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Hatschepsut

Von der Witwe zur Pharaonin

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Im 15. Jahrhundert v. Chr. regierte in Ägypten eine Dynastie von Königen, die das Neue Reich Ägypten zu wirtschaftlicher und militärischer Blüte brachten. Als Thutmosis II. 1479 v. Chr. starb, war sein Sohn noch ein Kind. Als Vormund übernahm dessen Stiefmutter Hatschepsut die Regentschaft und riss schließlich die Macht an sich.

Es ist der erwartungsvollste Moment im Leben der Hatschepsut, der mächtigsten Frau, die je am Nil gelebt hat. Hatschepsut ist die Königin Ägyptens. Ihr Name bedeutet »Die Edelste und Erste der Damen«. Erhaben blickt sie auf ihr Werk: Deir el-Bahari, den Totentempel im Tal der Könige und Königinnen bei Luxor, ein wuchtiges und doch elegantes Gotteshaus. 1473 v. Chr. begonnen, lässt es Hatschepsut 15 Jahre lang immer wieder umbauen, bis der Tempel so war, wie sie ihn sich erträumt hat. Bewusst hat sie diesen Platz gewählt – neben dem Tempel von Pharao Mentuhotep II., der 500 Jahre zuvor nach Unruhen das Reich neu aufgebaut hatte. Es ist das siebte Jahr ihrer Herrschaft, kurz nach ihrer Krönung. Noch 15 Jahre Regierungszeit liegen vor ihr. Jahre, die sie unsterblich machen und um die sich für die nächsten 3500 Jahre Legenden spinnen werden: Hatschepsut – über deren Charakter sich noch heute die Gelehrten streiten. Ist sie die ehrgeizige Schönheit, die vor lauter Machthunger ihr Geschlecht leugnet? Ein weiblicher Machiavelli, der sich selbst krönt? Oder die wohlwollende Regentin, die in ihrem Land zwanzig Jahre für Frieden und Wohlstand sorgt? In den Jahren ihrer Herrschaft lernt Hatschepsut als Pharao die Süße, aber auch die Bitterkeit der Macht kennen.

Der Weg auf den Thron des Pharaos ist steinig für einen Mann, für eine Frau war er bis jetzt ungangbar. Zwar hatten schon früher Frauen als Regentinnen die Regierungsgeschäfte geführt – neben dem unmündigen offiziellen Pharao. Denn dieser ist ein Sohn der Sonne, der mit den Göttern spricht. Ein Gott gewordener Mensch, und in jedem Fall ein Mann. Das Mädchen Hatschepsut weiß das. Ihr Vater, Thutmosis I. (1493–1482 v. Chr.), ist König. Sein Vorgänger Ahmose (1539–1514 v. Chr.) hatte die Hyksos, Eindringlinge aus Syrien oder Palästina, aus dem Land am Nil vertrieben. Dessen Sohn Amenhotep I. (1514–1493 v. Chr.) erweiterte das Reich im Süden und reformierte die Verwaltung. Hatschepsuts Vater Thutmosis heiratete dessen Tochter und wurde so König.

Seinen Ruhm verdankt er seinen Eroberungen: Er wirft den Aufstand eines nubischen Fürsten im Süden Ägyptens nieder und dringt bis über den vierten Nilkatarakt vor, um den Zugang zu den dortigen Goldminen für die Ägypter zu sichern. Das Volk verehrt ihn, und er verwöhnt die zierliche Hatschepsut: Liebevoll und voller Vertrauen ist das Verhältnis zwischen Tochter und Vater, und doch misst er seiner Kleinen in ihren ersten Lebensjahren keine große Bedeutung bei. Der Liebling des Vaters ist Hatschepsuts älterer Bruder Amenmose, der Kronprinz.

In dessen Schatten erlernt Hatschepsut ab ihrem vierten Lebensjahr Schriftbild, Bedeutung und Aussprache von mehreren hundert Hieroglyphen, dann Hieratisch, die kursive Schreibschrift. Wissbegierig ist die kleine Hatschepsut, oft ungestüm.
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