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Volvos Sicherheitsvorstoß: Automatische Vollbremsung

Abgelenkter Passant -  Reagiert der<br />
Fahrer richtig? Die Elektronik schonAbgelenkter Passant -  Reagiert der<br />
Fahrer richtig? Die Elektronik schon
Abgelenkter Passant: Reagiert der
Fahrer richtig? Die Elektronik schon
Adaptive Cruise Control -  Radar<br />
hält kontinuierlich den Abstand einAdaptive Cruise Control -  Radar<br />
hält kontinuierlich den Abstand ein
Adaptive Cruise Control: Radar
hält kontinuierlich den Abstand ein
Abstand zum Vordermann wird einge-<br />
halten und Kurvenfahrt kontrolliertAbstand zum Vordermann wird einge-<br />
halten und Kurvenfahrt kontrolliert
Abstand zum Vordermann wird einge-
halten und Kurvenfahrt kontrolliert
Auch eine Fußgängergruppe wird<br />
erkannt, die Einzelnen beobachtetAuch eine Fußgängergruppe wird<br />
erkannt, die Einzelnen beobachtet
Auch eine Fußgängergruppe wird
erkannt, die Einzelnen beobachtet
Die Augen eines Autos -  Radarkeulen<br />
und Videokameras schaffen DurchblickDie Augen eines Autos -  Radarkeulen<br />
und Videokameras schaffen Durchblick
Die Augen eines Autos: Radarkeulen
und Videokameras schaffen Durchblick
Auswerte-Strategie bei der Bilderkennung -<br />
11000 Menschenmuster sind abgelegtAuswerte-Strategie bei der Bilderkennung -<br />
11000 Menschenmuster sind abgelegt
Auswerte-Strategie bei der Bilderkennung:
11000 Menschenmuster sind abgelegt
Achtung Fußgänger -  Erst akustische<br />
Warnung, dann VollbremsungAchtung Fußgänger -  Erst akustische<br />
Warnung, dann Vollbremsung
Achtung Fußgänger: Erst akustische
Warnung, dann Vollbremsung

Die Autos werden immer sicherer, ihre passive Sicherheit ist kaum mehr zu toppen. Noch mehr Knautschzone, noch mehr Airbags oder raffiniertere Gurte bringen nicht den Erfolg, den aktive Systeme versprechen. Was anfangs sakrosankt war, wird jetzt immer mehr die Regel: Der Eingriff ins rollende Fahrzeug. Das Kommando über Lenkung und Bremse übernimmt die Elektronik. So soll dem Fahrer geholfen werden. Gleichzeitig wird ihm ein Teil der Verfügungsgewalt entrissen.

Lange haben die Sicherheitsingenieure darüber diskutiert und auch gezögert, diesen Rubikon der aktiven Sicherheit zu überschreiten. Zu schwerwiegend schien ihnen der Eingriff, zu unübersehbar die Folgen. Nach und nach haben sich Techniker wie Elektroniker an dieses Thema herangetastet. Den Anfang machte die automatische Cruise Control in der Mercedes S-Klasse. Bei Kolonnenfahrten auf der Autobahn mit über 65 km/h wird hier ein eingestellter Abstand gehalten. Den ermittelt die weit nach vorn schauende Radarkeule. Die Laufzeit der ausgesendeten und wieder eingefangenen Radarwellen wird berechnet und daraus der Abstand ermittelt. Ist er zu knapp, wird sanft, jedoch nicht mit voller Kraft, gebremst. Für niedrigere Tempi wird eine breiter streuende Keule eingesetzt. Sie kann auch in der Stadt eingesetzt werden, scannt wie ein Weitwinkelobjektiv das Umfeld und den fließenden Verkehr voraus.

Später wurden die g-Kräfte erhöht und für Notbremsungen auf das maximal Mögliche gesteigert. Dieser Eingriff wird nach der Sicherheitsphilosophie von Mercedes erst dann ausgelöst, wenn der Unfall unvermeidbar ist. Es gilt ausschließlich die Folgen zu mindern. Denn es macht einen deutlichen Unterschied, ob mit 30 km/h das Heck des Vordermann getroffen wird oder mit Tempo 40.

Weiter wagen sich die Volvo-Experten. Als erste entwickelten sie ein System, das nicht den Fahrzeugverkehr voraus beobachtet sondern auch Ereignisse detektiert, die die Fahrtrichtung queren. Klassisches Beispiel und aus der Führerscheinprüfung allseits bekannt ist hier das auf die Straße laufende Kind, der aus der parkenden Autoreihe plötzlich erscheinende Fußgänger. Für diese Situation ist eine Mustererkennung notwendig. Das System muss eineindeutig das Geschehen auflösen können und den Menschen erkennen. „Wir haben dazu“, erklärt Volvo-Pressesprecher Michael Schweitzer „11000 Fotos analysiert und abgelegt, die Menschen und ihre spezifischen Charakteristika und Bewegungen zeigen“. Diese Datenbank wird ständig befragt, wenn das System Objekte während der Fahrt erkennt.

Gezielt wird nach Personen gefahndet, die größer als 80 Zentimeter sind. Bis zu 10 Personen können erkannt werden. Tiere, Hunde oder Katzen, aber auch Wild oder Spielbälle scheiden aus, während die Bewegungsrichtung vom Fahrrad oder Kinderwagen analysiert werden. Diese sind deutlich einfacher als Menschen zu erkennen, denn die Metallteile liefern ein Radarecho, Personen nicht. Hier sind die Experten auf Bild gebende Verfahren angewiesen. Eine Videokammer in der Windschutzscheibe liefert die Fotos, die Auswertung geschieht nahezu in Echtzeit.

Bis Tempo 35 kann das System reagiert. Was auf den ersten Blick langsam erscheint, wird aber „von einem typischen Szenario abgedeckt, bei dem der Fahrer abgelenkt ist“, sagt Schweitzer. Man müsse nur an den Suchverkehr nach oder auf einem Parkplatz in der Innenstadt denken. Hier schweift der Blick ab, hier wird der Kopf gedreht. Situationen gebe es zuhauf, gerade bei niedrigeren Geschwindigkeiten, wenn die für das Fahren benötigte Aufmerksamkeit sehr gering ist.

Dann kann es sogar passieren, dass der Wagen mit einer Notbremsung zum vollständigen Stopp kommt, obwohl der Fahrer nicht weiß warum es geschieht. Der Grund, während der Fahrt hat er den Kopf und in eine vollkommen andere Richtung geschaut, den herauslaufen Fußgänger nicht gesehen. Oder er ist in Schockstarre und handlungsunfähig. Sein Fahrzeug aber hat die Situation erkannt und rechtzeitig die Notbremsung eingeleitet. Erfolgreich kommt der Wagen zum Stehen. Verletzt wird niemand, Beschädigungen bleiben aus, ein Unfall wurde verhindert.

06.08.2010

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