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Geschichte & Politik

Was sind Sonderwirtschaftszonen?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Das Kapital kommt nicht von alleine, man muss es locken: Das ist die Lektion, die viele Länder durch die Globalisierung gelernt haben.

Ein probates Mittel ist zum Beispiel die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone (SWZ), geeignet für all jene Staaten, die Investoren aus dem In- und Ausland noch mehr bieten wollen als konkurrenzlos niedrige Löhne.

Die SWZ ist ein abgegrenztes Areal mitten im Land, wo die normalen Gesetze für einen gewissen Zeitraum außer Kraft gesetzt werden. Alles geschieht hier im Dienst der Wirtschaft: Straßen und Gebäude entstehen nicht für die Bürger zum Leben, sondern damit die Produktion möglichst effizient ablaufen kann, Genehmigungen werden schnell und unbürokratisch erteilt, und als Bonbon gibt’s eine langjährige Steuerbefreiung.

Für die jeweiligen Staaten grenzen diese Zugeständnisse durchaus an Selbstverleugnung. Sie werden jedoch damit gerechtfertigt, der Region eine dauerhafte Wachstumsspritze zu verpassen. Für ein Industrieland würde diese Rechnung schwerlich aufgehen; wohl aber für aufstrebende Schwellenländer.

So findet man die spektakulärsten Beispiele für – auf den ersten Blick – erfolgreiche SWZ-Politik in der Volksrepublik China: Der kometenhafte Aufstieg des Riesenreichs wäre ohne dieses Instrument der Wirtschaftsförderung undenkbar. ShenZhen etwa, heute eine Mega-city mit über zehn Millionen Einwohnern, war vor 20 Jahren noch ein Dorf.

Kein Wunder, dass das Konzept inzwischen oft kopiert wurde – am konsequentesten in Indien: Dort sind neben den bestehenden 82 bereits weitere 250 SWZs genehmigt. Ein Schlüssel zu langfristigem Erfolg?

Neuere Analysen legen den Verdacht nahe, dass das Konzept große Risiken beinhaltet: Der neue Wohlstand bleibt auf die künstlichen Wirtschaftsräume beschränkt, während im Umland die Armut wächst. Kritische Beobachter in Indien sprechen von Ausverkauf – das Ganze sei im Grunde eine einzige große Immobilienspekulation auf Kosten der kleinen Landbesitzer.

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