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Hochkulturen

Verdammt zum Untergang?

Fast alle alten Hochkulturen existieren nicht mehr. Droht unserer Zivilisation das gleiche Schicksal?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Perspektive
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Von mehreren Millionen blieben nur noch 30 000 übrig -  Die Maya gehören zu den zwölf großen Kulturen, die im Laufe der Geschichte untergegangen sind</p />
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Von mehreren Millionen blieben nur noch 30 000 übrig: Die Maya gehören zu den zwölf großen Kulturen, die im Laufe der Geschichte untergegangen sind

 

Es war das größte und mächtigste Reich, das es je in Europa gegeben hatte. In seiner Blütezeit erstreckte es sich von der Nordsee bis zum Roten Meer. Seine Kaiser wurden als Götter verehrt. Seine Städte hatten keine Befestigungsmauern, aber Straßen und Brücken, Tempel und Theater, Bäder und Wasserleitungen. Innerhalb der Grenzen des Vielvölkerstaats konnten nicht nur Römer Karriere machen und das Bürgerrecht erwerben, sondern auch Kelten und Germanen, Griechen, Juden und Afrikaner.

Das Römische Reich schien für die Ewigkeit gebaut. »Nicht ohne Ursache hofften die Heiden auf seinen ewigen Bestand, glaubten die Christen an seine Dauer bis zum Jüngsten Gericht«, schreibt der Berliner Geschichtsprofessor Alexander Demandt. Und doch ging das Imperium Romanum unter. Bis heute streiten die Gelehrten darüber, warum:

- Lag es an der Religion? Die römischen Kaiser hatten sich vom Glauben ihrer Vorväter abgewandt und das neue Christentum zur Staatsreligion erklärt. Deshalb setzten immer mehr Bürger ihre Hoffnungen auf das Jenseits und verweigerten im Diesseits Staat und Armee ihren Dienst. Viele Römer wurden fromm und friedlich – vielleicht war das ihr Untergang.

- Lag es am Unterschied zwischen Arm und Reich? Tatsächlich war das römische Imperium lange ein Sklavenhalterstaat, und auch in der Spätphase seiner Existenz lebte die große Masse der Landbevölkerung in Armut, während Großgrundbesitzer und Beamte den Luxus genossen. Vielleicht waren es Klassenkämpfe, die Rom zu Fall brachten.

- Oder war einfach der Boden erschöpft, sodass er die Masse der Menschen nicht mehr ernähren konnte? Auch andere naturwissenschaftliche Erklärungen wie zunehmende Trockenheit, versiegende Bodenschätze oder männliche Impotenz durch Bleivergiftung wurden zeitweilig diskutiert.

- Waren es unfähige Kaiser, bestechliche Beamte, eigennützige und aufsässige Soldaten, die das Reich schwächten? Dieser Vorwurf wurde schon von Zeitgenossen des römischen Verfalls in der Spätantike vorgebracht. Im 19. und 20. Jahrhundert griffen Historiker die These wieder auf. Wenn sie stimmt, dann waren die Römer selbst schuld an ihrem Untergang.

- Oder gab es gar keine inneren Gründe für den Niedergang? Waren einfach Roms Feinde, die Germanen, stärker? Diese Meinung vertritt der Historiker Alexander Demandt selbst. Als Begründung führt er an, dass ja zunächst nur der westliche Teil des römischen Reichs im fünften Jahrhundert an die Germanen fiel, während der Ostteil, das byzantinische Reich, noch eine ganze Weile fortbestand.

Im Westen hatten es die Römer mit einem entschlossenen Gegner zu tun. »Der erwachsene Mann war lieber Krieger als Arbeiter«, charakterisiert Demandt die Haltung der Germanen und führt als Beweis für die Unterschiede den Umgang mit Kriegsgefangenen an: »Die Römer haben gefangene ›Barbaren‹ überwiegend ins eigene Heer eingereiht, um Bauern zu sparen.« Die Germanen machten es genau umgekehrt – sie beschäftigten Tausende von römischen Gefangenen in der Produktion und setzten ihre eigenen Leute lieber im Krieg ein. Mit dieser Strategie entmachteten sie das römische Kulturvolk. Die Waffen siegten gegen die Wasserleitungen.

Vermutlich waren es verschiedene Ursachen, die zum Fall des Römischen Reichs führten – auch wenn viele Wissenschaftler gerne eine ganz bestimmte Einzeltheorie vertreten. Die gleiche Diskussion wie im Fall Roms findet man auch im Zusammenhang mit dem Untergang anderer Kulturen. Beispiele: der Fall des Khmer-Reichs von Angkor Wat (Kambodscha), der Niedergang der Kultur von Harappa im Industal (Indien) und der Zusammenbruch des Reiches von Mykene (Griechenland). Auch in diesen Fällen wurden jeweils unterschiedliche Gründe für das jeweilige Ende aufgezählt.

Der US-amerikanische Evolutionsbiologe und Geograf Jared Diamond hat sie in seinem Buch »Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen« untersucht. Als er sein Werk plante, schreibt der 70-jährige Autor, habe er die »naive Vorstellung« gehabt, »es würde ausschließlich von der Schädigung der Umwelt« handeln. Denn Diamond hatte bei seinen Forschungsreisen rund um den Globus Spuren von Gesellschaften gefunden, die zu Umweltsündern wurden und deshalb ausstarben – zum Beispiel, nachdem sie alle Bäume in ihrer Umgebung abgeholzt hatten. Doch je mehr Jared Diamond recherchierte, desto deutlicher wurde für ihn, dass es fast immer mehrere Faktoren sind, die Kulturen zu Fall bringen. So spielen häufig feindliche Nachbarn und der Verlust von Handelspartnern eine Rolle. Aber Umweltprobleme und Klimaveränderungen stehen auf der Liste der Ursachen oft an erster Stelle – wie das Beispiel der Anasazi zeigt.

Der Indianerstamm erlebte eine immerhin 500-jährige Blütezeit im Südwesten der USA, im heutigen New Mexico. Dort hinterließ er die größten Bauwerke Nordamerikas seiner Zeit: steinerne Hochhäuser mit bis zu 600 Zimmern auf fünf bis sechs Etagen. Die Anasazi brauchten für ihre Gebäude und zum Feuermachen viel Holz, sodass sie mit der Zeit die umliegenden Hänge kahl schlugen. Doch sie dachten nicht daran, sie wieder aufzuforsten. Stattdessen schleppten sie Stämme aus immer größerer Entfernung herbei – bis zu 80 Kilometer weit, denn Zugtiere kannten sie nicht.

Auch mit der Nahrungsversorgung bekamen die Anasazi Schwierigkeiten. Sogar Grundnahrungsmittel wie Mais mussten gegen Ende ihrer Zeit, im 12. Jahrhundert, importiert werden, weil die eigenen Böden ausgetrocknet waren. Statt Hirschbraten aßen die Menschen nun rohe Mäuse, denen sie zuvor die Köpfe abschlugen. Und nicht nur das: Um 1130, als eine klimabedingte Dürre herrschte, muss es sogar zu Kannibalismus gekommen sein. Heute ist die karge Steppenlandschaft dieser Region nahezu unbewohnt.

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Autor/in: Judith Rauch


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