Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
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Geschichte & Politik
Wann war der letzte Hexenprozess?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Die Akten vom Prozess gegen die Memminger Hexe Anna Schwägelin sorgen bei genauem Studium für eine Überraschung?.
Am 7. April 1775 steht die 46-jährige Anna Schwägelin in Kempten vor dem Landesrichter Johann Treuchtlinger und wird als Hexe zum Tode verurteilt. Die Ereignisse rund um diesen letzten (bekannten) Hexenprozess zählen zu den merkwürdigsten Episoden der deutschen Geschichte: Anna Schwägelin gehört zu den Ärmsten unter den Armen der damaligen Gesellschaft. Sie arbeitet lange Jahre als Dienstmagd in Memmingen, wird dann – auf eigenen Wunsch – ins Arbeitshaus Langenegg (bei Memmingen) aufgenommen (eine Einrichtung, in der Bettler, Landstreicher und Waisen lebten).
Zu dieser Zeit ist die Frau schon, so glaubt sie, eine Geliebte des Teufels, der gehörnte Lover sucht sie angeblich nachts heim. Seelischer Hintergrund der schrecklichen Fantasien: Als junge Frau ist Anna aus Liebe zu einem Mann, der ihr die Ehe versprochen hat, zum Protestantismus übergetreten, wird aber von ihrem Verlobten sitzengelassen. Und bekommt wohl so schreckliche Schuldgefühle, dass sie sich einbildet »des Teufels zu sein«.
Weil sie immer wieder darüber redet, landet sie schließlich vor dem kaiserlichen Landesgericht in Kempten, wo sie, ohne Folter, die »Teufelsbuhlschaft« gesteht– nach damaligem Rechtsempfinden Grund genug für das Todesurteil. Gnädigerweise soll Anna aber nicht mehr, wie sonst für Hexen üblich, auf dem Scheiterhaufen den Feuertod sterben, sondern mit dem Schwert hingerichtet werden.
Vollstreckt wurde das Urteil am 11. April – so glaubte man lange. Doch das Studium der Archive brachte vor ein paar Jahren eine überraschende Erkenntnis: Die »Hexe« starb erst 1781 eines natürlichen Todes im Gefängnis. Offiziell begnadigt wurde sie zwar nie, aber der Prozess neu aufgerollt – und verschleppt. Geschehen ist das wahrscheinlich durch die Intervention eines Beraters des Fürsten von Kempten: Der Franziskanerpater Anton Kramer vertrat die modernen Ideen der Aufklärung, und darin hatten solche Dinge wie Teufelsbuhlschaften keinen Platz mehr.

























