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Quantenphysik & Mystik
Wünsche an das Universum
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Eine neue Generation von Mystikern möchte uns in Büchern und Filmen glauben machen: Mit der Kraft der Gedanken schaffen wir es, dass verborgene kosmische Kräfte jeden unserer Wünsche erfüllen. Das Verstörende daran: Diese Theoretiker wühlen nicht in der esoterischen Mottenkiste – sie berufen sich auf die Quantenphysik! Ein Trick – oder ist wirklich etwas dran?
Als ihm zum ersten Mal auf geheimnisvolle Weise ein glühender Wunsch erfüllt wurde, war Pierre Franckh sechs Jahre alt. Er hatte einen Zettel an seinen Schutzengel geschrieben – und bekam »genau das Fahrrad, das ich wollte, sogar in der gewünschten Farbe«, erzählt der heute 54-Jährige, der als Schauspieler und Autor arbeitet. Irgendwann später sei ihm das Wünschen plötzlich kindisch erschienen. Er wollte selber etwas leisten, begann zu kämpfen. Doch eines Tages stolperte er über ein dünnes Buch von Stuart Wilde mit dem Titel »Wunder«: »Da erinnerte ich mich an meine Zeit als Kind und habe wieder angefangen zu wünschen – und es hat geklappt. Seit 25 Jahren realisieren sich alle meine Wünsche!«
Er hat es zu Luxus-Autos und zu einer, wie er sagt, »Traumfrau« gebracht – und alles nur durch pures Wünschen. Auf dass wir alle glücklich werden, hat er dann sein Wissen, wie man’s macht, mit zwei Büchern unters Volk gebracht: »Erfolgreich wünschen« und »Wünsch es Dir einfach – aber richtig!« Und seit er damit zum Bestseller-Autor avanciert ist, weiß er, »dass es nicht nur bei mir funktioniert, sondern auch bei vielen anderen Menschen«.
Ein bisschen in der Wünsche-Küche brutzeln, und alles wird gut: esoterischer Unsinn? Kindlicher Aberglaube? Raffinierter Marketing-Gag von Verlagen? In jedem Fall rollt zurzeit eine Welle einschlägiger Bücher über den Globus. Ihre Kernbotschaft: Kein Geringerer als das Universum erfüllt uns jeden Wunsch – egal, ob wir einen Parkplatz oder einen Partner suchen. Wir müssen nur selber ganz fest daran glauben. Bei der Bestsellerautorin Doreen Virtue ist es die »kosmische Macht der Engel«, die wir zur Lösung alltäglicher Probleme nutzen können. Andere beziehen sich auf eine »göttliche Matrix« oder wie Rhonda Byrne, die Autorin von »The Secret«, auf ein geheimnisvolles »Gesetz der Anziehung«. Clever verbinden all diese Bücher, zumeist von Nichtwissenschaftlern geschrieben, Methoden des »positiven Denkens« mit Versatzstücken aus Physik und Hirnforschung. Und allen gemeinsam ist die Vorstellung, wir könnten allein durch die Macht unserer Gedanken eine Verbindung zu den Kräften des Kosmos aufnehmen – und unsere Wirklichkeit praktisch selbst erschaffen. »Was wir denken, materialisiert sich«, schreibt Pierre Franckh.
Das klingt verdächtig nach Löffelbiegen, Geistheilung, Telepathie und anderen altbekannten Themen der Esoterik-Szene. Doch beim Hineinlesen reibt man sich die Augen: Die Wünsch-dir-was-Bücher beziehen sich auf die moderne Physik – vor allem auf die Quantentheorie! Die Inspiration dazu lieferte 2004 der Film »What the Bleep Do We (K)now!?« (»Ich weiß, dass ich nichts weiß«): Allein in den USA lockte der Streifen über Quantenphysik und Spiritualität bereits eine Million Menschen in die Kinos und spielte zwölf Millionen Dollar ein; die deutsche Kinofassung sahen über 250000 Zuschauer. Und schon gibt es eine Fortsetzung (»What the Bleep / Down The Rabbit Hole«), die als DVD unter dem Titel »Das Mysterium geht weiter« auch auf dem deutschen Markt angeboten wird. Das Credo beider Filme: Der Urgrund allen Seins sind Geist und Bewusstsein – wir Menschen sind daher Teil einer kosmischen All-Intelligenz, mit der wir kommunizieren können.
Diesem Credo würden die meisten Quantenphysiker nicht prinzipiell widersprechen – und das mag auch der Grund dafür sein, dass die »Bleep«-Filme von renommierten Wissenschaftlern unterstützt wurden. »Die Forscher müssen endlich begreifen, dass alles im Kosmos miteinander verbunden ist«, fordert etwa Amit Goswami, ehemaliger Physikprofessor an der University of Oregon. »Und das bedeutet, dass alles durch die Kraft der Gedanken radikal verändert werden kann.« Der Wissenschaftler spricht von einem Energiefeld, von dem das ganze Universum durchzogen sei – und das von jedem Menschen »angezapft« werden könne. Diese neue Sicht auf die Realität (s. a. »Am Anfang war der Quantengeist« in P.M. 5/07) bewegt sich wohlbemerkt auf dem Boden der Quantentheorie – aber können dies auch die neuen Wünsch-dir-was-Bücher von sich behaupten?
Deren Idee von einer kosmischen Kraft, mit der wir in Verbindung treten können – sie gründet auf uralten mythologischen Vorstellungen. Für die Erfüllung unserer Wünsche waren in der Überlieferung, über alle Kulturen hinweg, stets die Engel zuständig. Im Bedarfsfall drehten die Himmelsboten an den Naturgesetzen und machten das Unmögliche möglich – immer vorausgesetzt, der Glaube der Menschen war groß genug.
Denken wir an die Bibel: Da stärkt ein Engel den verzweifelten Propheten Elias mit Kuchen und Wasser. Ein anderer »beamt« den Propheten Habakuk »mit der Gewalt seines Geistes« von Judäa nach Babylon, um Daniel in der Löwengrube beizustehen. Und natürlich ist es ein Engel, der die Israeliten vor den angreifenden Ägyptern beschützt, indem er sie in dichten Nebel hüllt. Nach Thomas von Aquin, dem mittelalterlichen »Doktor Angelicus«, üben die Engel Macht über alle »Körperdinge« aus. Souverän setzen sie sich über Raum und Zeit, ja über die Naturgesetze hinweg. Sie wirken Wunder, sie helfen und beschützen jene, die an sie glauben.
Das Universum der Alten war erfüllt von Myriaden von Geistern und Engeln. Erst wir modernen Menschen schreiben den Naturgesetzen zu, wofür die antike und mittelalterliche Welt übernatürliche Wesen verantwortlich machte. Die Wissenschaft des 17. Jahrhunderts entzauberte den Himmel. In Newtons Modell erschien der Kosmos als gewaltige Maschinerie, die mit der Präzision eines Uhrwerks funktionierte. Gesteuert von unabänderlichen Naturgesetzen, zogen die Gestirne darin gleichmäßig ihre Bahnen. Über allem schwebte zwar noch der Schöpfergott. Doch für Engel und andere kosmische Geistwesen war in dieser Welt kein Platz mehr. Der Kosmos schien plötzlich leer und kalt.
Erst die moderne Physik, vor allem die Quantentheorie, brachte das Mysterium zurück in die Natur. Da tauchen Teilchen aus dem Nichts auf, oder sie scheinen an vielen Orten zugleich zu sein – und erst wenn wir sie beobachten, entscheiden sie sich für einen bestimmten Zustand. Da beeinflussen Teilchen einander auf spukhafte Weise, obwohl sie sich Lichtjahre voneinander entfernt aufhalten. Diese Merkwürdigkeiten geben den Physikern bis heute Rätsel auf, und sie versagen sich allzu Spekulatives. Nicht so die Wünsche-Mystiker: Für sie wohnen in der Erkenntnislücke die Engel, wirkt ein geheimnisvolles »Gesetz der Anziehung« – hier sehen sie jenen Raum einer Kommunikation, in dem das Wünschen wirklich helfen könne.
Dabei geht es den modernen Mystikern keineswegs um religiöse Überzeugungen – weder Jesus noch Buddha hat bekanntlich behauptet, dass man allein durch die Kraft des Gebetes den Lotto-Jackpot knacken kann. Stattdessen wird versucht, die Macht des Wünschens wissenschaftlich zu untermauern. Nach den Gesetzen der Quantentheorie sei der Urgrund allen Seins das Bewusstsein; und weil im Universum alles mit allem verbunden sei, könnten wir die physikalische Realität durch bloße Gedankenkraft beeinflussen, ja nach unseren Wünschen erschaffen. Die universale Verbindung werde, schreibt der Bestseller-Autor Gregg Braden, durch ein »Quantengewebe« beziehungsweise eine »energetische Matrix aller Dinge« hergestellt. So oder ähnlich argumentieren die meisten Wünsche-
Mystiker. Aber kann das stimmen? Inwieweit sind diese Behauptungen tatsächlich durch die Quantentheorie gedeckt? Was ist Wissenschaft – und wo beginnt die Esoterik?
Vordergründig kann sich die Mystiker-Fraktion tatsächlich auf keinen Geringeren als auf Max Planck (1858 – 1947) berufen. Denn der Begründer der Quantentheorie postulierte in einem Vortrag 1944 in Florenz, dass es »keine Materie an sich gibt. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zusammenhält«. Hinter dieser Kraft vermutete Planck »einen bewussten, intelligenten Geist«. Er sei »der Urgrund aller Materie«. Und John Wheeler, der berühmte US-Quantenphysiker und Entdecker der Schwarzen Löcher, zog den Schluss, dass wir Menschen im Universum keine bloßen Beobachter seien, sondern aktiv am kosmischen Geschehen teilnehmen. Eine ähnliche Sicht vertritt heute auch der deutsche Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreises. Wie begründen nun die Quantentheoretiker die aktive Teilnahme des Menschen am kosmischen Geschehen?
Nach der Theorie befindet sich ein Teilchen, etwa ein Elektron, in vielen Zuständen zugleich, solange wir keine Messung durchführen. Wir können uns dies als eine Wolke von (zunächst immateriellen) Möglichkeiten vorstellen; die Physiker beschreiben diese merkwürdige Situation als »Wahrscheinlichkeitswelle« in Form einer mathematischen Funktion. Erst wenn wir das Elektron beobachten, also eine Messung durchführen, legt es sich gleichsam für einen bestimmten Zustand fest – etwa auf einen bestimmten Aufenthaltsort. Das ist die so genannte Kopenhagener Deutung der Quantentheorie – und bis hierher würden die meisten Physiker folgen: Die Messung oder Beobachtung scheint tatsächlich die subatomare Realität zu beeinflussen.
Doch die Wünsche-Mystiker gehen noch einen großen Schritt weiter: Sie behaupten nämlich, wir Menschen könnten diesen Einfluss bewusst und absichtsvoll ausüben, die Materie also in eine gewünschte Richtung verändern. Das würde bedeuten, dass wir uns einen bestimmten Zustand des Elektrons wünschen können – und tatsächlich nimmt das Teilchen dann, wie von Zauberhand gesteuert, diesen Zustand an. Selbst wenn wir uns etwas Makroskopisches wie ein Auto wünschen, soll das funktionieren. Aber hier weichen die neuen Mystiker in Wahrheit erheblich von der Quantentheorie ab: Die Naturwissenschaftler haben nie behauptet, dass wir determinieren können, welchen Zustand ein Teilchen annimmt, wenn wir es messen. Und: Selbst wenn wir subatomare Teilchen per Gedankenkraft auf einen bestimmten Zustand festlegen könnten, wäre damit nicht gesagt, dass dies ebenso für makroskopische Objekte gilt.
Doch auch in anderen Punkten kommen die Wünsche-Propheten vom Gleis der Quantentheorie ab. Etwa wenn sie behaupten, die Wunscherfüllung folge einem »Gesetz der Anziehung«. Das Prinzip ist simpel: Gleiches zieht Gleiches an.Wenn ein Mensch überwiegend an Gutes und Schönes denke, dann werde dies positive Auswirkungen auf sein Leben haben. Wenn er hingegen an Negatives denke, so werde sich auch dies in seinem Leben manifestieren. Erfolg ziehe Erfolg an, Glück weiteres Glück – und so weiter. Auch hier muss zur Untermauerung der These die Quantenwelt herhalten, genauer gesagt ihre mysteriösen »Verschränkungsphänomene«. Sie zeigen sich darin, dass Teilchen, die aus der gleichen Quelle stammen, wie eineiige Zwillinge auf geradezu magische Weise miteinander verbunden sind: Entscheidet sich eines der beiden Teilchen für einen bestimmten Zustand, tut das andere Teilchen sofort das Gleiche – und zwar unabhängig von der Entfernung.
Und so soll das »Gesetz der Anziehung« funktionieren – die Realität verhält sich genauso wie das Denken? Naturwissenschaftlich unhaltbar: Selbst wenn »alles mit allem verbunden« ist, folgt daraus noch nicht, dass diese Verbindung auch kausaler Natur im Sinne eines »Wenn – dann« ist. Bekanntlich sind alle Menschen über sechs Ecken miteinander verwandt – aber dennoch hat noch niemand nachgewiesen, dass ein in München gefasster Gedanke das Liebesleben eines fernen Verwandten in Neuseeland auch nur im Geringsten beeinflusst hätte. Und was tun Autoren wie Gregg Braden, wenn sie selbst spüren, dass sie die reine Lehre der Wissenschaft verlassen? Dann müssen religiöse Ideen, etwa aus dem Buddhismus, die Erklärungslücke schließen.
Wenn das Gesetz der Anziehung nicht hält, was es verspricht – kann dann wenigstens die »kosmische Macht der Engel« als wunscherfüllende Kraft Plausibilität beanspruchen? Der Schweizer Astronom Bruno Binggeli jedenfalls sieht verblüffende Parallelen zwischen den Engeln und den Photonen (Lichtteilchen) der Quantenwelt. »Vermittler der transzendenten Ganzheit« nennt er sie. Beide sind Lichtwesen; beide haben keine Masse, sind reine Energie; beide vermitteln Kräfte – Engel die Kraft Gottes, Photonen die Kraft des elektromagnetischen Feldes; beide kommen myriadenfach vor; beider Erscheinung lässt sich nicht mit Gewissheit vorhersagen; Engel existieren außerhalb von Raum und Zeit – und auch für Photonen steht, wie Einstein bemerkte, die Zeit still. Aber lässt sich aus all dem ableiten, dass die Engel uns alle Wünsche erfüllen?
Manche Quantenphysiker treiben den Gedanken über die Analogien von Engeln und Photonen noch weiter – und da wird es tatsächlich spannend. Der Physiker Antoine Suarez vom Center for Quantum Philosophy in Zürich beispielsweise glaubt sogar, die Existenz unsichtbarer Geistwesen, die unsere Realität beeinflussen, experimentell beweisen zu können. Erst vor wenigen Monaten sorgte der Wissenschaftler mit einem Aufsatz über »Quantenengel« für Aufsehen.
Suarez’ Experiment basiert auf dem schon erwähnten Phänomen der »Verschränkung«: So verhalten sich zwei aus derselben Lichtquelle stammende Photonen absolut identisch – misst man den Zustand des einen Teilchens, legt man damit automatisch den Zustand des anderen fest. Nach der so genannten »Quanteninformationstheorie« muss dieser Korrelation irgendeine Art von Berechnung zugrunde liegen – der Kosmos ist demnach gleichsam ein gigantischer Quantenrechner. Das große Rätsel dabei: Wer oder was führt diese Myriaden von Berechnungen eigentlich durch? Und wo steht der »Rechner«?
Es klingt unglaublich, aber Suarez ist es gelungen, darauf eine Antwort zu finden – die noch vage ist, die man jedoch nicht als Spekulation abtun kann. Mit einem raffinierten Versuchsaufbau, der diesen Test den von Einstein beschriebenen Einflüssen der Relativität aussetzt, konnte der Physiker zeigen: Der mysteriöse Verschränkungseffekt tritt sogar dann auf, wenn man nicht einmal sagen kann, welches der beiden Teilchen als erstes gemessen wurde – wenn also die zeitliche Kausalität zusammenbricht. Dann hat die spukhafte Fernwirkung ihre Wurzeln offenbar außerhalb der Raumzeit – mit anderen Worten: außerhalb unserer physikalischen Realität!
Wenn dies so ist, folgert Suarez, dann gibt es mächtige »spirituelle Agenten« außerhalb der physischen Welt, die ständig quantenmechanische Berechnungen durchführen – und damit unsere Realität beeinflussen. Sie bräuchten nicht einmal ein Gehirn – eine mathematische Wellenfunktion, die sich im Bedarfsfall zu konkreten Teilchen materialisieren kann, würde genügen. Die Welt sei womöglich ein »Dialog aus nicht-neuronalen und menschlichen Intellekten«. Mit anderen Worten: Wir Menschen stehen einer kosmischen Intelligenz gegenüber, die Suarez Quantenengel nennt und die nach eigenem Ermessen die Realität verändern können.
Mit seinem Experiment will der Physiker lediglich nachweisen, dass es eine transzendente Realität gibt – dass hinter der sichtbaren Welt eine unsichtbare Intelligenz waltet. Im Unterschied zu den Wünsche-Mystikern behauptet er aber nicht, dass wir diese Intelligenz per Gedankenkraft für unsere irdischen Zwecke einspannen können.
Wenn viele aktuelle Wünsch-dir-was-Bestseller das Gegenteil behaupten, bewegen sie sich eindeutig nicht mehr auf dem Boden der Quantenphysik. Warum haben diese Bücher dann diesen gigantischen Erfolg? Weil die immer noch ungelösten Rätsel der Quantentheorie eine Projektionsfläche darstellen für die Sinnsuche vieler Menschen, die – wie es der amerikanische Physiker Ken Wilber formuliert – »ihre Seele auf den Erkenntnissen der Physik ausruhen«. Denn dieses Bedürfnis haben immer mehr Zeitgenossen, die sich in der »kalten« Welt moderner Kosmostheorien nicht mehr geborgen fühlen. In der Antike wurde das Universum als Lebenswelt aufgefasst, die eine Seele hat. Und offenbar wünschen wir alle uns einen solchen Kosmos zurück.
Ohne diesen Wunsch gäbe es auch die Wünsch-dir-was-Bücher nicht. Doch diese Werke der neuen Quanten-Mystiker wecken Hoffnungen, die das Universum nicht halten kann. Auch wenn die Quantenheorie noch nicht ganz ausgeschrieben ist, lässt sich nicht jeder Quatsch mit Quanten rechtfertigen. Misstrauen ist deshalb angesagt. Misstrauen gegenüber Heilsversprechen, deren Protagonisten den Sinnsuchern in zweifelhaften Seminaren und Therapien das Geld aus der Tasche ziehen. Misstrauen gegenüber den sozial isolierenden Implikationen des Wunsch-Denkens: Einzeln gewünscht ist allemal besser als zusammen erkämpft – denn wir sind ja die wahren Herren des Universums.
Das Misstrauen ist umso mehr gerechtfertigt, als die eingangs erwähnten »Bleep«-Filme über Quantenphysik und Spiritualität aus einem reichlich zwielichtigen New-Age-Milieu der USA stammen. Alle drei Produzenten der Streifen – William Arntz, Betsy Chasse und Mark Vicente – sind Schüler der »Ramtha’s School of Enlightenment«. Ramtha ist ein 35000 Jahre altes Kriegerwesen, das von Judith Z. Knight »gechannelt« wird: Die Chefin der »Schule der Erleuchtung« herrscht zugleich über einen Verlag und eine TV-Produktion. Auf ihrer »World Tour 2007« hat sie in 31 Ländern erfolgreich für die »heilige Aura« der Quantenphysik und die spirituellen Lehren der »Ramtha’s School« geworben.
Bei ihrer Missionierung kann sie leider auch auf akademische Unterstützung zählen. An dem Film »What the Bleep Do We (K)now!?« haben 14 Wissenschaftler und Dozenten mitgewirkt. Einer von ihnen hat sich inzwischen allerdings scharf distanziert: David Albert, Professor für Quantenphilosophie an der Columbia University (USA), erklärte: »Hätte ich gewusst, welcher Blödsinn in meinem Namen verbreitet wird, hätte ich mich keinesfalls dafür hergegeben.« Er habe den Filmemachern stundenlang erklärt, dass Quantenmechanik eben nicht dazu verwendet werden könne, Mystizismus und Spiritualität zu rechtfertigen. Man habe seine vierstündige Erklärung jedoch so lange verfälscht, bis sie ins Konzept passte.
Was Albert allerdings nicht davon abgehalten hat, auch im zweiten »Bleep«-Film aufzutreten. Hatte sich der Professor vielleicht zu sehr gewünscht, ein berühmter Professor zu sein?
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