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Wem gehören sie eigentlich?
Schätze der Welt, Erbe der Menschheit
Nofretete, die schöne Pharaonin, ist die Königin der Berliner Museumsinsel. Ob die antike Skulptur aber rechtmäßig dort residiert, ist umstritten. Auch andere Kunstschätze sind auf dem internationalen Besitz-Prüfstand.
Dieser Artikel stammt aus P.M. HISTORY
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Im Neuen Museum in Berlin gehört ihr der Nordkuppelsaal fast alleine. Zur Wiedereröffnung strömten Tausende von Besuchern zu ihrer vier Meter hohen Vitrine. Sie sei »heimgekehrt«, so heißt es oft aus Berliner Kreisen. Die Rede ist von der Büste der Nofretete, dem Inbegriff zeitloser Schönheit und Eleganz. Heimgekehrt ist sie, da die ägyptische Sammlung schon vor dem Krieg im Neuen Museum untergebracht war.
Mindestens einen Mann gibt es aber, der da vehement widerspricht: Dr. Zahi Hawass, Chef der Altertümerverwaltung von Ägypten. Er besteht nach wie vor darauf, dass es Betrug war, die geliebte Königin Ägyptens aus dem Land zu schaffen. Die Fronten sind verhärtet. Was steckt hinter all dem? Seit 85 Jahren ist die Büste schon Kern der Frage, wem Antiken und Kunstwerke gehören. Nofretete war eine ägyptische Königin im 14. Jahrhundert v. Chr. Ihr Gemahl war der nicht minder berühmte Pharao Echnaton. Kurze Zeit nach dem Tod des Königs verließ der gesamte Hofstaat Achet-Aton (Amarna/Mittelägypten), das für einige Jahre die Hauptstadt des Reiches war. Dort fand Ludwig Borchardt die bunte Büste 1912. Erst 1924 wurde sie erstmals in Berlin ausgestellt, und sogleich ging ein großes Raunen durch Ägypten. Denn die exotische Dame hatte über mysteriöse Wege nach Deutschland gefunden.
Zur Zeit des Fundes stand Ägypten unter britischer Hoheit, die Antikenverwaltung leitete Frankreich. Zunächst gab es keine Einwände gegen Borchardts Fundteilung. Schließlich war bereits in der Grabungserlaubnis festgelegt, dass die Hälfte der Funde an Deutschland gehen sollte, da das gesamte Projekt von den Deutschen finanziert wurde. Grabungsleiter Borchardt teilte also die Objekte in zwei Hälften auf, und der ägyptische Antikendienst wählte aus, welche er haben wollte. Der zuständige Beamte sah so wohl auch die Nofretete und störte sich nicht daran, dass die Büste nach Berlin gehen sollte. Das tat sie 1913 – völlig legal.
1924 aber behauptete der zuständige Inspektor in einem Bericht, über den Zustand und den Wert der Büste getäuscht worden zu sein. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die für alle staatlichen Museen in Berlin zuständig ist, besteht dennoch auf der Rechtmäßigkeit des Erwerbs. Auch ein kurzer »Ausflug« nach Ägypten, etwa um 2014 ein neues Museum in Mittelägypten einzuweihen, wo Nofretete lebte, wird mit dem Argument abgelehnt, die alte Dame sei nicht mehr reisefähig.
Zerrissen zwischen der alten und der neuen Heimat, dieses Schicksal teilen viele Antiquitäten und Kunstwerke in europäischen Museen. Die Ursprungsländer haben das Potenzial erkannt, das in ihren heimischen Böden steckt. Während in der Vergangenheit fast ausschließlich England, Deutschland, Italien, Frankreich und die USA große Grabungen durchführten – und viele der Funde in ihre nationalen Museen überführten –, setzen Länder wie Ägypten heute auf eigene Forschungen.
Vieles kann dazu führen, dass ein Artefakt das Land verlässt. Beutekunst ist in der Geschichte der häufigste Grund. Bereits in der Antike verschleppten die Sieger von Konflikten Kunst- und Kulturschätze. Am Ende stellt sich die Frage, ob sie dem Land, aus dessen Erde sie stammen, oder dem Land, dessen Kultur der Künstler angehörte, zustehen. Und die ursprünglichen Grenzen des Landes müssen nicht mehr zwingend mit den heutigen Staatsgrenzen übereinstimmen. Ägypten etwa war ehemalig eine Kolonie von Großbritannien.
Das Land am Nil ist die Quelle vieler archäologischer Schätze. Zahi Hawass begrüßt es, dass ägyptische Kunstwerke das Publikum in der ganzen Welt begeistern – nicht zuletzt, weil so Menschen dazu inspiriert werden, in die Heimat von Nofretete & Co zu reisen. Er würde aber gerne solche Stücke zurückbringen, die aus ägyptischer Sicht illegal das Land verließen. Und auch solche Stücke, die in ihrer Art einzigartig sind, wie der Rosettastein im British Museum in London, mit dessen Hilfe 1822 der Durchbruch in der Entschlüsselung der Hieroglyphen gelang. Diese Tafel hatte für damalige Verhältnisse rechtmäßig den Besitzer gewechselt, da Großbritannien sich in seiner Kolonie frei bedienen konnte. Ein weiteres Beispiel ist die Statue des Wesirs Hemiunu in Hildesheim.
























