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Psychologie & Gesundheit

Was ist das Jerusalem Syndrom?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Rund hundert Menschen halten sich jedes Jahr plötzlich, meist kurz nach ihrer Ankunft in Jerusalem, für biblische FigurenRund hundert Menschen halten sich jedes Jahr plötzlich, meist kurz nach ihrer Ankunft in Jerusalem, für biblische Figuren
Rund hundert Menschen halten sich jedes Jahr plötzlich, meist kurz nach ihrer Ankunft in Jerusalem, für biblische Figuren
iStockphoto

Kaum eine Stadt der Welt beherbergt so viele heilige Orte und religiöse Bauten wie Jerusalem. Die allgegenwärtige jüdische, christliche und islamische Glaubensgeschichte sorgt besonders im historischen Ostteil der Stadt für eine intensive spirituelle Atmosphäre.

Zu intensiv für manche der Millionen Touristen und Pilger! Rund hundert Menschen halten sich jedes Jahr plötzlich, meist kurz nach ihrer Ankunft, für biblische Figuren. Oft unterziehen sie sich zunächst rituellen Waschungen oder basteln sich aus den Laken ihres Hotelbetts einfache Gewänder, in denen sie dann durch die Straßen ziehen, einige leise betend, andere lauthals die Ankunft des Erlösers verkündend.

Mehr als ein Drittel dieser »Auserwählten« wird so auffällig, dass sie kurzfristig zur psychiatrischen Behandlung eingewiesen werden. Das Phänomen, den Bewohnern der Heiligen Stadt schon seit Jahrhunderten bekannt, wurde erstmals in den 1980er-Jahren vom israelischen Psychiater Dr. Yair Bar-El untersucht und »Jerusalem-Syndrom« getauft.

Er fand heraus, dass die meisten Betroffenen Protestanten aus Europa und den USA sind, die bereits zuvor psychische Probleme hatten oder aus einem streng orthodoxen Umfeld stammen. Christen halten sich mit Vorliebe für Johannes den Täufer, Moses oder Maria Magdalena, Juden bevorzugen den Messias. Muslime sind so gut wie nicht betroffen. In sehr seltenen Fällen tritt das Phänomen der plötzlichen »Erweckung« auch bei nicht religiösen Menschen auf.

Zum Glück legen sich die Symptome fast immer nach vier bis fünf Tagen so plötzlich, wie sie gekommen sind, und den Betroffenen ist die ganze Angelegenheit peinlich.

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