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Wissenschaft & Technik
Was ist das Fakir-Gen?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Es liegt nicht an den Genen, sondern an ihrer Konzentration, dass Fakire die Stiche der Spitzen nicht fühlen. Das Fakir-Gen wäre eher gefährlich für sie.
Nicht jeder Fakir, der seelenruhig auf Nadeln ruht oder über glühende Kohlen wandelt, muss sich vorher in Trance oder Ekstase meditieren, um die Schmerzen aushalten zu können. Manche kennen einfach keinen Schmerz – nicht, weil sie ein Indianerherz haben, sondern wegen eines Gendefekts.
Diesen Zusammenhang hat jüngst ein britisches Forscherteam aufgedeckt. Das fragliche Gen trägt die Bezeichnung SCN9A und ist bei manchen Menschen zum sogenannten „Fakir-Gen“ mutiert, das jegliche Schmerzwahrnehmung unmöglich macht. Normalerweise stellt das Schmerz-Gen Proteine für den Bau eines Ionenkanals bereit, der durch die Zellwände der Nervenfasern verläuft und den Schmerz ans Gehirn meldet.
Durch den Defekt fehlen die Bausteine, der Kanal kommt nicht zustande, und der Mensch ist nicht in der Lage, Schmerz zu empfinden. Interessanterweise sind in solchen Fällen andere Wahrnehmungen wie die von Temperaturunterschieden oder Berührungen nicht betroffen – es geht tatsächlich ausschließlich um Schmerzen.
Die Genmutation tritt nicht nur in Ländern mit Fakir-Tradition auf, sondern überall auf der Welt. Allerdings in sehr seltenen Fällen. Und obwohl Schmerzen eine unschöne Sache sind, ist ein vollkommen schmerzfreies Leben ziemlich gefährlich: Wo nichts weh tut, können Gefahren nicht richtig eingeschätzt werden – das körpereigene Warnsystem ist außer Kraft gesetzt.
Ein defektes SCN9A-Gen kann aber auch den gegenteiligen Effekt haben: Dann sind die Bausteine für den Schmerzkanal so sensibel, dass die Patienten unentwegt Höllenqualen leiden, gegen die bis jetzt kein Kraut gewachsen ist – sogar durch eine Amputation der betroffenen Glied-maßen lässt sich der Schmerz nicht vertreiben. Die Entdeckung der Funktionsweise von SCN9A nährt aber die Hoffnung auf eine neue Generation von Schmerzmitteln.

























