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Seat Alhambra
Spanischer Raumgleiter voller Emotion
Baut Skoda die besseren Volkswagen und Seat den besseren Sharan? Mit dem Alhambra kann auch Seat in die Erfolgsspur fahren. Von Wolfgang Stegers
„Die Simply-Clever-Marke“ Skoda schickt sich an, ihre Erfolge auf dem deutschen Markt weiter zu internationalisieren und in neuen Ländern wie China stärker präsent zu sein. Diese Eroberungsstrategie verfolgt auch Seat und will im nächsten Jahr im bevölkerungsreichen Boomland China den Verkauf starten. Mit dem Familienvan Alhambra hat Seat einen Trumpf im Ärmel, über den Skoda noch nicht verfügt. Die Großraumlimousine mag zwar ein Derivat des Sharan sein, aber wie bereits beim Vorgänger sind feine Differenzierungen erlaubt.
So ist der Zwilling aus Barcelona und im portugiesischen Pamela gebauten Wagen gleich um einen Tausender günstiger. Für die scharf kalkulierende Zielgruppe junger Familien sicherlich ein Vorteil. Ihnen kommt zusätzlich die Ecomotive Variante sicher zupass. Denn der Zweiliter-140PS-Turbodiesel (103kW) gibt sich genügsam.
Mal steht auf der Benzinuhr eine 5 vor dem Komma, es kann aber auch eine 8 werden, wird das 1,7 Tonnen Drum über die Autobahn gescheucht. Leichtlaufreifen, aerodynamisches Nachbessern, spezifisches, enger abgestimmtes und von Hand zu schaltendes Sechsgang-Getriebe sowie Eingriffe in die Turbolader-Technik sind die bekannten Stellschrauben, an denen Ingenieure drehen, um den Durst des Selbstzünders zu zügeln und die Reichweite aus dem üppig bemessenen 70-Liter-Tank zu erhöhen.
Die Kunst besteht nun darin, dem Wagen nicht sein Temperament zu nehmen. Mit dem Startsprint von elf Sekunden bis Tempo 100 und eine Spitze von 194 km/h genügt der Wagen vollkommen den fahrdynamischen Ansprüchen, im Gegenteil, wer sich für das „grüne Label“ eines Spritsparers entscheidend, entwickelt Ehrgeiz, Niedrigstwerte beim Verbrauch zu erzielen.
Dabei hat so mancher seinen Fahrstil total umgekrempelt, streichelt sein Gaspedal, schaltet früh in hohe Gänge und versucht vorausschauend zu rollen. Schaltanzeigen bieten anfangs Hilfen, werden aber zunehmend überflüssig, weil das sanfte Gleiten in Fleisch und Blut übergegangen ist. Gerade schwere Wagen sollte man am Rollen halten und möglichst sanft bremsen.
Sein Gewicht kann der 4,85 Meter lange Spanier leicht erklären. So sind die überaus praktischen wie für den Personentransport gerade von Kindern sehr sicheren Schiebetüren mit ihrer Kinematik deutlich schwerer als traditionelle Schwenktüren. Wenn dann auf Wunsch die seitlichen Gleiter wie die Heckklappe auch noch elektrisch bewegt werden, mag man auf sie nimmer verzichten. Auch die ebenso aufpreispflichtige Bestuhlung mit der bequem zu enternden dritten Sitzreihe (1440 €) schlägt sich auf der Waage nieder.
Die volle Variabilität, um den Innenraum den jeweiligen individuellen Bedürfnissen anzupassen und zwischen den Extremen wie volle Passagierladung auf den Stühlen und Maximum an Gütern auf dem dann durchgehend ebenen Laderaum, summiert sich zu Gramm und Pfunden.
Hinzu kommen beim Alhambra praktische Staufächer, seien es nun Schubladen oder Ablagen, Tabletts oder Boxen. Der Wagen verführt dazu allen möglichen Krimskrams zu transportieren und gleichzeitig ihn in den mehr als ein Dutzend Fächern nicht mehr wiederzufinden. Die Innenausstattung ist bester Volkswagen Standard wie auch die Verarbeitung.
Der Alhambra ist das ideale Familienmobil – überaus sparsam, kostengünstig und qualitätsbewusst mit den Standards des VW-Sharan. Die Einstiegsvariante setzt sich von dem Zwillingsbruder ab, gleichzeitig können alle jene Ausstattungsfeatures im Paket geordert werden, die auch der Bruder bietet. Verzichten muss der Alhambrafahrer dabei auf nichts, wenn sich der Endpreis für den Seat dann auch auf 40000 € beschleunigen kann. Darauf zu verzichten, macht für manchen den Reiz seiner auto-emoción aus.
16.05.2011
- Kfz-Technik
- Kleinwagenoffensive bei VW
- Seat biegt in die Erfolgsspur ein
























