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Wissenschaft & Technik
Sind Tiefseebohrungen zu verantworten?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Wie riskant die Förderung von Öl und Erdgas aus dem Meer ist, wissen wir nicht erst seit dem Desaster im Golf von Mexiko. Aber sind solche Katastrophen wirklich unvermeidlich? Welche Sicherheits-Techniken gibt es? Und warum bohrt man überhaupt in so großer Meerestiefe?
Die Erdölkatastrophe im Golf von Mexiko rückt eine Fördertechnik in den Fokus, die seit Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: die Tiefseebohrung. Vor allem im Meeresgebiet zwischen Florida, der US-amerikanischen Südküste und Mexiko wird in dieser Technik gearbeitet, insgesamt sind dort 3000 Öl- und Gasbohrtürme errichtet. Die meisten allerdings in sogenanntem Flachwasser. Aber mehr als 30 Plattformen bohren oder fördern im tiefen Wasser. Zu ihnen gehörte auch die Deepwater Horizon, die den Bohrmeißel in etwa 1500 Meter Tiefe angesetzt hatte. Die Zahl wird weiter steigen: Amerikanische Behörden haben 4000 neue Lizenzen erteilt. Es gibt mehrere Gründe für den Öl-Austritt im Golf von Mexiko: Einerseits scheint das Absperrventil auf dem Meeresboden defekt gewesen zu sein, andererseits gibt es Zweifel an der Festigkeit des Zements, mit dem die Wände des Bohrloches stabilisiert werden.
Auch vor unserer Haustür – in der Nordsee und im Nordatlantik – wird mit dieser Technik nach fossilem Brennstoff gebohrt. Die Zahl der Plattformen dort ist mittlerweile auf etwa 450 angestiegen, der überwiegende Teil steht in flacheren Gewässern, aber in der Nähe der Shetlandinseln wird auch tief- gebohrt. Auch wenn es dort bislang keine vergleichbaren Unfälle wie bei Deepwater Horizon gab, so kann es nach Einschätzung des Greenpeace-Meeresbiologen Christian Bussau doch jederzeit dazu kommen. Ganz abgesehen davon können ähnliche Unglücke auch in flacherem Wasser entstehen: Etwa als es 1979 auch im Golf von Mexiko zu einem Blow-out kam, der erst nach acht Wochen unter Kontrolle kam und bisher der größte Unfall dieser Art war. Seine Bohrung setzte nur rund fünfzig Meter unter dem Wasserspiegel ein.
Was ist eine Tiefseebohrung?
Von Tiefseebohrungen spricht man, wenn der Abstand zwischen Meeresoberfläche und Meeresgrund 500 Meter überschreitet. Professor Dr. Kurt M. Reinicke, der Leiter des Instituts für Erdöl- und Erdgastechnik an der TU Clausthal: „Diese Tiefen sind für Menschen unerreichbar. Hier kann nur mit ferngelenkten Unterwasserrobotern gearbeitet werden.“ Die Erdöl- und Erdgasbohrungen dringen aber in noch größere Tiefen vor. Gegenwärtig liegt der Rekord bei rund 3000 Metern. Diese Bohrung liegt – genau wie das Unglücksloch der Deepwater Horizon – im Golf von Mexiko. Prof. Reinicke ist überzeugt, dass sich auch diese Wassertiefen sicher erschließen lassen, nur muss „die ausgereifte Technologie, die auch in diesen Tiefen funktioniert, richtig angewendet werden. Denn wenn es zum Blow-out kommt, entstehen mit zunehmender Tiefe immer größere Probleme, mit dem Leck fertigzuwerden.“
























