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Mexiko

Viva la Revolución!

Porfirio Díaz herrschte bis 1911 in Mexiko wie ein Diktator, gestützt von reichen Grundbesitzern. Man jagte ihn davon – doch dies stürzte das Land in einen zehnjährigen Bürgerkrieg

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Vom Balkon des Palacio Nacional blickte Porfirio Díaz gerne auf seine prunkvolle Hauptstadt Mexico CityVom Balkon des Palacio Nacional blickte Porfirio Díaz gerne auf seine prunkvolle Hauptstadt Mexico City

Vom Balkon des Palacio Nacional blickte Porfirio Díaz gerne auf seine prunkvolle Hauptstadt Mexico City

iStockphoto
Folgende Geschichte müsste Pflichtlektüre für alternde Diktatoren werden: Sie berichtet von einem Mann, der 30 Jahre an den Hebeln der Macht geklebt hatte, bevor er vor genau 100 Jahren aus dem Amt gejagt wurde. Sein Name: Porfirio Díaz, von 1876 bis 1880 und dann wieder von 1884 bis 1911 Präsident von Mexiko. Man stelle sich einen stolzen, alten Mann mit buschigem, weißem Schnurrbart vor. Er trägt eine dunkle Galauniform mit bauschigen Epauletten, seine Brust ist mit großen, runden Orden bedeckt.

Díaz hätte beteuert, er sei kein Diktator; sein Volk wähle ihn immer wieder, weil er für Stabilität, Fortschritt und Wohlstand stehe. Mexiko war unter seiner Herrschaft in der Tat zu Wohlstand gekommen. Er ließ Eisenbahnlinien durch das Land legen, die Textilindustrie und die Landwirtschaft florierten unter seiner Ägide. Exportgüter – darunter auch Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer – konnten beim großen Nachbarn im Norden aber auch in Europa verkauft werden. Vor allem aber das Erdöl brachte großen Reichtum. Damals förderte Mexiko etwa 25 Prozent des Erdöls weltweit. So viel zu den positiven Errungenschaften des mexikanischen Präsidenten.

1910 lebten rund 15 Millionen Menschen in diesem Land, das etwa dreimal so groß ist wie Frankreich – fast zwei Drittel seiner Fläche ist dabei von Gebirgen und Wüsten bedeckt. Die fruchtbarsten Böden wiederum hatten 3000 betuchte Familien unter sich aufgeteilt. Ihre Haziendas dehnten sich kilometerweit aus. Viele dieser Großgrundbesitzer – »Hacendados« genannt – waren nicht einmal Mexikaner, sondern US- Amerikaner und Europäer. Zum Beispiel der reiche Verleger William Randolph Hearst, der einmal witzelte: »Ich weiß nicht, was uns daran hindern sollte, ganz Mexiko zu besitzen und es so zu gestalten, wie es uns passt.«

Während diese kleine Minderheit in Saus und Braus lebte, fristeten die meisten Mexikaner ein elendes Dasein. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug damals 27 Jahre. Und weil die reichen Hacendados große Landstriche brachliegen ließen, fiel der Getreideertrag von 1907 im Vergleich zu 1877 um 50 Prozent. Jahrhundertelang war Hunger in Mexiko kein Thema gewesen. Nach alter Tradition bestellte die ländliche Bevölkerung – meist Indios – ihre Felder gemeinschaftlich. Private Grundstücke gab es nicht, bis 1854 ein Gesetz verabschiedet wurde, das eine Privatisierung des Landes zuließ. Das war vielleicht ein gut gemeinter Versuch, die Indios auf die moderne Welt vorzubereiten. Doch bald strömten die Spekulanten ins Land und kauften den Indios ihre Grundstücke für einen Apfel und ein Ei ab – und gegen Schnaps. Die Indios wurden fortgejagt oder zu Leibeigenen degradiert. Eine bewaffnete ländliche Polizei, die »Rurales«, sorgte für Gesetz und Ordnung. Aufstände wurden grausam niedergeschlagen.

 

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Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)
Autor/in: P.J.Blumenthal


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