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Kultur & Gesellschaft

Stammt der Cappuccino wirklich aus Italien?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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iStockphoto

Kein Getränk repräsentiert Italien mehr als der Cappuccino – wer ihn in Deutschland trinkt, bekommt (sofern die Qualität stimmt) sofort Sehnsucht nach dem Süden, und nicht wenige Familien, die den Brenner überqueren, bestellen an der erstbesten italienischen Raststätte eine Runde Cappuccini, um den Urlaub beginnen zu lassen.

Doch auch auf die Gefahr hin, alle deutschen Italien-Fans zu schockieren: Der mit reichlich Milchschaum kredenzte Kaffee stammt ursprünglich nicht aus Italien, sondern aus dem Land, in welchem man noch kurz vor dem Brenner im Stau stand – nämlich aus Österreich. Dort hieß er ursprünglich »Kapuziner« und gehörte zur beliebtesten Order in Wiener Kaffeehäusern.

Vermutlich brachten ihn österreichische Soldaten gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Norditalien, als sie dort stationiert waren. Zudem gehörte ja die Hafenstadt Triest, der immer noch wichtigste Kaffeehandelsplatz des Stiefels, bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn.

Zur Ehrenrettung der Italiener darf man zumindest behaupten, dass der Milchschaum von ihnen stammt. Der eigentliche Kapuziner des Habsburgerreichs wurde nämlich mit Schlagsahne serviert. Als im Jahr 1906 mit Dampfdruck arbeitende Espressomaschinen aufkamen, entstand in Italien die schaumige Variante des Kapuziners.

Übrigens: Kaum ein Italiener würde nach 12 Uhr Cappuccino trinken; der gehaltvolle Kaffee gilt als dezidiertes Frühstücksgetränk. Wer dennoch am Nachmittag nicht auf den Genuss verzichten, aber auch nicht sofort als Deutscher identifiziert werden will (und nichts mögen wir im Ausland ja weniger), der sollte caffè macchiato bestellen: Espresso, »befleckt« mit etwas Milchschaum.

 

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