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Stimme

Sprich! Und ich weiß, wer du bist

Traurig oder fröhlich, nervös oder entspannt, die menschliche Stimme sagt viel über eine Person und seine Seele aus. Sind Menschen verunsichert, dünnt sie aus und wackelt. Klingt sie fest und voll, dann ist der Sprecher felsenfest von etwas überzeugt. Auch kann ein Sprecher mit seiner Stimme den Zuhörer unterbewusst beeinflussen.

Schon im Kindsalter wird bestimmt, wie die Stimme später klingen wird.Schon im Kindsalter wird bestimmt, wie die Stimme später klingen wird.
Schon im Kindsalter wird bestimmt, wie die Stimme später klingen wird.
dani/pixelio.de

Am Uni-Klinikum Leipzig erforschen Mediziner die Stimmentwicklung im Kindes- und Jugendalter. Sie beschäftigen sich mit Fragen wie: Gehen Stimmstörungen bei Kindern von der Psyche aus und welche Therapien gibt es? Die Stimme ist die emotionalste Ausdrucksform schlechthin und ist eng mit der Stimmung eines Menschen verknüpft.

“Im Mandelkern bewertet das Gehirn neue Informationen in emotionaler Hinsicht und löst eine entsprechende Reaktion aus. Daher klingt die Stimme so traurig oder heiter, wie eben der Gemütszustand gerade ist”, sagt der Stimmphysiologe Michael Fuchs von der Uni Leipzig. Der Mandelkern, auch Amygdala genannt und als kleine Drüse im Gehirnzentrum gelegen, ist beteiligt bei der Bewertung von Situationen oder Gefahren. Er drückt ihnen die Emotionen wie etwa Angst auf.

Stimme als Spiegel der Seele

Teils ist die stimmliche Entwicklung angeboren, teils wird sie während der Sozialisation im Kindesalter bestimmt. Die Leistungsfähigkeit und Qualität der Stimme hängt von äußeren Umständen ab. An der Stimme können die Forscher erkennen, ob ein Kind krank ist. Gerade schwierige familiäre Umstände beeinflussen die Kinderstimme.

“In vielen Familien spricht man wenig miteinander, sondern schreit sich an. Kinder können da nicht anders, als sich ebenfalls lautstark zu verständigen”, sagt Fuchs. Die Folge: Eine Überlastung der Stimmbänder, die zu einer ständigen Heiserkeit führt. Das belastet den Selbstwert der Kinder und kann zu Frust bis hin zu Depressionen führen. Auch Jugendliche, die trotz Stimmbruch weiterhin wie Knaben reden, sind für den HNO-Arzt nichts Neues. “Die werden natürlich gehänselt. Das ist extrem belastend”, sagt er.

Vorlesen fördert eine schöne Stimme

Meist stecke dahinter eine gestörte Mutter-Sohn-Beziehung, bei der beide sich nicht voneinander lösen können. Laut einer britischen Studie hat jedes sechste Kind in England eine Stimmstörung, bei nur jedem fünften Betroffenen nimmt die Familie diese überhaupt wahr. “Es fehlt in Deutschland noch an Aufklärungsarbeit”, sagt der Mediziner aus Leipzig. Mit Psychotherapie und begleitendem Sprechtraining können Kinder mit Problemstimmen unterstützt werden.

Um Stimmstörungen vorzubeugen, rät Fuchs den Eltern, mit ihren Kindern mehr zu reden. “Das gelingt etwa durch aktives Sprechen und Vorlesen, anstatt Medienkonsum und stundenlanges Fernsehen. Ideal wären gemeinsames Musizieren und Singen, allerdings ist die Hausmusik heute weit weniger selbstverständlich als früher”, bedauert der Leipziger Mediziner.

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