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Kultur & Gesellschaft
Was bedeuten die Wirbel in Van Goghs Himmel?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Als Physiker den unruhigen Himmel über Van Goghs »Weizenfeld mit Krähen« einmal genauer untersuchten, machten sie eine verblüffende Entdeckung.
Die chaotischen Wolken- und Luftwirbel, die den Himmel aufmischen, sind typisch für drei späte Werke des niederländischen Meisters Vincent van Gogh (1853–1890): »Sternennacht«, »Straße mit Zypresse und Stern« und »Weizenfeld mit Krähen«. Die kreisenden Gebilde werden oft als Ausdruck für van Goghs ruhelosen und leidenschaftlichen Geist gesehen. Doch dahinter steckt noch mehr, wie Physiker aus Mexiko und Spanien kürzlich herausfanden.
Die gemalten Strukturen entsprechen erstaunlicherweise exakt den physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Turbulenzen in der Luft oder im Wasser. Das Modell für turbulente Strömungen ist in den 1940er-Jahren vom russischen Mathematiker Andrei Kolmogorov entwickelt worden. Es beschreibt die Struktur von Wasser- und Luftwirbeln, anhand der Beziehung zwischen der Geschwindigkeit des Wirbels und dem Abstand zweier beliebiger Punkte in der Flüssigkeit oder im Gas.
Mit digitalen Fotos berechneten die Wissenschaftler jetzt die Helligkeitsschwankungen in van Goghs Wolken- und Lichtwirbeln und die Wahrscheinlichkeit, mit der zwei Pixel in einem Abstand dieselbe Helligkeit haben würden. Die Ergebnisse entsprachen exakt dem Modell von Kolmogorov. Dagegen ergab die Analyse von den »Wirbeln« anderer Künstler (etwa in »Der Schrei« von Edvard Munch) keine Übereinstimmung mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten.
Einen ähnlich unerklärbaren »Realismus« entdeckten britische Forscher im vergangenen Jahr in einem weiteren Bild van Goghs. Als sie testweise Hummeln vor den Blumenbildern berühmter Künstler fliegen ließen, war das Ergebnis eindeutig: Alle Insekten bevorzugten die »Sonnenblumen« von Van Gogh. Warum und wie der Maler die Wirklichkeit so genau erfasste, darüber lässt sich nur spekulieren. Fest steht, dass die drei Wirbel-Bilder aus einer Zeit stammen, in der van Gogh schon psychisch krank war. Die »Sternennacht« malte er 1889, als er sich in einer psychiatrischen Klinik im französischen Saint-Rémy aufhielt.
Die beiden Werke »Straße mit Zypresse und Stern« und »Weizenfeld mit Krähen« entstanden 1890, wenige Wochen bevor sich van Gogh am 27. Juli eine Kugel in die Brust jagte und zwei Tage später, im Alter von 37 Jahren, starb. Vielleicht ist es für einen Menschen letztlich unerträglich, wenn er – aus welchen Gründen auch immer – mehr sehen kann als das normale menschliche Auge.

























