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Kultur & Gesellschaft
Was ist eine Josefsehe?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Maria und Josef – das sind ihre Vorbilder. Man ahnt, was bei Paaren, die eine
solchen Verbindung eingehen, fehlen wird: Sex. Denn wie es in der christlichen Überlieferung heißt, wurde die Jungfrau Maria nicht von ihrem Mann schwanger, sondern „sie empfing vom Heiligen Geist“.
Um es den irdischen Eltern Jesu gleichzutun, beschließen manche Paare, auf den körper-lichen Vollzug der Ehe zu verzichten. Josefsehe wird eine solche Vereinbarung deshalb genannt. Offizielle Zahlen über ihre Häufigkeit gibt es nicht. „Ich glaube aber nicht, dass man sehr viele Paare finden wird, die von sich sagen, dass sie sich bewusst für eine Josefsehe entschieden haben“, sagt Professor Elmar Güthoff, Ordinarius für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Trotzdem beschreibt er drei mögliche Gründe für eine Josefsehe. Szenario 1: Ein Paar lässt sich scheiden, die Ehe soll durch ein Kirchengericht für nichtig erklärt werden. Während das Gericht tagt, lernt eines der Eheleute einen neuen Partner kennen. Das neue Paar heiratet standesamtlich, vereinbart jedoch, nicht miteinander zu schlafen, solange die vorherige Ehe nicht für nichtig erklärt wurde.
Szenario 2: Zwei Partner beschließen, eine Art spirituelle Lebensgemeinschaft zu gründen. Sie heiraten, leben jedoch „wie Bruder und Schwester“ zusammen. Szenario 3: Zwei alte Menschen finden ihr spätes Glück und heiraten (auch wenn sie vielleicht bereits zuvor mit anderen Partnern kirchlich verheiratet waren). Sexualität spielt in dieser Ehe – gewollt oder ungewollt – jedoch keine Rolle mehr. „Das letzte Szenario ist wohl das häufigste“, sagt Güthoff.
Die Josefsehe ist keine leichte Entscheidung – und auch kirchenrechtlich nicht unumstritten. Schließlich ist die Ehe „auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet“. So steht es im Codex iuris, dem Gesetzbuch der katholischen Kirche. Eine Heirat verpflichtet zwar nicht automatisch zum Sex, doch die Möglichkeit, Kinder zu kriegen, darf nicht bewusst ausgeschlossen werden.
Eine verzwickte Angelegenheit – weshalb die Vereinbarung zur Enthaltsamkeit nur privat zwischen den Eheleuten geschlossen werden kann. Eine rechtlich abgesicherte Institution ist die Josefsehe nicht.

























