Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Kultur & Gesellschaft
Was hat es mit der Gretchenfrage auf sich?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Er ist ja so ein netter Kerl, der Dr. Heinrich Faust aus Goethes gleichnamigen Drama, und sagt so sympathische Dinge wie „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ oder „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“
Doch was Faust auf die Frage von Margarethe (»Gretchen«) antwortet, eine schöne junge Dienstmagd, die er unbedingt ins Bett kriegen möchte, ist da eher wirr. Denn ihre Frage hat es in sich: „Nun sag, wie hast Du’s mit der Religion?“
Sie will damit herauskriegen, wie seriös er ist, ob sie sich auf ihn verlassen kann. Er windet sich mit hohlen Floskeln heraus und kommt damit durch: Sie lässt ihn in ihre Kammer, wird schwanger, bekommt ein Kind. Er heiratet sie nicht, sie tötet aus Verzweiflung das Kind und wird dafür hingerichtet.
Die „Gretchenfrage“ gilt seitdem als die Schlüsselfrage, die man jemandem stellt, um herauszukriegen, wen man wirklich vor sich hat. In Gretchens Fall hat sie nicht geholfen. Kurz vor ihrer Hinrichtung ruft Gretchen dem Kindsvater noch zu „Heinrich, mit graut vor Dir!«, was zu einem der berühmtesten Goethe-Zitate geworden ist.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) hat sich für diese Geschichte von dem wahren Fall der Magd Susanna Margarethe Brandt aus Frankfurt am Main inspirieren lassen, deren Prozess er 1772 als junger Rechtsreferendar miterlebte. Als Jurist ein Befürworter der Todesstrafe, tat sich Goethe als Dichter schwerer mit dieser Frage: Er arbeitete 60 Jahre lang am „Faust“.

























