Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Kultur & Gesellschaft
Warum sagen wir »Bocksbeutel«?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wie eine Flaschenform zu ihrem Namen kam.
Eine flach gedrückte Flasche in Form eines Ellipsoids, gefüllt mit hochklassigem fränkischen Wein: Das ist ein Bocksbeutel. Mit einem Augenzwinkern wird meist eine anrüchige Erklärung für das merkwürdige Wort bemüht. Angeblich bekam die Flasche ihren Namen, weil ihre Form ans männliche »Gehänge« eines Ziegenbocks erinnert. Ach, ja? Ach, nein! Das Wort hat einen ganz anderen Hintergrund: Der Bocksbeutel war ursprünglich ein Überzug, in den Ratsherren und andere Honoratioren im Mittelalter ihre Gebet- und Gesangbücher stopften. Nicht nur für den Kirchgang, sondern auch zu anderen offiziellen Anlässen trugen sie das Paket am Gürtel.
Was der »Bock« da zu suchen hatte? Nichts. Bock kommt von niederdeutsch book (wie englisch: book). Der Bocksbeutel war also schlicht ein Bücherbeutel. Nachdem das Säckchen aus der Mode kam und nur noch ein paar sture Köpfe daran festhielten, bezeichnete man konventionelles Denken früher auch als Bocksbeutelei.
In die Winzersprache ist der Ausdruck vermutlich geraten, weil auch die platt gedrückten Feldflaschen der Soldaten ironisch Bocksbeutel genannt wurden. Seit etwa 280 Jahren werden Frankenweine der höchsten Qualität in die bocksbeutelige Flasche abgefüllt. Zum Ärger der fränkischen Winzer entschied der europäische Gerichtshof 1983 übrigens, dass diese Flaschenform keinen Markenschutz genießt. Auch portugiesische Weinbauern dürfen ihre Produkte im Bocksbeutel abfüllen.

























