, dass das Lage- und Informationszentrum des BND das Geschehen bei Niederhaverbeck rund um die Uhr überwacht. Federführend bei einer Alien-Landung wäre die Abteilung 3: »Auswertung«. Sie erstellt aus den Einzelinformationen ein »integriertes Lagebild«.
Das mag eine gute Idee sein, aber zunächst geht es um die Frage: Wie sprechen wir mit den Außerirdischen? Zwei von ihnen verlassen jetzt das Raumschiff, die Hand zum Gruß erhoben. Auf der Außenhaut des Flugkörpers sind ihr Sonnensystem und ihre Reiseroute dargestellt: die Visitenkarte der außerirdischen Zivilisation, ganz ähnlich der goldenen Plakette, die die Menschheit 1972 mit der Sonde Pioneer ins All geschossen hat, um sich höflich vorzustellen.
Zur Eröffnung des Gesprächs schlägt Physiker Lesch Mathematik vor: »Die Kenntnis des gleichschenkligen Dreiecks ist universell«, sagt er. Der Kognitionswissenschaftler Joscha Bach hält das nicht für die Lösung: »Meine Frau ist Künstlerin, die käme bei einem Dreieck nicht auf die Idee, über Mathematik zu reden.« Außerdem ist unklar, warum eine Diskussion über gleichschenklige Dreiecke die Kommunikation beispielsweise über den Nachschub an Nahrungsmitteln vereinfachen soll.
So wird der Small Talk mit den Aliens am Anfang noch holpern, aber schon mittelfris-tig wäre das Problem wohl lösbar. Vincent Docherty, Leiter der Redaktion Wörterbücher bei Langenscheidt, würde sich jedenfalls sofort an die Arbeit machen und ein Diktionär der fremden Sprache zusammenstellen. Als gebürtiger Schotte hat er ausreichend Erfahrung damit, wie man eindeutscht. Wahrscheinlich wäre sogar mit einem Wettbewerb um das erste Wörterbuch »Außerirdisch–Deutsch« zu rechnen. Auch Jan Cloeren von Pons würde mit Aufnahmegerät und Schreibzeug versuchen, das Mitgeteilte zu begreifen. »Um die Sprache zu verstehen, muss man alltägliche Dinge teilen«, sagt er, »die Teilnahme an gemeinsamen Ritualen kann besonders hilfreich sein.« Doch das braucht naturgemäß Zeit, und hinzu kommt noch, dass die Hersteller von Nachschlagewerken erst einmal außerirdische Mitarbeiter einstellen müssten: Wörterbücher werden stets nach dem »Muttersprachler-Prinzip« erstellt.
Während das Sprachproblem noch seiner Lösung harrt, treten im Fernsehen traumatisierte Augenzeugen auf. »Das ist kein schönes Erlebnis«, sagt der Freiburger Soziologe Michael Schetsche, »denn mit ihrer Landung haben die Aliens gezeigt, dass sie uns technisch überlegen sind.« Das Image der Außerirdischen hat ja seit »Independence Day« schon erheblich gelitten, aber das war ein Film, und jetzt sind sie in der Realität gelandet – unserer Realität. »Es ist wie vor 250 Jahren, als die Europäer Polynesien eroberten«, sagt Schetsche.
Und möglicherweise ähnlich gefährlich. Die Eroberer damals schleppten Infektionskrankheiten ein, die binnen kürzester Zeit einen Großteil der Bevölkerung dahinrafften. Viele Überlebende wurden versklavt. Die Sichtung eines Aliens dürfte ebenfalls einen starken Schock auslösen, und für Schetsche ist sogar eine Massenpanik denkbar: »In modernen Gesellschaften ist alles möglich.« Der Mann weiß, wovon er spricht: Er hat Menschen untersucht, die glauben, sie seien von Außerirdischen entführt worden – über die Hälfte von ihnen litt an posttraumatischen Belastungsstörungen. Wenn schon die Einbildung so wirke, müsse die Realität um vieles krasser sein.
Nach Abklingen des Schocks könnte so etwas wie eine Integration mit umgekehrten Vorzeichen stattfinden. Die Gesellschaft richtet sich, und zwar ziemlich schnell, an den Außerirdischen aus, glaubt Schetsche: »Wir werden versuchen, ein Abklatsch der Alien-Kultur zu werden.« Denn: »Wir verwechseln technische Überlegenheit leicht mit kultureller Überlegenheit.« In diesem Zusammenhang erinnert der Soziologe an den Triumphzug von Coca- Cola bis in den letzten Winkel der Erde.
Spannend ist auch, wie sich die neue Situation aus juristischer Sicht darstellt. Gegen ein Gesetz haben die Außerirdischen bereits mit der Landung verstoßen: In Deutschland herrscht seit 1935 Flugplatzzwang – Luftfahrzeuge dürfen nur auf Airports landen. Das Weltraumrecht dagegen gilt nicht für Aliens: Der Weltraumvertrag der Vereinten Nationen von 1967 ist nur für irdische Staaten bindend (egal übrigens, ob sie ihn unterschrieben haben oder nicht). »Bei Marsmännchen gibt es eine Regelungslücke«, sagt Stephan Hobe, Direktor des Instituts für Luft- und Weltraumrecht an der Universität Köln.
»Erst wenn wir uns mit ihnen geeinigt haben, müssten sie sich an unsere Gesetze halten, alles andere wäre anmaßend. Für uns gilt eindeutig ein Rücksichtnahmegebot.« Bis zu einer Einigung müssen Aliens also den Anweisungen der Polizei nicht folgen. Vielleicht kann man sie aber überreden, bei der Entnahme von Proben – eine der wichtigsten Pflichten von Astronauten – Vorsicht walten lassen: Von den 721 Farn- und Blütenpflanzen der Lüneburger Heide sollten sie nicht gerade die 162 pflücken, die auf der Roten Liste stehen.
Nach dem sozialen und juristischen ist womöglich auch ein religiöser Schock zu erwarten. Denn wenn es Außerirdische gibt, müssen wir von mindestens zwei »Schöpfungen« ausgehen – damit wäre die Einzigartigkeit des Menschen sowie der Menschwerdung Gottes in Frage gestellt. »Das erzeugt eine Spannung mit dem christlichen Gottesbegriff«, sagt der katholische Theologe Linus Hauser von der Universität Gießen.
Zu religiösen Spannungen mit den Aliens muss es jedoch nicht unbedingt kommen, denn auf diesem Gebiet dürften wir mit ihnen ein paar Gemeinsamkeiten haben. »Wenn es endliche und vernünftige Wesen sind, ist es wahrscheinlich, dass sie an Erlösung glauben«, sagt Hauser. Außerdem hätten sie sich ohne eine strenge Ethik auf der langen Fahrt wohl gegenseitig umgebracht. »Die letzten, grundlegenden Fragen«, so der Theologe, »stellt sich jede Kultur.« Und als wollte er den fremden Besuchern schon mal symbolisch die Hand reichen, ergänzt er: »Natürlich könnten auch Aliens Katholiken werden.«
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