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Wissenschaft & Technik
Soll man den Stromanbieter wechseln?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Seit zehn Jahren ist der Strommarkt bei uns privatisiert, aber erst fünf Prozent der deutschen Haushalte haben den Anbieter gewechselt. Daran hat sich auch nicht viel geändert, seit am 1. Juli dieses Jahres die staatliche Stromaufsicht auslief und viele der 1100 Stromanbieter prompt die Preise erhöhten.
Der Grund für die Zurückhaltung der Kunden: Sie wissen nicht, ob es nicht doch besser ist, lieber alles beim Alten zu lassen, anstatt Verträge mit Firmen zu schließen, von denen man noch nie gehört hat. Denn Elektrizität ist zu wichtig für das tägliche Leben, als dass man das Risiko eingehen möchte, vielleicht im Dunkeln zu sitzen, wenn der neue Anbieter Pleite macht. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen, damit bei einem Wechsel nichts schief geht.
Wie viel Geld kann ich durch einen Wechsel sparen?
Das hängt davon ab, wie viel Strom man verbraucht und wo man wohnt. Denn nicht alle Anbieter agieren bundesweit, oft sind gerade die preiswerten nur in einigen Regionen zu haben. Aber die Spanne ist groß, sie reicht von ein paar Euro bis zu 30 Prozent Ersparnis pro Jahr.
Daneben gibt es noch eine zweite Möglichkeit, um bares Geld zu sparen: Wechseln Sie bei Ihrem angestammten Versorger einfach in eine günstigere Tarifklasse! Bequemer geht’s kaum. Allerdings müssen Sie schon von sich aus danach fragen – sonst wird das Sonderangebot gar nicht erst verraten. Meist handelt es sich dabei um reine Online-Tarife, d. h. der gesamte Papierkram wird dann übers Internet abgewickelt. Und: Der Kunde darf kein Problem damit haben, eine Einzugsermächtigung auszustellen.
Wie finde ich den für mich günstigsten Anbieter?
Am schnellsten und einfachsten lassen sie sich mit einem Tarifrechner im Internet aufspüren – inzwischen gibt es einige Branchendienste, die diesen Service kostenlos anbieten und zum Teil über 800 Anbieter in ihre Datenbank eingespeist haben (www.verivox.de oder www.stromkosten-senken.de, Hotline: 0800-8080890).
Um solche Tarifrechner zu nutzen, benötigt man lediglich zwei Zahlen: Den Jahresstromverbrauch in Kilowattstunden (kWh) und die Postleitzahl. Letztere haben Sie bestimmt im Kopf, ersteren findet man auf der letzten Stromrechnung. Sollten Sie die nicht parat haben, dann nehmen Sie einfach den Durchschnittswert. Nach einem Klick hat man für die gewünschte Region eine ganze Palette günstiger Stromanbieter auf dem Bildschirm. Selbstverständlich kann man sich auch ohne Internet schlau machen, z. B. über den Faxabruf der Stiftung Warentest (09001-5100108575), der regelmäßig aktualisiert wird, oder in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen.
Und jetzt – nehme ich einfach den billigsten Anbieter?
Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Geiz nicht immer »geil« ist. Gut möglich, dass ein Billigheimer mit miserablem Service nervt, nie erreichbar ist und seine Kunden in Warteschlangen verhungern läßt. Deshalb lohnt es sich, mal zu schauen, was andere Kunden so zu berichten haben, bevor man einem Anbieter den Zuschlag erteilt. Solche Kundenbewertungen findet man auf denselben Internetseiten wie die Tarifrechner. Da erfährt man all das, was die Werbebroschüren verschweigen.
Andere Nachteile sind dagegen schon auf den ersten Blick zu erkennen: Die verlockendsten Angebote etwa gibt es oft nur gegen Vorkasse. Das kann in die Hose gehen: Wenn so eine Firma nämlich Konkurs anmeldet, ist das Geld futsch. Wenig empfehlenswert sind auch sogenannte Paketpreise, bei denen man eine festgelegte Strommenge einkauft. Wer weiß schon ganz genau, wie viel Strom er im kommenden Jahr verbrauchen wird? Im Endeffekt riskiert der Kunde dabei, einen Teil des gekauften Stroms zu verschenken oder, bei Mehrverbrauch, satte Zusatzgebühren berappen zu müssen. Vorsicht ist auch bei Lockvogelangeboten ohne Preisgarantie angebracht – möglicherweise schnellen die Gebühren hier schon nach ein paar Monaten in die Höhe.
Klippen, Klauseln, Kleingedrucktes – wo lauern die Fallen?
Wie bei jedem Vertrag gilt auch hier: Es lohnt sich, das Kleingedruckte zu lesen. Damit Sie in keine Stromfalle tappen, hier die Checkliste:
1. Sind die angegeben Preise Endpreise, d. h. sind Mehrwehrtsteuer, Grundgebühr sowie eventuell Zählermiete inklusive? Extrakosten für Anmeldung und Wechsel sind unüblich.
2. Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen: Binden Sie sich allerhöchstens für ein Jahr – der Strommarkt ist stark in Bewegung, da sollte man einigermaßen flexibel bleiben. Für die Kündigungsfrist gilt: Maximal vier Wochen!
3. Wann wird der neue Strom geliefert? Für den Fall, dass der neue Versorger die Umstellung wochenlang nicht geregelt bekommt, sollte der Vertrag dem Neukunden ein Rücktrittsrecht einräumen.
4. Preisanpassungsklauseln, die eine eventuelle Preissteigerung schon im Vorfeld absegnen sollen, sind in der Regel unwirksam. Besser: Ein Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass der Strompreis erhöht wird.
5. Wie sieht’s mit der Haftung bei Schäden nach Versorgungsstörungen aus? Manche Anbieter versuchen, etwaige Schadensersatzansprüche von vornherein abzuwälzen – auch das ist rechtlich nicht ganz einwandfrei.
6. Wo sitzen meine Ansprechpartner und wie sind sie erreichbar? Eine reibungslose Kommunikation erspart später viel Ärger.
7. Will der Anbieter irgendwelche neuen Geräte einbauen? Das sollte Sie in jedem Fall stutzig werden lassen. Bei einem Wechsel des Anbieters müssen auf gar keinen Fall neue Leitungen verlegt werden, und Ihren alten Stromzähler können Sie auch behalten. Im Prinzip ändern sich für Sie nur zwei Dinge: der Name Ihres Stromlieferanten – und die Höhe Ihrer Stromrechnung.
Was, wenn irgendwas schief läuft? Wird mir dann der Strom abgedreht?
Viele Wechselwillige zaudern, weil sie Angst vor einem Stromausfall haben. Mit ihrem vertrauten Anbieter fühlen sie sich einfach auf der sicheren Seite. Das ist unbegründet: Bei den klassischen Stadtwerken ist ein Stromausfall nämlich genauso (un-)wahrscheinlich wie bei einem Wald- und Wiesenanbieter – schließlich nutzen beide dieselbe Infrastruktur.
Es kann natürlich passieren, dass der neue Anbieter Konkurs anmeldet und nicht mehr liefern kann. Aber selbst das ist kein Grund zur Panik: In so einem Fall ist der lokale Stromversorger qua Gesetz verpflichtet, unverzüglich einzuspringen und für maximal drei Monate die Versorgung sicherzustellen. In dieser Zeit kann man sich in aller Ruhe einen neuen Anbieter aussuchen. Wichtig wäre nur, einem insolventen Anbieter möglichst schnell die Einzugsermächtigung zu entziehen, sofern eine erteilt wurde.
Ich habe mich entschieden – wie werde ich jetzt meinen alten Anbieter los?
Das soll nicht Ihre Sorge sein, sondern die des neuen Stromlieferanten – der kümmert sich bei der Umstellung um alle Formalitäten. Dass Sie ihm bei Vertragsabschluss eine entsprechende Vollmacht erteilen, geht also schon in Ordnung. Wenn Sie das Antragsformular ausgefüllt und abgeschickt haben, müssen Sie eigentlich nur noch abwarten. Es ist sogar wichtig, dass Sie nicht selber aktiv werden und Ihrem alten Anbieter kündigen – nur so ist ein reibungsloser Übergang garantiert.
Die Verhandlungen zwischen altem und neuen Anbieter können sich durchaus hinziehen, sollten aber nach spätestens sechs Wochen über die Bühne sein. Dass die Umstellung geklappt hat, merken Sie daran, dass der alte Versorger nach dem Zählerstand fragt und Ihnen, wenn nötig, eine Abschlussrechnung schickt.
Ich habe was gegen Atomkraftwerke – wie komme ich an sauberen Ökostrom?
Zunächst einmal die kalte Dusche für alle Umweltfreunde: Um Energie aus Atom- oder Kohlekraftwerken kommt man nicht herum. Das liegt daran, dass alle 450 Stromproduzenten ihren Strom in ein und dasselbe Netz einspeisen – die Betreiber von Solaranlagen und Windkraftwerken genauso wie die von Atommeilern.
Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Der Anteil regenerativer Energien liegt immerhin bei zwölf Prozent. Wer möchte, dass das in Zukunft noch mehr wird, sollte sich für einen Ökostromanbieter entscheiden – das gute Gewissen kostet nur wenige Euro mehr. Doch Achtung: Wo Öko draufsteht, ist nicht unbedingt Öko drin. Die Großkonzerne haben z. B. auch umweltfreundlichen Strom im Programm – allerdings nur, weil sie gesetzlich verpflichtet sind, den Ökoproduzenten eine gewisse Menge abzukaufen.
Ernst zu nehmen sind deshalb nur solche Ökoanbieter, die ihre Gewinne in Ausbau und Weiterentwicklung umweltschonender Energiequellen stecken. Fragen Sie einfach nach – Firmen, die nichts zu verbergen haben, erkennt man daran, dass sie sich gern in die Karten schauen lassen. Die wichtigsten Ökostromanbieter sind unter www.lichtblick.de; www.greenpeace-energy.de; www.ews-schoenau.de zu erreichen.

























