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Geschichte & Politik

Was ist eine Winkelehe?

Was ist eine Winkelehe?Was ist eine Winkelehe?
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Agnes Bernauer hat ihre Winkelehe das Leben gekostet. Weil ihr Schwiegervater, der Wittelsbacher Herzog Ernst, die Heirat seines Sohnes Albrecht III. mit der Augsburger Bürgerstochter missbilligte, ließ er die junge Frau verhaften und 1435 als Hexe bei Straubing in der Donau ertränken. Ihr Eheversprechen hatten sich der Herzogssohn und seine Braut allein ohne väterliche Erlaubnis gegeben. Im Spätmittelalter war das nichts Ungewöhnliches: Es genügte, dass ein Paar sich in einem Winkel des Hauses gegenseitig versicherte, dass man nun heirate – und schon waren sie Mann und Frau, ohne Fest, ohne Zeugen.

Ein Handschlag genügte, wie ihn der niederländische Maler Jan van Eyck (etwa 1390– 1441) in seinem Bild »Arnolfini-Hochzeit« dargestellt hat. Der Kirche war diese Form der Eheschließung ein Dorn im Auge. Auch in der »Bairischen Lanndts Ordnung« von 1553 heißt es, dass »Manns und Weibspersonen in den Spinnstuben viel Unzucht und Leichtfuertigkeit« treiben, »darauß dann offt manicherlay Unrat« wie »Winckelheyraten entsteen«. Das Konzil von Trient (1545– 1563) machte deshalb den Winkelehen ein Ende und erklärte sie für null und nichtig. Von da an wurden Ehen vor einem Priester geschlossen, der die Vereinigung des Paares segnete.

Genauso schnell, wie sie geschlossen wurde, konnte die Winkelehe auch wieder gelöst werden. In der heutigen Lebensgemeinschaft ohne Trauschein hat sie einen modernen Nachfolger gefunden.

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