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Technik

Stahl trägt die Welt

Die unglaubliche Erfolgsstory eines Metalls mit großer Vergangenheit – und einer noch größeren Zukunft. Auf der Suche nach neuen, noch besseren Varianten finden Wissenschaftler immer mehr über seine Geheimnisse heraus. Und hätte es zu Zeiten der "Titanic" schon modernen Schiffs-Stahl gegeben, hätte der Luxusliner seinen Zusammenstoß mit dem Eisberg womöglich überstanden

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Stahl trägt die WeltStahl trägt die Welt

Mit Eisen ist nicht zu spaßen – vor allem, wenn es über 1500 Grad Celsius heiß ist und flüssig wie Wasser in einem riesigen Tiegel hin und her schwappt. Gleißend gelb und gefährlich strahlt die glühende Schmelze, jeder Spritzer würde schwere Verbrennungen verursachen. Deshalb sind die Forscher, die im Düsseldorfer Max-Planck-Institut für Eisenforschung beim Dünnbandgießen damit arbeiten, in silbrige Schutzanzüge gehüllt; fast sehen sie wie Raumfahrer aus. Mit äußers-ter Umsicht kippen sie den Tiegel mit dem brodelnden Eisen und lassen die glühende Schmelze herauslaufen – direkt zwischen zwei rotierende Walzen, wo das Metall er-starrt und zu einem dünnen Band gepresst wird. Mit langen Zangen ziehen die Männer das glühende Blech aus der Maschine.

Äußerste Präzision ist geboten: Kippen die Arbeiter den Tiegel zu schnell, fließt das Eisen nicht nur zwischen die gekühlten Walzen, sondern über die gesamte Maschine und zerstört sie. Drehen sich die Walzen zu langsam, staut sich das glühende Eisen und läuft seitlich über; drehen sie sich zu schnell, rauscht das flüssige Metall durch und begräbt die Maschine unter sich. Nur bei der exakt richtigen Geschwindigkeit kühlt das Eisen im Spalt zwischen den Walzen genau so stark ab, dass es sich verfestigt und als dünnes Metallband die Maschine verlässt. Was im Hightech-Forschungslabor des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung ge-schieht, hat nichts mit der schmutzigen Industrie zu tun, an die man beim Stichwort »Stahl« sofort denkt. Hier entstehen die Stähle von morgen, hier erforschen Wissenschaftler Verfahren wie das Bandgießen, das es ermöglichen soll, aus dem flüssigen Eisen ohne Umwege Bleche herzustellen. Schon vor über hundert Jahren gab es diese Idee – aber sie konnte technisch nicht umgesetzt werden. So blieb es bis heute dabei, dass man die Schmelze erst zu glühenden Strängen goss, die dann in vielen Arbeitsgängen immer platter gewalzt wurden, bis Blech entstanden war.

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Autor/in: Nicolai Schirawski


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