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Wissenschaft & Technik
Warum war Arsen früher so beliebt?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Ob „Tatort“ oder „Der letzte Zeuge“: In TV-Krimis suchen Pathologen bei Mordopfern nur noch selten nach Arsen – aus gutem Grund.
Vor mehr als tausend Jahren soll der Alchimist Dschabir ibn Hayyan in Persien einen Weg gefunden haben, weißes Arsenik künstlich herzustellen. Ein großer Durchbruch auf dem Gebiet der Chemie – und eine mächtige Waffe in den Händen gewissenloser Giftmischer.
Noch bis vor 200 Jahren konnte man damit – meistens unentdeckt – Widersacher, lästige Zeugen oder Rivalen aus dem Weg räumen. Denn das Arsenikpulver riecht und schmeckt nach nichts, und bereits Mengen jenseits der 60 Milligramm bescheren einen qualvollen Tod durch Herz- und Nierenversagen. Die Wirkung tritt erst nach einigen Stunden ein.
Wer noch weniger Aufsehen erregen wollte, verabreichte das Arsen in kleineren Dosen über einen längeren Zeitraum. Der Vergiftete siechte allmählich dahin und starb so in den Augen seiner Mitmenschen an einer ebenso rätselhaften wie unheilbaren Krankheit. Um den Arsennachschub musste sich der Mörder keine Gedanken machen: Apotheken hielten das Gift ständig vorrätig, weil es auch als Arzneimittel und Rattengift enorm populär war.
Der Mordlust der Giftmischer wurden erst Grenzen gesetzt, als der englische Chemiker James Marsh 1832 eine Methode zum Nachweis von Arsen entwickelte. Moderne Pathologen könnten zum Beispiel einen Teil der Magenwand des Toten mit etwas Zink und verdünnter Schwefelsäure versetzen. Bei der anschließenden chemischen Reaktion schlägt sich eine kleine Menge Arsen als schwarzer Fleck nieder. Weil sich eine natürliche Todesursache nach einer Arsenvergiftung definitiv ausschließen lässt, kam das Killergift aus der Mode.
Drei berühmte Giftmischer:
Papst Alexander VI. (1430 – 1503) brachte in seiner elfjährigen Schreckensherrschaft reihenweise Widersacher mit Arsen um. Dann starb er selbst eines jähen Todes: Angeblich hatte ein bestochener Mundschenk zwei Weinkaraffen vertauscht: Alexander trank versehentlich sein eigenes Gift.
Aus Gier nach dem Familienerbe vergiftete Marie-Marguerite Marquise de Brinvillier (1630 – 1676) ihren Vater und zwei Brüder. Weil sie zuvor vergifteten Zwieback an Bettler verteilt hatte, um die Wirkung zu studieren, flog sie auf. Sie wurde enthauptet.
Gleich 15-mal griff die Bremerin Gesche Gottfried (1785 – 1831) zu Arsen und löschte so aus ungeklärten Motiven den Großteil ihrer Familie aus. Ahnungslose Beobachter bedauerten sie wegen der zahlreichen „tragischen Verluste“. Sie war der letzte Mensch, der öffentlich in der Hansestadt hingerichtet wurde.

























