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Renaissance-Sitten

Sodom und Gomorrha im Vatikan

Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Morde und Liebschaften, Intrigen und Bündnisse: Als die Borgia und Medici im Vatikan regierten, ging es dort nicht heiliger zu als an jedem anderen Fürstenhof. Die Päpste waren Kunstmäzene – und knallharte Machtpolitiker.

In Rom gab es immer etwas zu wetten, vor allem bei der Wahl eines neuen Papstes. Auf die verschiedenen Kandidaten zu setzen, war ein Volkssport, und Wahrsager hatten Hochkonjunktur. Auch die meisten Päpste hielten sich ihre Hofastrologen, denn ein Blick in die Zukunft konnte nicht schaden. Ende Juli 1492 brach erneut das Wettfieber aus: Papst Innozenz VIII. war am 25. Juli gestorben. Und eine spannende Frage bewegte die Römer: Wer würde als sein Nachfolger das Rennen machen?

Am 6. August 1492 ließen sich die in Rom anwesenden 23 Kardinäle zum Konklave (Papstwahl) in der Sixtinischen Kapelle einschließen. Vom 6. bis 10. August stimmten sie dreimal ergebnislos ab. Kardinal Ascanio Sforza aus dem Mailänder Herrscherhaus konnte zwar auf nicht weniger als zwölf der Purpurträger zählen, doch er hatte ein Handicap: Mit erst 37 Jahren war er zu jung und hatte keine Chance, selbst gewählt zu werden.

So machte er sich zum schlauen Verhandlungsführer des mächtigen und reichen Vizekanzlers der Kurie, Kardinal Rodrigo Borgia. Als sein Gegenspieler versuchte der Kardinal Giuliano della Rovere, die Kollegen auf seine Seite zu ziehen. Aber der Mailänder Kardinal lockte mit den ungeheuren Benefizien, die der Spanier Borgia im Fall seiner Wahl den Kirchenfürsten versprach. In der Nacht vom 10. auf den 11. August 1492 zog Ascanio Sforza, mit letzten umfassenden Vollmachten Rodrigo Borgias versehen, alle Register des Stimmenkaufs. Jeder sollte das erhalten, was er sich wünschte. So geschah es.
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Autor/in: Ulrich Doenike


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