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Nibelungen

Was die Sage erzählt

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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»Viel Wundersames melden uns Mären alter Zeit…«

So beginnt das berühmteste deutsche Epos aus dem Mittelalter: Superheld Siegfried muss einen Drachen töten, einen Schatz bergen – und sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Hinter seinem Rücken entpuppt sich so mancher Gefährte als Feind.

Das Drama begann in der Hochzeitsnacht: Gunther, der König der Burgunder, löschte das Licht im Schlafgemach, legte sich neben Brunhild und »umarmte sie froh«. Jetzt hätte er die schöne Frau wohl lieben können, wenn sie ihn zu sich gelassen hätte. Doch sie wehrte sich so heftig, dass es ihn kränkte. Er dachte Liebe zu finden, aber Hass und Feindseligkeit schlugen ihm entgegen. »Lass das sein«, sagte sie, »daraus wird nichts.« Als Gunther einen zweiten Annäherungsversuch wagte, fesselte ihn Brunhild mit einem Gürtel und hängte ihn an einen Nagel – dank ihrer legendären Stärke gelang ihr das mühelos. Ihr Gemahl musste die Nacht an der Wand verbringen, während sie sich im Ehebett ausschlief. Der Bericht ist 800 Jahre alt – hier geschildert nach der Prosaausgabe von Uwe Johnson und Manfred Bierwisch (Insel Verlag 2006) – doch sie hat nichts von ihrer Dramatik verloren: Der Geschlechterkampf ist noch immer ein brisantes Thema.

Starke Frauen waren auch im Mittelalter eine Herausforderung für die Männer. Und so war Siegfried sofort bereit, seinem Freund Gunther zu helfen, als er von dessen Missgeschick erfuhr: »Heute will ich deine Frau überwältigen, damit du sie lieben kannst.« Ein mutiges Versprechen, doch Siegfried, der Kronerbe aus Niederland und Herrscher über das Land der Nibelungen, konnte es sich leisten: Seit er in Drachenblut gebadet hatte, war er unverwundbar – bis auf eine winzige Stelle zwischen den Schulterblättern, auf der seinerzeit ein Lindenblatt gelegen hatte. Außerdem besaß er eine Tarnkappe, mit der er sich, wann immer er wollte, unsichtbar machen konnte. »Es wird schon gut werden«, sagte er aufmunternd zu Gunther. »Schicke deine Kämmerer nach Hause. Heute Nacht komme ich heimlich unter der Tarnkappe in eure Kammer.«

Es war nicht das erste Mal, dass Siegfried dem Freund beistand: Bereits als Gunther nach Island gereist war, um das Herz Königin Brunhilds zu erobern, hatte er ihn begleitet.
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Autor/in: Monika Weiner


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