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Erotik
So trieben es Griechen und Römer
Wer glaubt, Pornografie sei eine moderne Erfindung, wird hier eines Besseren belehrt. Schon griechische und römische Künstler schufen eindeutige Darstellungen der Erotik. Daneben schätzte man aber auch Sinnlichkeit und reizvolle Erotik
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Die Werbeagenturen haben längst verstanden, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums auf ein Produkt lenkt: mit Sex! Der Trick funktioniert so gut, weil das Thema Sexualität auch im 21. Jahrhundert noch immer zu den gesellschaftlichen Tabus zählt. Ein paar prickelnde Anspielungen genügen – und man schaut hin. Nicht von ungefähr erkannte Sigmund Freud vor etwa hundert Jahren in der unterdrückten Sexualität einen neuralgischen Punkt der eu-ropäischen Seele.
Doch nun drehen wir die Uhr zwei- bis dreitausend Jahre zurück – und besuchen das antike Rom, Griechenland und Ägypten. Die erste Erkenntnis: Doktor Freud hätte in dieser Welt seine berühmte Suche nach phallischen Symbolen schleunigst eingestellt. Denn überall wäre er nicht nur auf Symbole des männlichen Gliedes gestoßen, sondern auf dessen unzweideutige Abbildungen – und zwar im erigierten Zustand. Ein Spaziergang durch die Straßen einer beliebigen römischen Stadt hätte dies verdeutlicht. Solche Abbildungen wurden oft neben die Eingangstüren der Häuser eingemeißelt. In Pompeji etwa kann man unter einem solchen Bild die Inschrift lesen: »Hic habitat felicitas« – »Hier wohnt die Glückseligkeit«.
Der Penis, lieber Doktor Freud, wurde in der Antike als Glücksbringer verstanden. Römische Kinder trugen zum Schutz goldene Ringe und Anhänger in Form von erigierten Gliedern. In fast jedem Garten stand eine Figur des Gottes Priapus, die meistens aus Holz geschnitzt war. Ihr Hauptmerkmal: ein überdimensionaler, hervorstehender Penis. Priapen dienten als Fruchtbarkeitssymbol, zugleich aber als Vogelscheuchen und magische Beschützer vor Dieben. Oft kritzelte man aus reiner Schöpferfreude zotige Gedichte auf den Sockel eines Pria-pus. Auch der römische Gott Mutunus Tutunus wurde als großer, mit Blumen bedeckter Penis dargestellt. Vestalinnen trugen ihn bei religiösen Umzügen feierlich durch die Straßen Roms. Sein Altar schmückte jedes Schlafzimmer.
Im antiken Griechenland waren penisförmige Plastiken ebenso häufig zu sehen. Auf der Insel Delos säumte eine Reihe riesiger aus Stein gemeißelter Phallen die Prozessionsstraße. In Athen wie auch in anderen Stadtstaaten trugen Priesterinnen während der Dionysos-Feier einen großen erigierten Penis durch die Stra-ßen, der Mutunus Tutunus ähnelte – ein Symbol der Fruchtbarkeit. Büsten des Gottes Hermes standen in den meisten griechischen Häusern. Der Sockel, auf dem sich die Büste befand, war mit einem hervorstehenden Glied versehen.
Zimperlich waren die Menschen der antiken Welt nicht, was erotische Darstellungen betrifft. Anbeter und Anbeterinnen der Liebesgöttin Hathor in Ägypten brachten phallische Votivgaben in den Tempel, um das Wohlgefallen der Göttin zu erbitten. Ohne Prüderie erzählten die Ägypter, dass der erste Gott, Amun, ein bewährtes sexuelles Mittel wählte, um die Schöpfung in Gang zu bringen: Er masturbierte.
In dieser alten Welt hätte die heutige Werbeindustrie kaum eine Chance gehabt, den Kunden mit sexuellen Reizen die Köpfe zu verdrehen. Denn von Kindesbeinen an wurden die Menschen in der Antike mit den Vorgängen des Geschlechtsakts konfrontiert und so ganz natürlich aufgeklärt. Den Begriff »jugendfrei« kannte man nicht. Im Gegenteil. Es kam nicht selten vor, dass selbst Kinder in sexuelle Handlungen einbezogen wurden, ohne dass ihre erwachsenen Verführer das Einschreiten einer Sittenpolizei zu befürchten hatten.
Jünglinge – vor allem in Sparta, Athen und später in Rom – galten schon mit etwa zwölf Jahren als verfügbar für männliche Verehrer. Mädchen durften nach gängiger griechischer Sitte schon mit Eintreten der Geschlechtsreife verheiratet werden. Athener ehelichten gerne junge Mädchen, weil der Gatte, der selbst manchmal schon um die dreißig war, sie leichter zum Gehorsam erziehen konnte als eine erwachsene Frau. Römer verheirateten Mädchen mit zwölf Jahren, ob sie nun geschlechtsreif waren oder nicht. Wer wollte, konnte sogar mit noch jüngeren Mädchen ungestraft schlafen. Nach römischem Recht galten diese Kinder dann als »in domum deducta« – »Heimgeführte«. Nur eines durfte man nach dem Gesetz von einer solchen Geliebten nicht erwarten: Treue.
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