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So sexy können Pixel sein!

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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So sexy können Pixel sein!So sexy können Pixel sein!

In Film und Werbung lächeln uns immer häufiger Models an, denen niemand mehr ansieht, dass sie aus Bits & Bytes bestehen. Jetzt treten die schönsten Pixelwesen zur Wahl der »digitalen Miss World« an.

Sie haben verführerisch blaue Augen, Löwenmähne, Knackpopo und einen strammen Busen. Ihre Haut ist makellos. Und das Allerschönste: Sie tun alles, was Mann will!
Auf Wunsch wecken sie ihre Besitzer morgens mit einem lasziven Lächeln und machen sich danach gleich an die Arbeit: organisieren die Termine im Büro, suchen im Internet z. B. nach einem preiswerten Surfbrett für den kommenden Urlaub – immer zu Diensten. Der einzige Haken: Man kann die Schönen nicht anfassen. Denn es sind künstliche Wesen, von Computerprogrammierern am Rechner entworfen. Man nennt sie »Avatare« – abgeleitet von »Avatara«, einem Begriff, der im Hinduismus die Inkarnation eines Gottes bezeichnet.

Um auch die elektronischen Inkarnationen betörender Weiblichkeit in den Himmel zu heben, hat sich eine Werbeagentur in Neapel etwas einfallen lassen: »Miss Digital World« – den ersten digitalen Schönheitswettbewerb der Welt. Hier werden die gelungensten Avatare auf den virtuellen Laufsteg geschickt – und die 3-D-Kandidatinnen stehen Schlange! Um in die Endausscheidung zu kommen, präsentieren sie ihre Schönheit aus Bits & Bytes monatelang im Web – jeder kann sein Votum abgeben.

Wie diese Erfolgsidee geboren wurde? »Jede Generation hat ihr eigenes Schönheitsideal. Marilyn Monroe war das Sexsymbol der 1960er Jahre. Mich interessiert, wie Frauen heute aussehen müssen, um Männern schlaflose Nächte zu bereiten«, sagt Agenturchef Franz Cerami. »So entstand die Idee zu Miss Digital World. Wir suchen das aktuelle Schönheitsideal, gesehen durch die Brille der virtuellen Realität.«

Der »Urknall« der Pixel-Wesen war 2001. Damals kam mit »Final Fantasy« der erste Sciencefiction-Film in die Kinos, der auf menschliche Darsteller völlig verzichtete. Seither werden die digitalen Figuren immer beliebter. Mitte der 1990er Jahre eroberte der Cyber-Popstar Kyoto Date den japanischen Plattenmarkt. Legendär auch die erste virtuelle Nachrichtensprecherin Ananova, die auf der Internet-Seite einer englischen Nachrichtenagentur »lebte«. Und wer kennt nicht Lara Croft im Videospiel »Tomb Raider«?

Dass die Pixelwesen uns Realos immer ähnlicher werden, liegt daran, dass die verschiedenen Computerprogramme zur Gestaltung von Oberflächen inzwischen erstaunliche Fortschritte gemacht haben. Die Entwicklung zu immer perfekteren virtuellen Wesen verläuft so rasant, dass heute nicht nur Designerprofis, sondern auch Hobbyanimateure erstaunlich natürlich wirkende Cybergirls am Bildschirm entwerfen – dank immer schnellerer und leistungsfähigerer PCs und moderner 3-D-Software. Mittlerweile sind Animationspakete wie »Maya«, die sich bis vor wenigen Jahren nur Hollywood-Studios leisten konnten, auch für den Amateur erschwinglich geworden.

Damit können z. B. die Details eines Auges sehr naturalistisch dargestellt werden – etwa die Transparenz der Hornhaut, die Äderchen im Augapfel oder der Glanz des Auges. Die Haut wird glatt wie eine Tapete auf das Gerüst aus Polygonen »aufgezogen«. Gilt doch eine gleichmäßige Haut auch unter den Cyber-Girls als hoch attraktiv. Allerdings erweist sich die Schaffung natürlich wirkender Haare und Kleidung als kompliziert: »Haare und Kleidung sind schwieriger als die Haut«, sagt der Screen-Designer Steven Stahlberg, der mit »Webbie Tokay« das erste digitale Model schuf, das für die berühmte Agentur »Elite« in Werbespots auftrat. Mit entsprechenden Software-Erweiterungen lassen sich selbst Körperbewegungen der Models unglaublich realistisch animieren.

Die Perfektion geht so weit, dass die virtuellen Damen auch die Kunstwelt erobert haben. Künstler aus aller Welt stellten vergangenen Herbst auf der Leipziger »Games Convention« ihre PC-Beauties aus. Bis ins kleinste Detail sind die Pixeldamen der Realität nachempfunden. Ihre Körper haben eine nicht sichtbare Grundstruktur aus einem dreidimensionalen Gitternetz; animiert können sie so auch als Figuren in Filmen eingesetzt werden.

Der Künstler und Convention-Organisator Ronny Jesse brachte viele in der Szene bekannte 3-D-Künstler dazu, ihre Werke für die Ausstellung in Leipzig bereitzustellen. Er selbst gewann mit seiner Animation »Ricarda« (siehe Seite 82) den begehrten »Animago Award« in der Kategorie »Digital Beauties«.

Immer mehr Schöne aus Bits und Bytes tummeln sich im Web. Sie sind dabei, Spiele-Screens, virtuelle Gemeinschaften, aber auch TV-Bildschirme und Kinoleinwände zu erobern. Kein Wunder, dass »echte« Models, Schauspielerinnen und Popstars die digitale Konkurrenz zunehmend fürchten. Denn für die Filmproduzenten sind virtuelle Darsteller hochattraktiv:

Sie stellen keine Honoraransprüche, wollen nicht an den Werbeinnahmen beteiligt werden, sind nie krank und werden nicht alt. Deshalb setzen die Produktionsfirmen allein aus Kostengründen immer mehr virtuelle Moderatoren, Models, Schauspieler und Sänger ein. Wir werden uns an sie gewöhnen müssen.

Auch im Privatbereich wird ein virtuelles, zweites Ich in wenigen Jahren für viele Menschen wohl selbstverständlich sein. Dieser Avatar kauft für uns im Internet ein und unterstützt uns im virtuellen Büro bei der Terminplanung. Und auch in Restaurants, Geschäften sowie in Parkhäusern werden wir irgendwann via Display von den Kunstwesen betreut – vielleicht sogar von digital »geklonten« Stars wie Madonna oder Daniel Craig. Denn diese Superstars haben die Zeichen der Zeit erkannt und bereits elektronische Versionen (Replikanten) von sich geschaffen. Wie sexy werden wohl Madonna-Pixel sein?

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Autor/in: Manon Baukhage


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