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Kultur & Gesellschaft
Was ist die Bibliothek der ungelesenen Bücher?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Jeder hat mindestens eines im Regal und die Lektüre auf unbestimmte Zeit verschoben. Jetzt gibt es für diese Bücher einen denkwürdigen Aufenthaltsort.
Doch wer skurrile Ideen mag und einen Abstecher nach Wien plant, kann sein ungelesenes Buch auch abgeben: Seit zehn Jahren betreibt der Wiener Video- und Plakatkünstler Julius Deutschbauer eine Bibliothek der ungelesenen Bücher. Für dieses Kunstprojekt befragt er Schriftsteller, Intellektuelle, aber auch Menschen »von der Straße« nach ihrem ungelesenen Buch, archiviert das Gespräch und erwirbt den genannten Titel.
Zum Teil musste er dafür schon reichlich Mühen auf sich nehmen – Josef Stalins »Gesammelte Schriften« waren schwer aufzutreiben. Heute bringen seine Interviewpartner ihr ungelesenes Buch oft gleich mit und lassen es da. Erlaubt in der kuriosen Bibliothek sind Romane und Sachbücher, aber keine Kunstbücher.
Werden Titel mehrfach genannt, kommen sie auch mehrfach ins Regal: Arno Schmidts »Zettels Traum« gibt es bereits fünfmal, »Das Kapital« von Karl Marx ist sechsmal vertreten. Untergebracht wurde die Sammlung in einem Raum von »basis wien« (einem umfangreichen Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst). In regelmäßigen Abständen werden dort Leseabende veranstaltet, bei denen die Anwesenden sich gegenseitig aus den Büchern vorlesen. Übrigens: Deutschbauer verteilt dabei bunte Wolle und Stricknadeln – für alle, die beim Zuhören stricken wollen.
Harry Potter – zu langweilig?
Ergebnis einer soeben veröffentlichten britischen Umfrage bei 4000 Erwachsenen: 55 Prozent der Befragten kaufen Bücher nicht zum Lesen, sondern als Deko fürs Regal! Die am häufigsten genannten nicht (aus-)gelesenen Bücher: 1. Jesus von Texas (von DBC Pierre); 2. Harry Potter – der Feuerkelch (Joanne Rowling); 3. Ulysses (James Joyce).
Bibliothek der ungelesenen Bücher, Museumsquartier, 1070 Wien, Messeplatz 1

























