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Geschichte & Politik

Waren die Vandalen wirklich so schlimm?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Waren die Vandalen wirklich so schlimm?Waren die Vandalen wirklich so schlimm?
iStockphoto

455 n. Chr. eroberten die Vandalen Rom und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war.

Nein, sie waren gar nicht so stumpfsinnig, blutrünstig und brutal wie sie dargestellt werden – und das, obwohl der Name dieses germanischen Stammes Pate stand für den Begriff »Vandalismus«, womit heute jede Form blinder Zerstörungswut bezeichnet wird. Woher die Vandalen ursprünglich kamen, ist ungeklärt. Ihre historische Stunde schlug, als sie unter König Geiserich Nordafrika eroberten und 439 n. Chr. dem angeschlagenen weströmischen Reich die strategisch wichtige Stadt Karthago entrissen.

Dabei fielen sie den Römern noch nicht durch besondere Grausamkeit auf. Bleibenden Eindruck hinterließen sie erst, als sie 16 Jahre später vor den Toren Roms auftauchten und die ewige Stadt praktisch kampflos einnahmen. Obwohl sie nach damaligen Maßstäben recht zurückhaltend vorgingen und auf Bitten des Papstes auch kein größeres Gemetzel unter der Bevölkerung anrichteten, saß der Schock bei den immer noch stolzen Römern tief.

Vor ihren Augen plünderten die Vandalen zwei Wochen lang systematisch die Stadt und ließen sogar das vergoldete Dach des Jupitertempels mitgehen. Außerdem verschleppten sie zahlreiche Handwerker in ihr Königreich, um dort den Fortschritt nach römischem Vorbild voranzutreiben. Von da an tauchten die Vandalen in Heldengedichten als primitives Volk von Kulturschändern auf.

Dieser Ruf nahm endgültig Gestalt an, als der französische Bischof Henri Grégoire 1794 das Wort »le vandalisme« erfand, um damit die sinnlose Zerstörung von Kunstwerken während der Französischen Revolution zu geißeln. Genau dazu hatten sich die Vandalen aber nicht hinreißen lassen: Was sie nicht mitnahmen, hatten sie in Rom unversehrt liegen und stehen gelassen. Auch wenn die Vandalen also zu Unrecht als die schlimmsten aller Barbaren gelten – ohne diesen Irrtum würde heute kaum noch einer von ihnen sprechen.

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