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Kultur & Gesellschaft
Was ist die »Orgasmuskluft«?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Zwischen Männerlust und Frauenfreude klafft immer noch ein tiefer Abgrund. Wenn Frauen sich lieben, kommen 83 Prozent zum Orgasmus, beim Sex mit einem Mann nur jede dritte.
Angesichts dieser Zahlen fragt man sich doch, ob es je so etwas wie eine sexuelle Revolution gegeben hat: Während 75 Prozent der Männer beim Paarsex regelmäßig einen Orgasmus haben, sind es bei den Frauen weniger als 30 Prozent! Die beiden amerikanischen Sexforscherinnen Marcia und Lisa Douglass diagnostizieren dieses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern als »Orgasmuskluft«. Woran liegt’s?
Nach Meinung der Wissenschaftlerinnen ist es das alte Paarverständnis, das nach wie vor in unseren Köpfen herumspukt: Es ist zwar toll, wenn eine Frau zum Orgasmus kommt, aber letztlich hängt es vom Zufall ab. Für Männer ist der Orgasmus dagegen Ziel und Zweck jeder sexuellen Betätigung – jeder weiß und akzeptiert das.
Nun gibt es allerdings einen Beweis dafür, dass die Orgasmuskluft kein Naturgesetz ist: Wenn Frauen mit Frauen Sex haben, ist der Höhepunkt nämlich zu 83 Prozent garantiert! Für die beiden Sexforscherinnen ist damit klar: Wenn Frauen an jemanden geraten, der ihren Körper gut kennt, dann klappt’s auch mit dem »großen O«.
Männer wissen in der Regel wenig über die Anatomie des weiblichen Körpers und dafür kann man ihnen noch nicht einmal die Schuld in die Schuhe schieben. Die Frauen sind auch selbst verantwortlich, denn wenn’s um konkrete sexuelle Bedürfnisse geht, rücken sie häufig einfach nicht heraus mit der Sprache. Viele Frauen täuschen sogar lieber einen Orgasmus vor, als sich auf ein ehrliches Gespräch einzulassen – es kursiert hier eine Dunkelziffer von 90 Prozent. Das zeigt, wie angstbehaftet das Thema noch ist, obwohl man sich heutzutage vor erotischen Bildern und Szenen kaum retten kann.
Doch der Druck scheint im Gegenteil sogar gewachsen zu sein: Viele Frauen befürchten, als sexuell rückständig und verklemmt zu gelten, wenn sie kein filmreifes Luststöhnen zustande bringen. Die »Kunst der Erotik« bleibt dabei auf der Strecke – dabei wusste man schon in der Antike, dass sexueller Genuss eben nicht vom Himmel fällt, sondern Neugier, Wissen und Übung braucht.

























