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Cern
Teilchenphysik: Gibt es ein Leben nach CERN?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Am 21. Oktober wird in Genf ein CERN-Experiment gestartet, das alle Vorstellungskraft sprengt. Erstmals in der Menschheitsgeschichte sollen mit CERN Schwarze Löcher erzeugt werden. Die Forscher schwärmen vom Beginn einer neuen Ära der Wissenschaft. Doch besorgte Stimmen warnen davor, dass unser ganzer Planet zerstört werden könnte.
Der Moment der Wahrheit naht. Am 21. Oktober werden Beethovenklänge (»Freude, schöner Götterfunken«) den feierlichen Akt für ein Weltereignis untermalen. Die einen sprechen von einem Wunder - die anderen vom Ende der Welt.
Um 10.30 Uhr drückt ein ausgeloster Forscher am Europäischen Labor für Teilchenphysik (CERN) in Genf den roten Startknopf für ein Experiment, das jede Vorstellungskraft sprengt. Erstmals in der Menschheitsgeschichte sollen auf der Erde Schwarze Löcher erzeugt werden.
Zudem könnten exotische Gebilde wie Wurmlöcher generiert werden, die so Fantastisches wie Zeitreisen möglich machen. Als »Spin-off« soll auch noch ein Quell unerschöpflicher Energie entstehen – die Menschheit wäre mit CERN ihre allergrößte Sorge los.
Wird uns CERN solche paradiesischen Zustände bescheren – oder die Hölle? Die »black holes« könnten zu gefräßigen Monstern mutieren, die alles verschlingen: CERN, ganz Genf samt Genfer See, die Schweiz, Europa und schließlich die ganze Welt. Davor warnen jetzt einige Wissenschaftler – und haben Klage gegen das Husarenstück eingereicht.
Die Verantwortlichen aber wollen in jedem Fall den »Large Hadron Collider« (LHC) pünktlich in Betrieb gehen lassen: die größte Maschine der Welt, »das vielleicht ehrgeizigste Bauwerk, das unsere Zivilisation hervorgebracht hat«, wie der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger schreibt.
In einem 26,6 Kilometer langen unterirdischen Ringtunnel (sieben Milliarden Euro Entwicklungskosten, Jahresbudget 800 Millionen Euro) werden kleinste Atomkernteilchen aufeinandergehetzt: mit über 99,9 Prozent der Lichtgeschwindigkeit (299 792,458 km/s). Beim Frontalcrash entsteht eine Hitze von 1000 Milliarden Grad Celsius, und 14 Billionen Elektronenvolt werden frei. Es herrschen die gleichen Zustände wie 0,000 000 000 001 Sekunden nach dem Urknall.
Forscher spielen Gott. Sie wollen durch eine Analyse der Teilchensplitter den Code des Universums knacken. Und mit der Erkenntnismaschine Antworten erhalten auf fundamentale Fragen: Warum gibt es Materie? Aus was besteht das Weltall? Und wie entstand es?
»Das Aufregendste, was wir entdecken können, ist etwas, was wir nicht voraussagen können«, sagt CERN-Physiker Hans Hofmann, der seit über 30 Jahren im Mekka der Mikroteilchenforscher arbeitet. Trotz weißem, wirrem Haarkranz und Falten im ganzen Gesicht sieht er plötzlich aus wie ein kleiner Junge, wenn er die Stimmung unter den 10 000 Kollegen beschreibt: »Wir sind wie Kinder, die auf Weihnachten warten.«
Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen Schwarze Löcher. Im Makrokosmos können solche Objekte entstehen, wenn Sterne unter der Last ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren. Ihre Gravitation ist so stark, dass nicht einmal Lichtteilchen entkommen können.
In der Welt des Allerkleinsten können sich ebenfalls Schwarze Löcher bilden, wenn zwei Teilchen extrem stark zusammengepresst werden – wie dies im Teilchenbeschleuniger unter gewaltigem Energieaufwand geschieht. Das dürfte schon in den ersten Minuten nach Inbetriebnahme des LHC gelingen. Doch während sich die CERN-Forscher noch beim Festakt beglückwünschen, könnte bereits eine diabolische Zeitbombe ticken. Nichts und niemand könnte sie mehr stoppen.
- CERN
- Teilchenphysik
- P.M. Interview: Michio Kaku
























