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Vitamine

Vitaminbomben aus dem Weltall

Ohne eine Lösung des Ernährungsproblems wird es keine Mars-Besiedlung geben. Fieberhaft suchen Forscher deshalb nach Wegen, Gemüse und Früchte auch im Weltraum zu ernten. Eines steht schon fest: Grünzeug aus dem All hat mehr Vitamine.

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ein Kilogramm Essen zur ISS zu bringen kostet 22 000 DollarEin Kilogramm Essen zur ISS zu bringen kostet 22 000 Dollar
Ein Kilogramm Essen zur ISS zu bringen kostet 22 000 Dollar
iStockphoto

Möglicherweise wird die Crew um den japanischen Astronauten Satoshi Furukawa als erste kosmische Gurkentruppe in die Annalen der Raumfahrt eingehen. Furukawa baut nämlich in der Internationalen Raumstation ISS Gurken an. Seine russischen Kollegen um Sergej Wolkow versuchen sich an Tomaten. Was die Astronauten »Space Garden« nennen, hat allerdings wenig mit einem irdischen Gärtner-Idyll gemein. In zwei voneinander getrennten blauen Inkubatoren, die an Getränkeautomaten erinnern, wird das Weltraumgemüse bei Kunstlicht auf einer lehmigen Nährstofflösung gezüchtet. Die Gewächskammern hören auf den Namen Lada, benannt nach der slawischen Liebesgöttin, die den Frühling bringt. Ein Computer wacht über alles. Bei Zwergweizen funktionierte das prima. Forscher aus Russland, Japan, China, Europa und Kanada suchen zurzeit fieberhaft nach Wegen, Gemüse und Früchte im All zu ziehen, um Langzeitmissionen oder gar die Besiedlung des Weltraums zu ermöglichen. Denn beides droht an der Ernährung der Raumfahrer zu scheitern. »Nachdem erst mal eine Raumstation gebaut worden ist, ist das Teuerste die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln«, erklärt Rupert Gerzer, Leiter des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz. Jedes Kilogramm Fracht zur ISS kostet 22 000 USDollar. Ein Mensch braucht täglich etwa vier Kilo Lebensmittel und Trinkwasser, was eine üppige Transportrechnung verursacht. Als die Russen in den 1960er Jahren den kühnen Plan verfolgten, den Mond zu besiedeln, wurde ihnen rasch klar, dass dies ohne Selbstversorgung der Kosmonauten kaum möglich wäre. Doch die Idee vom Leben im Orbit ist nie richtig gestorben.

 

Deshalb der Gemüseanbau auf der ISS. Nur: Der Weg zu knackigem Gemüse und frischen Früchten aus dem All ist noch weit. »Ich glaube, das aktuelle Experiment wird eher ein bescheidener Erfolg sein, da die Gewächskammern sehr klein sind«, sagt Ray Wheeler, Pflanzenphysiologe im Kennedy Space Center der NASA. Aber selbst wenn die diesjährige Ernte von Furukawa, Wolkow & Co. gut ausfallen sollte, dürfen sie keinen Gurken-Tomaten-Salat zubereiten - das könnte zu gefährlich sein. »Auch wenn es keine Hinweise darauf gibt, dass im All gezüchtetes Gemüse ungesunde Substanzen enthält, müssen sämtliche Früchte zunächst eingehend untersucht werden«, sagt DLR-Mann Gerzer. So sei völlig unklar, zu welchen Mutationen die kosmische Strahlung führe und ob die Pflanzen nicht nach ein paar Generationen derart schwächeln, dass sie unbrauchbar werden. Die Generalfrage ist noch unbeantwortet: Wie passen sich Pflanzen und Früchte der extremen Umwelt im All an? Vor allem über die Strahlungsintensität bräuchte man breit angelegte Studien, um absolut sicher sein zu können, dass das Grünzeug nicht ungesund ist, meint NASA-Experte Wheeler. Doch er ist optimistisch: »Die Gefahr genetischer Mutationen nimmt ab, wenn die Samen im All geklont und nicht auf dem Weg sexueller Reproduktion erzeugt werden, was immer das Risiko eines veränderten Erbguts mit sich bringt.« Dafür geeignet seien unter anderem Kartoffeln, Erdbeeren und Süßkartoffeln. Wheeler und sein Team werden für Studien aber auch Kopfsalat, Radieschen, Zwergtomaten, Zwergpfeffer, Erbsen, Kräuter wie Basilikum und sogar Zwiebeln auf ihre All-Tauglichkeit überprüfen.

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.8 (8 Bewertungen)
Autor/in: Chris Löwer


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