Alte Zöpfe schneidet man am besten in aller Öffentlichkeit ab, dann jammern die Betroffenen noch am wenigsten.
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Geschichte & Politik
Was ist symbolische Politik?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wenn im Mittelalter ein großer Herrscher anrückte, hauten Herolde und Fahnenträger schon vor seiner Ankunft kräftig auf den Putz.
Die bezahlte Vorhut ist im Zeitalter der Demokratie einem protzigen Dienstwagen und Bodyguards gewichen. Beides sagt jedoch das Gleiche: »Platz da, hier kommt ein Großer!« Symbole bestimmen alle Bereiche des politischen Alltagsgeschäfts. Der 2001 verstorbene Amerikaner Murray Edelmann prägte für ihren gezielten Einsatz den Begriff »symbolische Politik«. Gemeint sind damit große Gesten, die sich in den Medien gut machen und so für Aufmerksamkeit sorgen.
Ihre Macht bewies Willy Brandt 1970, als er im einstigen Warschauer Ghetto bei einer Kranzniederlegung auf die Knie sank: Der Kanzler in Demutshaltung zeigte stärker als jede Rede den deutschen Wunsch nach Versöhnung. Dagegen ist nichts einzuwenden, so lange hinter einem Symbol auch Substanz verborgen ist. Kritiker bemängeln, dass manche schöne Inszenierung oft nur aus heißer Luft besteht. Als George W. Bush vor rund vier Jahren mit amerikanischen Soldaten im Irak überraschend Thanksgiving feierte, zeigten die Fotos einen lächelnden Präsidenten, der »seine Jungs« mit einem gerösteten Truthahn überraschte.
Tatsächlich war das Tier aber aus Plastik – zum Essen mussten die Soldaten wie gewohnt in der Kantine antreten. Symbolische Politik verkommt so zum reinen Lügenspektakel. Oft soll sie nur die eigene Person ins rechte Licht rücken. Beispiel Wladimir Putin: Überraschend ließ sich der russische Präsident vor ein paar Monaten mit nacktem Oberkörper beim Angeln ablichten. So bewies er nicht nur beeindruckende Fitness – geschickt nutzte Putin seine judogestählten Muskeln, um sich kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als kraftstrotzender Machtmensch in Szene zu setzen.
Aber auch in Europa lassen Politiker Ereignisse gezielt inszenieren. Als Angela Merkel im Sommer 2007 mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Airbuskantine zu Mittag aß, lächelten beide einträchtig in die Kameras. Hinter den Kulissen tobte derweil ein Machtkampf, wer in Zukunft bei dem Flugzeugbauer das Sagen haben würde. Amerikanische Verhältnisse sind dabei trotzdem noch nicht ausgebrochen: Statt eines Plastiktruthahns lagen echte Schnitzel auf den Tellern.























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