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Warum wollen wir glauben?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Mehr als ein Drittel der Deutschen und gut die Hälfte der Amerikaner glauben an Engel. Wie kann es sein, dass Religionen auch im Zeitalter der Rationalität solch eine Anziehungskraft ausüben?
Wie seltsam: Unsere Welt wird immer rationaler – und dennoch gehen die Religionen nicht unter. Immer noch gehören mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung einer der großen Glaubensrichtungen an. Und wo sich Menschen von der Religion abwenden, begeben sie sich oft direkt in die Arme einer esoterisch-spirituellen Ersatzreligion, die so individuell zusammengewürfelt ist wie viele heutige Lebensläufe.
Woher kommt die Zähigkeit des Glaubens? Gibt es gar eine Art »Gottesmodul« im Hirn, das uns zur Religiosität vorprägt? Manche Forscher glauben das, allen voran der amerikanische Neurotheologe Andrew Newberg, der behauptet, die Wurzel aller Religionen gefunden zu haben. Das Gehirn, so sagt er, ist für religiöse Erfahrungen ausgelegt.
Dabei beruft er sich auf eigene Forschungen an Nonnen und meditierenden Buddhisten: Bei beiden hat er mit Hirnscans festgestellt, dass im Moment der tiefsten Versenkung Gehirnbereiche im vorderen Frontallappen höchst aktiv und andere im Hinterkopf nahezu inaktiv waren. Die Aktivität im Frontallappen spiegelt seiner Interpretation nach den Willen, den Geist von allen »Gedanken, Gefühlen und Wahrnehmungen zu entbinden«. Die Inaktivität jenes Bereichs im Hinterkopf, der für räumliche Orientierung zuständig ist, könnte wiederum dem Gefühl des »absoluten Eins-Seins« entsprechen, von dem viele Gläubige berichten.
Doch so spektakulär solche Forschungsergebnisse klingen: Sie halten der Überprüfung gewöhnlich nicht stand. Uninterpretierbare, schwankende und widersprüchliche Ergebnisse sind die Regel, wenn es um die Frage geht, wo sich religiöses Erleben im Gehirn manifestiert. Newbergs Versuche wurden denn auch von dem Kanadier Mario Beauregard gründlich infrage gestellt: Bei ganz ähnlichen Versuchen entdeckte er viele hoch aktive Hirnareale und kein einziges inaktives.
Die Neurotheologin Nina Azari geht in ihrer Kritik noch weiter. Die Neuroforschung, so meint sie, könne über Gott schon gar nichts herausfinden, denn »das Studienobjekt der Hirnforschung ist der Mensch – und nicht Gott«. Auch in Zeiten der Wissenschaft bleibt der Kern des Glaubens ein Rätsel.
























