Den meisten Lärm machen die Demokraten, wenn sie auf ihr Recht pochen.
Die geheimen Supersinne des Internets
Sind alle Menschen von Natur aus Egoisten?
Die fliegende Sternwarte
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Vorsicht, Ansteckungsgefahr!
Charismatische Persönlichkeiten
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98 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
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P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
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Wissenschaft kontrovers
Viel Streit – viel Fortschritt?
Dieser Titel, einmal ganz provokativ formuliert, könnte auf dem neuen Buch stehen, das der Germanistik-Professor Wolf-Andreas Liebert und der Wissenschafts-Kommunikator Marc-Denis Weitze herausgegeben haben. „Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?“, erschienen im Bielefelder transcript Verlag, stellt die These auf, dass erst Pro und Contra den Geist richtig in Spannung versetzen und der Widerstreit zwischen unterschiedlichen Meinungen die Mutter aller Wissenschaft ist, in dreifacher Hinsicht:
-> methodisch: als Schlüssel zur wissenschaftlichen Erkenntnis
-> didaktisch: als Schlüssel zur Wissenschaft für Laien (Schüler, Studenten)
-> politisch: als Schlüssel zur Partizipation an Wissenschaft für die Gesellschaft
Zu diesen drei Themenbereichen legen die Autoren des Buches eine Fülle von Materialien und Fallbeispielen vor, wie Kontroversen und das offene Austragen von Streit die Streitenden einbindet und neue Konsensmodelle schafft, die die Wissenschaft letztlich voranbringen und zu neuem Denken führen. Das Entmutigen und Abwürgen anderer Meinungen führt dagegen, wie in Diktaturen und patriarchalisch verfassten Gesellschaften, zum Stillstand.
"Unhinterfragbare Fakten sind diskutierbar geworden"
Tatsache ist, dass die Grenzen zwischen Forschungslabors und Öffentlichkeit „durch die schiere Ausdehnung der Wissenschaften und der Technik“ sich verwischen, wir alle – ob wir wollen oder nicht – Teilnehmer am Forschungsprozess und seinen Experimenten geworden sind, wie der französische Wissenschaftssoziologe Bruno Latour festhält.
„Die einen sind als Forscher, andere als Geldgeber, wieder andere als Zeugen, und wieder andere schließlich als Versuchskaninchen im Labor. Ob es um die globale Erwärmung, um die Pläne zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, um Handys, um das Passivrauchen, um Geschwindigkeitsradars auf der Autobahn, um die Ölreserven oder um die europäische Verfassung geht – wir alle haben uns auf Experimente eingelassen, für die wir manchmal vergeblich das Forschungsdesign suchen. Die künstliche und fragile Sphäre ... braucht die kontroverse Teilnahme aller ihrer Mitglieder (Sloterdijk 2004). Wenn die wissenschaftliche Wahrheit nicht mehr zwingend ist, liegt es also nicht daran, dass das gute Volk irrational geworden wäre, sondern dass es zum Mitforschenden avanciert ist. Wenn es schon im Versuchslabor ist, dann kann das Volk auch die Wahrheiten ablehnen, die sich ohne Debatte ‚aufzwingen’ wollen – und die es vielleicht auf dem Labortisch opfern würden. Kurz, die unhinterfragbaren Fakten sind diskutierbar geworden, und damit ist doch einiges für die Rationalität gewonnen.“
Sozial robustes Wissen schaffen
In die gleiche Richtung geht P.M. Redakteur Wolfgang C. Goede, der in seinem Beitrag „Keine Innovation ohne Repräsentation: Die Zivilgesellschaft als neuer Akteur in der Wissenschaft“">(Beitrag als PDF anzeigen) das Partizipationspotenzial der Öffentlichkeit auslotet. Er nennt viele Beispiele, wie bürgerliches Engagement zur Schaffung sozial robusten Wissens führen kann, zum Beispiel die öffentliche Debatte umstrittener Wissenschaftsthemen durch zivilgesellschaftliche Organisationen. Der Buchbeitrag und sein Engagement in einer Robert-Jungk-Zukunftswerkstatt brachten Goede eine Einladung der BASF in Ludwigshafen ein. Deren 7. Studieninitiative im August 2006 stand unter dem Motto: „Neue Technologien: Wohin kann, darf und soll die Reise gehen?“ Mit seinem Impulsreferat „Bürger – Partner der Wissenschaft“ versuchte der P.M. Redakteur eine Antwort auf diese Frage zu geben.
"Wissenschaft ist einzig und allein Sache der Experten"
Zum Aufwärmen forderte er die Studenten zu einer Aufstellung auf. „Wieviel Einfluss, glauben Sie, hat der Bürger auf Wissenschaft und Forschung“, fragte er. Die Teilnehmer schrieben eine Prozentzahl zwischen null und hundert auf ein Stück Papier, hielten es sich vor die Brust und stellten sich im Raum auf, die mit den niedrigen Werten mehr an der linken Wand, die mit den mittleren in der Raummitte, die mit den Spitzenwerten an der rechten Wand. Diese Menschenreihe ließ eine überschaubare Skalierung von 1,25 bis 100 Prozent entstehen, wobei die Mehrheit der Werte sich zwischen 20 und 50 Prozent einpendelte. Jeder kommentierte kurz die von ihm angegebene Prozentzahl. Dabei war Folgendes zu hören: „Wissenschaft ist Sache einzig und allein der Experten“; „wer heute im Beruf weiter kommen will, hat keine Zeit, sich an der Diskussion um wissenschaftliche Fragen zu beteiligen“; „über die Abgeordneten im Parlament sollten die Bürger Einfluss auf Wissenschaftspolitik nehmen, sie besonders in Wahlkämpfen zum Thema machen“; „Demokratie heißt Volksherrschaft, auch über Wissenschaft.“
Anschließend fasste Goede sein Referat in neun Thesen zusammen (am Ende dieses Beitrags nachzulesen), die eine solche Partnerschaft und die Vorteile für beide Seiten begründen. Als Finale und Praxisbeitrag bat der Referent die Studenten um eine Debatte zu dem Thema: „Soll ein Bürgerrat die Wissenschaftler in wichtigen Technologiefragen beraten?“
Pro und Contra: Die Regeln der Debatte sorgen für Dynamik
Die Regeln dazu waren einfach und lehnen sich an an die Regularien studentischer Debattierclubs: eine aus jeweils zwei Teilnehmern bestehende Pro- und Contra-Seite; Pro eröffnet, dann zieht Contra nach, Pro setzt die Argumentation fort, Contra beendet. Jeder Redner hat drei Minuten Zeit für seine Ausführungen, die vom Publikum durch Zwischenfragen unterbrochen werden dürfen; dann kann das Publikum sich in einminütigen Statements äußern, Pro- und Contra-Seite fassen ihre Argumentation noch mal zusammen, schließlich stimmt das Publikum über die debattierte Frage ab. Diese Struktur macht es möglich, die Debatte in einer halben Stunde abzuschließen, in der sie durch den ständigen Wechsel zwischen den Teilnehmern eine beachtliche Dynamik erfährt.
Thema der Debatte: Soll ein Bürgerrat die Wissenschaftler beraten?
Die vier Redner waren sofort gefunden, sie entwickelten großes rhetorisches Geschick, und der Verlauf der Debatte gestaltete sich spannend. Auf beiden Seiten fanden sich viele Argumente wieder, die schon eingangs bei der Aufstellung genannt worden waren. Die Pro-Seite erklärte es zum Ziel der Demokratie, die Bürger auch am Wissen zu beteiligen, was auch den Generierungsprozess von Wissen stärken würde; Contra konterte mit „Populismus“ und der spitzen Frage, ob denn ein Bauarbeiter künftig ärztlicher Diagnosen erstellen solle; Pro stellte die Kompetenz von Parlamentariern bei der Abstimmung über wissenschaftliche Themen in Frage und verlangte die aktive Unterstützung der Meinungsbildung an den „Graswurzeln“ der Gesellschaft; Contra gab zu bedenken, dass sich dies in erster Linie durch bessere Schulen und ein mehr auf Naturwissenschaften Wert legendes Bildungssystem erreichen lasse. Debattanten und Publikum bissen sich immer wieder an der Frage fest, wie ein solches Bürgergremium denn konstituiert sein solle, woher seine Mitglieder kämen, ob es ein Vetorecht gäbe. Am Ende stellte jemand die Frage: „Könnte es einen Galileo stoppen?“ Beim abschließenden Votum hielten sich Befürworter und Gegner zahlenmäßig etwa die Waage, die Veranstaltung endete mit einem Unentschieden.
Bürger – Partner der Wissenschaft
Thesen bei der BASF Studieninitiative 2006
Von P.M. Redakteur Wolfgang Goede
Robert Jungk,
Zukunftsforscher:
„Wenn keine Brücken von Forschung und Hochschulen zu den Bürgern geschlagen werden, dann leisten sie im Grunde unwissenschaftliche Arbeit, denn sie lassen die Dimensionen der öffentlichen Akzeptanz oder Ablehnung aus und sind dazu verurteilt, eine inhumane Wissenschaft voranzutreiben, die letztlich in Katastrophen enden muss.“
Oscar von Miller,
Erbauer des Deutschen Museums in München:
„Nur gut informierte Bürger können Vertrauen zur fremden Maschinenwelt gewinnen, sie in ihre Alltagswelt integrieren und als Taktgeber des wirtschaftlichen Fortschritts begreifen lernen.“
John Durant,
Wegbereiter des »Public Understanding of Science« (PUS) und »Public Participation in Science« (PPS):
Er postuliert das »Ende der Expertenherrschaft«: »Die Allgemeinverständlichkeit der Wissenschaft ist ein Grundrecht der Öffentlichkeit.«
Helga Nowotny
Wissenschaftsphilosophin:
„Die Öffentlichkeit ist Ko-Produzentin des Wissens; erst im Dialog zwischen Experten und Laien wird neues Wissen sozial robust und gesellschaftlich angenommen.“
Janez Potocnik
EU Kommissar:
Beim Forum »Science in Society« der Europäischen Commission forderte er eine stärkere Partizipation der Bürger: »Wissenschaft muss als Teil des sozialen Gewebes unserer Gesellschaft gesehen werden.«
Bernard Chevassus-au-Louis
Präsident des »Musee National d’Histoire Naturelle«:
„Innovation ist für Jeden, weshalb wir viel mehr den ‘Dritten Sektor’, die Nichtregierungs-Organisationen beteiligen - und sie zum Motor der Innovation machen müsssen.“
Münchner Angstselbsthilfe MASH
Nach dem Münchner Modell entstanden im ganzen deutschsprachigen Raum Initiativen, die mit von Laien und Angstkranken entwickelten Gesundheitskonzepten arbeiten. Diese reintegrieren die sich in Isolation flüchtenden Angstbetroffenen in die Gesellschaft, was die Kosten für medizinische Behandlung und Krankengelder entscheidend senkt – die Gesellschaft also ingesamt entlastet.
Britische Nano-Bürger-Jury,
organisiert von »Guardian«, Cambridge University, Greenpeace:
„Alle Artikel, die Nanopartikel enthalten, sollten gekennzeichnet werden, sodass der Verbraucher selber entscheiden kann, ob er sich darauf einlassen will.“
Empfehlungen aus der ersten deutschen Bürgerkonferenz über Stammzellen:
1. Schaffung einer TV-Sendung: Bürger befragen Wissenschaftler
2. Bürgerkonferenzen auch in Schulen und Universitäten
3. Gründung eines ständigen Bürgerrats, der für das Parlament Voten zu Zukunftsfragen erarbeitet (Thema einer offenen Debatte der BASF-Studieninitiativen-TeilnehmerInnen).























