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Neuro-Games
Siegen mit der Kraft der Gedanken
Bloße Gedankenkraft lenkt Computerspiele: Sensoren im Stirnband des »Neural Impulse Actuator« (NIA) messen die Gehirnimpulse.
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Unscheinbar sieht das Ding aus, das erst die Spiele-Welt und bald darauf die gesamte Computer-Welt revolutionieren soll: ein kleines schwarzes Stirnband mit drei eingebauten Sensoren. Um die Stirn des Gamers geschnallt, soll es in der Lage sein, Gedanken zu erfassen und sie in Bewegungen der Spielfiguren umzusetzen. Wie gut der »Neural Impulse Actuator« (NIA) funktioniert, demonstriert Miterfinder und Physiker Dr. Michael Schuette in einem öffentlichen Schaukampf: Entspannt sitzt er vor dem Bildschirm, eine Hand an der Maus, das Stirnband um den Kopf, und spielt mit erstaunlichem Erfolg eine Runde »Unreal Tournament« gegen einen der besten Spieler dieses Ego-Shooters.
Drei Elektroden im Stirnband registrieren die winzigen elektrischen Felder, die von den aktiven Neuronen im Gehirn ausgesandt werden – sowie die viel stärkeren Signale, die von Muskel- und Augenbewegungen verursacht werden. Eine Analyse-Software sortiert aus dem Wellensalat, den die Sensoren empfangen, geeignete Steuersignale heraus. »Mit dem Stirnband lasse ich die Figuren vorwärts, rückwärts und seitlich laufen und springen«, erklärt Schuette.
Steht uns also eine maus- und tastaturlose Zeit bevor, in der Computer einfach unsere Gedanken lesen? Oft genug hat sich ja eine neue Technik zuerst bei den Gamern durchgesetzt, ehe sie von dort in den allgemeinen Computermarkt vorgedrungen ist.
Auch das amerikanische Militär setzt Hoffnungen in die direkte Kommunikation zwischen Gehirn und Computer: Beim »Future Force Warrior«, dem Soldaten der nächsten Generation, sollen Gehirnstrom-Sensoren im Helm prüfen, ob sich der Soldat gerade in einem stressreichen Kampfeinsatz befindet – und ihn dann von unnützem und ablenkendem Funkverkehr frei halten.
Doch bis dahin ist es anscheinend noch ein weiter Weg. Offensichtlich ist mehrmonatiges Training nötig, bis Geist und Computer nahtlos zusammenarbeiten – und offen ist, wer sich bei dem Prozess an wen anpasst. Eher enttäuscht klingt jedenfalls der Tester Llwyd Johnson, der nach mehreren Stunden Training und ausführlichem Optimieren aller Einstellungen mit dem NIA noch immer nur eine Stellgröße steuern kann. Sein Urteil: »Ein cleveres Stück Technik, aber noch in Stufe eins der Entwicklung.«
Kritischer sieht es Niels Birbaumer, Professor für Neurobiologie in Tübingen. Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet er an Verfahren, wie man vollständig gelähmten Patienten über Kopfelektroden wieder Kommunikation ermöglichen kann. »Brain-Computer-Interfaces sind alte Hüte in neuer Verpackung«, erklärt er. »Vor 30 Jahren lief dasselbe unter dem Namen Biofeedback. Die großen Versprechungen von damals haben sich nicht bewahrheitet, deshalb ist das Ganze nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden.« Dasselbe Schicksal prophezeit er den neuen Eingabegeräten.
P.M. Magazin 09/2008
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