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Leinwandhelden

Tobias Moretti ist Ferdinand Marian

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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»Jud Süß – Film ohne Gewissen« zeigt, wie Ferdinand Marian 1940 zum Hauptdarsteller im Nazi-Propagandafilm »Jud Süß« wurde.


Hinweis: Zum P.M. HISTORY-Interview mit Tobias Moretti gelangen Sie hier >>




Dem Schauspieler-Ehepaar Marian (Tobias Moretti und Martina Gedeck) geht es im Grunde ganz gut im Berlin des Dritten Reichs. Kleine Villa, nettes Töchterchen, attraktives Hausmädchen. Aus der Ehe ist allerdings ein wenig die Luft raus, die Karriere stagniert, der Alkohol fließt.

Dann jedoch bekommt Ferdinand Marian, gebürtiger Wiener, eine Hauptrolle in einem großen Kinofilm mit Regisseur Veit Harlan angeboten: Er soll Joseph Süß Oppenheimer (1698–1738) spielen, einen Juden, der Anfang des 18. Jahrhunderts am Hof des württembergischen Herzogs Karl Alexander als Finanzexperte Karriere machte und hingerichtet wurde, weil er angeblich Sex mit einer Christin hatte.

Die Nazis schlachten die tragische Geschichte dieser historischen Figur für ihre antisemitische Propaganda aus. Marian spürt, dass er in diesem Schmierentheater nicht mitspielen sollte, nimmt die Rolle aber dennoch an – mit verheerenden Folgen.

Dies ist die Handlung der Kinoproduktion »Jud Süß – Film ohne Gewissen«, die am 23. September anläuft. Regisseur Oskar Roehler erzählt am Beispiel Ferdinand Marians, wie sich Künstler im Dritten Reich mit den Nazis arrangieren konnten – trotz innerer Konflikte.

Roehlers Marian ist eine halb fiktive Figur, zu deren Biografie einiges hinzugedichtet wurde. Sie steht in diesem bedrückenden Drama stellvertretend für andere Künstler, die vielleicht nicht in Propaganda-Filmen wie »Jud Süß« spielten, aber dafür bei Nazi-Veranstaltungen musizierten oder für die Nazis malten. Künstler also, die vom System profitierten, statt sich mit Grauen abzuwenden.

Tobias Moretti spielt Marian als einen Angepassten, der nicht die Kraft hat, der Stimme seines Gewissens zu folgen und die Rolle abzulehnen. Propagandaminister Joseph Goebbels, von Moritz Bleibtreu als dröhnende, großmäulige Karikatur gespielt, lässt ihn tanzen wie eine Puppe. Goebbels in einem Anfall von ohnmächtiger Wut einen Aschenbecher vor die Füße zu werfen, ist Marians mutigste Tat, und statt Zivilcourage zeigt er sogar noch nach dem Krieg jede Menge Selbstmitleid.

Harlans »Jud Süß« darf seit 1945 nicht mehr öffentlich gezeigt werden. Oskar Roehlers Film erklärt, warum: Die Botschaft des Bösen lauert darin hinter der Maske der Schauspielkunst.
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
Autor/in: Felicia Englmann

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