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Kultur & Gesellschaft
Warum trinken die Briten um fünf Uhr Tee?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Ein Tag ohne »Five o´ Clock Tea« – undenkbar für Engländer! Das muss wohl auch den bundesdeutschen Protokollchefs eingeleuchtet haben, jedenfalls planten sie das feine Ritual beim letzten Deutschland-Besuch der Queen ein.
Entstanden ist die Sitte, die bis heute pünktlich im ganzen Königreich zelebriert wird, aus einer persönlichen Not: Anna, Duchess of Bedford (1788–1861), bekam während der langen Ess-Pause zwischen Lunch und Dinner regelmäßig – vermutlich wegen Unterzuckerung – Schwächeanfälle. Um den Nachmittag zu überbrücken, führte die hochadelige Dame 1840 bei sich zuhause eine Tee-Zwischenmahlzeit mit fein belegten Sandwichs, Shortbread und Gebäck ein.
Da die Herzogin in der englischen Oberschicht tonangebend war, wurde der neue Trend rasch übernommen – allerdings zunächst ausschließlich von der Upper Class, denn nur diese konnte sich im 18. Jahrhundert die teure Kolonialware Tee leisten.
So kostbar war das neue Kultgetränk, dass es der Dienerschaft nur erlaubt war, die Utensilien für die Teezubereitung an den Tisch bringen. Die Zubereitung selbst, das Servieren und das Nachschenken war Sache der Hausherrin – eine Tradition, die sich in feinen englischen Häusern bis heute gehalten hat.
Erst als die hohe Teesteuer gesenkt wurde, konnte sich die nachmittägliche Teestunde in alle Schichten ausbreiten. Anfang des 19. Jahrhunderts eroberten dann auch die Arbeiter mit Hilfe vieler Streiks die Teepause während der Arbeitszeit. In Deutschland hat sich der Five o´ Clock Tea nicht wirklich gegen das bei uns übliche »Kaffee-Kränzchen« am Nachmittag durchsetzen können.
Neuer Tee-Trend
Nach schicken Coffee-Shops kommen in New York derzeit Teesalons in Mode, wo es nicht nur um fünf, sondern den ganzen Tag über Tee zu trinken gibt.
Grund: Der überwältigende Erfolg von »Ito En« an der Madison Avenue, wo sich Promis (Robin Williams, Bianca Jagger, Richard Gere, Madonna) die Klinke in die Hand geben. 75 schwarze und grüne Teesorten werden angeboten, hinzu kommen Kräuter- und Blütentees.
Im Preis enthalten ist – neben dem edlen, minimalistischen Ambiente – die Beratung (Welcher Tee macht mich munter? Und welcher macht schlank?). Ito En, ein weltweit führendes Teehandels-Unternehmen, hat seinen Firmensitz und mehrere Teesalons in Tokio. Der edle Teetempel in New York ist der erste Laden außerhalb von Japan. Sicher nur noch eine Frage der Zeit, wann der Trend auch zu uns kommt.

























