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Stirbt das Tote Meer?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Nicht nur politisch steckt der Mittlere Osten in der Krise. Auch ökologisch: Jahr für Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um mehr als einen Meter.

Tot ist es ja eigentlich schon. Daher auch der Name. Außer einigen salz-toleranten Mikroorganismen gibt es im Toten Meer keine Lebewesen. Durch die hohe Verdunstungsrate in dieser heißen Gegend liegt sein Salzgehalt bei rund 30 Prozent – zehnmal höher als im Mittelmeer und höher als in jedem anderen großen See. Deshalb kann man beim Baden gemütlich Zeitung lesen, und die vielen Mineralien im Salzwasser tun der Gesundheit gut. Wasserpflanzen aber halten es in dieser dicken Suppe nicht aus, Fische schon gar nicht.

Doch nun droht dem Toten Meer ein zweiter Tod: die Austrocknung. Es fließt kaum noch Wasser in den See. 90 Prozent des Jordans, der mit Abstand wichtigste Zufluss, werden abgezapft. Schuld daran sind Tourismus, Bewässerung der Landwirtschaft, Industrie und private Haushalte, die dem Jordan und anderen Zuflüssen so viel »Blaues Gold« entnehmen, dass heute nur noch ein Bruchteil der früheren Wassermassen den See erreicht.

So kommt es, dass der Pegel des Toten Meeres jedes Jahr um rund einen Meter fällt. Damit sinkt der tiefste Punkt der Erdoberfläche noch tiefer: 1970 lag der Wasserspiegel des Toten Meers 389 Meter unter Meeresniveau, heute sind es 418 Meter. In 50 Jahren, so schätzen Experten, wird der See ganz ausgetrocknet sein. Ein Drittel seiner Fläche hat er schon verloren. Hotels, die einst mit Strandlage werben konnten, liegen heute hunderte Meter vom Ufer entfernt.

Derweil wird das Wasser immer salziger. So salzig, dass inzwischen selbst die spezialisierten Mikroorganismen zugrunde gehen. Es gibt Pläne, eine 300 Kilometer lange Wasser-Pipeline vom Roten zum Toten Meer zu legen, um dessen Schwund zu stoppen. Doch Naturschützer halten das vier Milliarden Euro teure Projekt für Unsinn: »Bei einem Leck würde Salzwasser ins Grundwasser sickern und Trinkwasser-Quellen verderben«, warnt Gidon Bromberg von der Organisation »Friends of the Earth Middle East«.

»Zudem sänke der Salzgehalt des Toten Meeres stark und die Attraktion für Touristen wäre dahin.« Er fordert stattdessen, endlich sparsamer mit dem Wasser umzugehen und den Jordan wieder fließen zu lassen. Seine Organisation arbeitet darauf hin, ein länder-übergreifendes Wasser-Management zu schaffen und das Tote Meer unter Naturschutz zu stellen.

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