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Sagen Sie mal: Wie kommen Sie darauf, dass die Frauen in der Evolution schon weiter sind als die Männer?

Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Sagen Sie mal -  Wie kommen Sie darauf, dass die Frauen in der Evolution schon weiter sind als die Männer?Sagen Sie mal -  Wie kommen Sie darauf, dass die Frauen in der Evolution schon weiter sind als die Männer?

In seinem neuen Buch »Die nackte Eva« stellt der englische Evolutionsforscher Desmond Morris eine provozierende These auf: Frauen sind die modernsten und sexuell am weitesten entwickelten Lebewesen auf unserem Planeten. P.M.-Autor Michael Kneissler sprach mit dem berühmten Bestsellerautor in Oxford über das Wunder Frau.

P.M.: Eine der Kernaussagen in Ihrem Buch klingt beleidigend und sexistisch: Frauen seien infantil.

Desmond Morris: Infantil ist ein Fachbegriff. Er klingt negativ, aber ich meine das als Kompliment. Denn das Wort bezieht sich auf die wertvolle evolutionäre Errungenschaft der Neotenie – das bedeutet Entwicklungsverzögerung: Menschen befinden sich noch im Stadium der Jugendlichkeit, wenn sie ge-schlechtsreif werden. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschritt. Unsere Art ist deshalb so erfolgreich, weil sie sich kindliche Muster wie Neugier und Verspieltheit bewahrt hat. Das äußert sich bei erwachsenen Menschen im Interesse an Literatur, Musik, Theater, wissenschaftlicher Forschung, Sport, Vergnügen – alles, was nicht mit Ernährung und Fortpflanzung zu tun hat. Das sind natürlich extrem komplizierte Spiele, aber dennoch ist es ein spielerisches Verhalten.

Das gilt doch für beide Geschlechter. Sind denn Ihrer Meinung nach Frauen infantiler als Männer?

Es gab unterschiedliche Entwicklungen. Männer sind mental infantiler. Sie nehmen mehr Risiken auf sich, machen gefährliche Sachen, fahren zu schnell Auto, spielen Rugby und Football, verletzen sich in einem bestimmten Alter statistisch gesehen 15-mal so häufig wie Frauen. Ihr Körper ist aber noch relativ altmodisch: behaart wie ein Affe, mit langen Armen. Frauen sind körperlich viel moderner, viel jugendlicher. Sie haben eine haarlose Haut wie ein Baby, eine hohe Kinderstimme und aufgewölbte Lippen wie der Schimpansen-Embryo. Das wird in der Wissenschaftssprache infantil genannt.

Warum sehen Frauen so aus, wie sie aussehen?

Weil sie Babys imitieren. Im Laufe der Evolution haben sie festgestellt, dass Männer Beschützerinstinkte entwickeln, wenn sie ein Baby sehen. Und weil Frauen beschützt werden wollen, haben sie ihr Aussehen immer mehr dem des Babys angenähert. Würden sie aussehen wie zottelhaarige Monster, würde das bei den Männern nicht den gleichen starken Beschützer-Impuls auslösen. Deshalb sind sie in diesem Prozess der körperlichen Entwicklungsverzögerung vom erwachsenen zum kindlich-infantilen Aussehen weiter als die Männer.

Das klingt aber wirklich sexistisch.

Ist es aber nicht. Es ist eine evolutionsbiologische Erklärung. Es ist nur nicht so leicht zu verstehen, dass eine Entwicklungsverzögerung ein evolutionärer Vorteil sein kann. Frauenkörper sind die bemerkenswertesten Organismen der Erde.

Trotzdem: Es geht bei Ihnen immer um Sex. In Ihrer Forschungsarbeit nehmen Sie fast jeden Körperteil der Frauen unter die Lupe. Und überall sehen Sie erotische Signale. Die Haare, der Mund, der Po, der Busen – alles ist sexualisiert. Sind Frauen Ihrer Meinung nach von der Evolution als Sexualobjekte designt worden?

Das Aussehen der weiblichen Menschen ist tatsächlich dafür geschaffen, Männer sexuell zu interessieren. Frauen sind die sexuell fortschrittlichsten Wesen auf unserem Globus. Und das hat einen guten Grund. Der große evolutionäre Unterschied zwischen Menschenfrauen und Weibchen im Tierreich ist der, dass sie ihren Eisprung geheim halten. Wenn Sie eine Frau sehen, können Sie nicht sagen, ob sie einen Eisprung hat oder nicht. Deshalb ist Sex mit einer Menschenfrau wie Stochern im Nebel: Der Mann weiß nie, ob er sie schwängern kann oder nicht. Im Gegenteil: Die Chance, dass sie gerade keinen Eisprung hat, ist viel größer. Bei jeder anderen Primatenart zeigt das Weibchen durch geschwollene Sexualorgane ganz deutlich: Schau, ich bin empfängnisbereit. Dann akzeptiert sie Geschlechtsverkehr, sonst nicht. Mit anderen Worten: Bei den Menschen dient Sex offenkundig nicht nur der Fortpflanzung wie bei den übrigen Primaten – er hat auch einen anderen Zweck.

Welchen Zweck hat denn Sex beim Menschen?

Sex bedeutet Liebe machen, im wahrsten Sinn des Wortes. Sex hat eine soziale Bedeutung: Er hält Partnerschaften zusammen. Das war notwendig, als sich die Jäger- und Sammlerkulturen bildeten. Während die Männer auf die Jagd gingen und oft tagelang unterwegs waren, blieben die Frauen zurück. Sie wollten natürlich, dass die Männer mit der Beute zu ihnen und den Kindern zurückkamen – und dafür setzten sie ihre Sexualität ein.

Wollen Sie damit sagen, dass Männer nur deshalb zu ihren Frauen zurückkommen, weil sie mit Sex belohnt werden?

Nein, Sex könnten Männer ja auch woanders haben. Die Sexualität der Menschen weckt tiefe, verbindende Emotionen. Wir nennen das Liebe. Und diese Art der Sexualität wurde erst möglich, als die Frauen begannen, den Eisprung zu verbergen, Orgasmen zu bekommen und immer sexier zu werden. Sie entwickelten schließlich den am stärksten sexualisierten Körper aller Lebewesen. Das ist etwas völlig Neues in der Evolution. Wenn Menschenaffen kopulieren, dauert das ein paar Sekunden – und das Weibchen hat keinen Orgasmus. Die menschliche Sexualität ist im Vergleich dazu viel weiter entwickelt, intensiver und fortschrittlicher.

Sie erwähnen immer wieder den Orgasmus. Welche Rolle spielt er in der Evolution des Menschen?

Der Orgasmus ist sozusagen die Belohnung für Sexualität. Wer würde schon freiwillig sexuell aktiv sein, wenn es dabei keinen Höhepunkt gäbe? Erst die Erfindung des weiblichen Orgasmus machte es möglich, dass Menschenfrauen im Gegensatz beispielsweise zu Affenfrauen regelmäßig Sex haben wollen. Und regelmäßige Sexualität ist als Bindemittel in einer Gesellschaft notwendig, in der es keine mächtigen Haremsbosse mehr gibt, sondern einzelne Paare.

Was macht denn den Harem in der menschlichen Gesellschaft obsolet?

Als die Männer begannen, auf die Jagd zu gehen, mussten sie miteinander kooperieren, wenn sie ein großes Tier erlegen wollten. Im Gegensatz zu manchen Tierarten, bei denen es einen mächtigen, tyrannischen Boss gibt, waren die Menschenmänner zumindest körperlich alle mehr oder weniger gleich. Deshalb taugt das im Tierreich weit verbreitete Haremssystem, wo das stärkste Männchen alle Frauen kriegt, für die Menschen nicht. Auch was die Sexualität angeht, spielten die Menschen im Team. Jeder im Stamm hatte eine Aufgabe, und jeder hatte eine Frau. Das funktioniert aber nur, wenn es dafür Regeln gibt. Beim Menschen lautet die Regel: Paarbildung. Und die funktioniert mithilfe der Sexualität.

Wer bringt den Sex in die Beziehung: Männer oder Frauen?

Eindeutig Frauen. Sie sind traditionell für die sozialen Belange zuständig, und dazu gehören Beziehungen und Sexualität. Dafür haben sich Frauen zu extrem sexuell attraktiven Wesen entwickelt. Dafür hat die Natur ihren Körper designt. Frauen haben allerdings nicht deshalb einen kurvigen Körper, damit Männer ihn sexy finden. Sie haben Rundungen, um doppelt so viel Fett einlagern zu können wie Männer. Diese größeren Fettreserven brauchten sie früher, wenn sie während der häufigen Hungerzeiten ihre Kinder austragen, stillen und aufziehen wollten. Für Männer waren die Kurven der Frau ein Zeichen dafür, dass sie gesund und in der Lage war, den Nachwuchs durchzubringen. Deshalb finden Männer Rundungen sexy.

Okay, aber wir leben nicht mehr in der Steinzeit.

Stimmt, wir haben uns weiterentwickelt. Aber die Basisinstinkte in uns funktionieren noch immer wie früher.

Warum gelten dann klapperdürre Models als besonders schön?

Die Mehrheit der Menschen findet diese Knochengestelle überhaupt nicht attraktiv. Ich habe Versuche gemacht, in denen ich Männern die Umrisse von Frauen zeigte – von magersüchtig bis fett. Die Männer sollten die für sie attraktivste Figur bestimmen. Die große Mehrheit entschied sich für eine der mittleren Figuren: nicht zu dünn, nicht zu dick, aber mit Kurven und ruhig auch dem einen oder anderen Speckröllchen. Dass in der Modebranche Models mit jungenhaften Körpern dominieren, liegt an den Modemachern: Die meisten der großen Designer sind homosexuell. Sie lieben Jungs, nicht Mädchen. Deshalb machen sie diese mageren Models zu Glamour-Stars. Das ist eine totale Verdrehung von Weiblichkeit: Wirklich sexy wirkt eine Frau nur, wenn sie Kurven hat.

Mit dieser Kurvendiskussion haben Sie sich ja schon einmal böse in die Nesseln gesetzt: Als Sie behaupteten, der weibliche Busen sei eine Art Po auf der Vorderseite des Körpers. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Ja, obwohl sie mir wirklich viel Ärger eingebracht hat. Die Grundidee stammt von dem deutschen Verhaltensforscher Wolfgang Winckler, der auf einem Kongress über Selbstmimikry bei Fischen sprach. Unter Selbstmimikry versteht man den Vorgang, dass bestimmte Körperteile an anderen Stellen des eigenen Körpers nachgeahmt werden. Nach dem Vortrag ging ich zu Winckler und sagte ihm, er bringe mich auf die Idee, dass es Selbstmimikry auch bei Menschen geben könnte. Er war schockiert. Aber ich glaube, ich habe Recht. Schauen Sie sich doch Frauen an: Ihr Busen ist im Gegensatz zum Busen der Affenfrauen ständig gerundet.

Klar, der Busen ist ja in erster Linie dafür gedacht, Milch zu geben.

Nein, zwei Drittel der Brust werden von Fettgewebe gerundet. Im Interesse des Babys ist das nicht. Es ist nämlich gar nicht so einfach, aus einem prallen Busen Milch zu saugen. Also habe ich mich gefragt, warum Frauen ständig hervorstehende runde Brüste haben.

Ihre Antwort?

Die halbkugelige Form der Brüste geht nicht auf die mütterlich-nährende Funktion zurück, sondern dient vielmehr der Übermittlung sexueller Signale. Der Grund ist nicht schwer herauszufinden. Die Weibchen aller anderen Primaten signalisieren ihre sexuelle Bereitschaft mithilfe des Hinterteils, während sie auf allen vieren gehen. Dessen Schwellung ist der hauptsächliche Stimulus, der die Männchen in Erregung versetzt. Auch die Gesäßbacken der Frau können starke sexuelle Signale aussenden. Aber sie geht ja nicht auf allen vieren, sondern steht dem Mann meist von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Dabei ermöglichen es ihr die zwei imitierten Gesäßbacken auf ihrer Brust, das ursprüngliche sexuelle Signal zu übermitteln, ohne ihrem Partner den Rücken zudrehen zu müssen.

Ein weiterer Punkt, für den Sie Prügel einstecken mussten, ist Ihr Vergleich der Lippen mit den Schamlippen. Ist auch das Selbstmimikry?

Natürlich. Die Menschen sind die einzigen Primaten, die große, nach außen gestülpte, feuchte Lippen haben. Sie entsprechen den Lippen eines 16 Wochen alten Affenfötus – auch das ist ein Beleg für Neotenie. Das Affenbaby verliert die vollen Lippen, noch bevor es geboren wird – der Mensch behält sie sein Leben lang, Frauen mehr als Männer. Und die Lippen haben eine hohe Sensibilität und Sexualität – wie die Schamlippen. Wenn Frauen erregt sind, schwellen nicht nur die Schamlippen an, sondern auch die Lippen. Deshalb ist Küssen so schön. Viele Frauen malen sich die Lippen auch noch blutrot an oder lassen sie künstlich vergrößern.

Was ist der Grund für die steigende Zahl von Schönheitsoperationen?

Das hat damit zu tun, dass wir heutzutage doppelt so alt werden wie von der Natur eigentlich vorgesehen. Deshalb sind wir die Hälfte unseres Lebens biologisch gesehen zu alt. Das ist eine große Veränderung. Früher gab es keine Schönheitsoperationen – nicht nur, weil den Menschen dazu die technischen Fähigkeiten fehlten, sondern weil sie so etwas nicht brauchten: Sie wurden einfach nicht alt genug, um zu sehen, wie ihre sexuellen Signale an Wirkung verlieren. Heute versuchen Frauen, ihre Attraktivität zu bewahren, auch wenn sie die 40 überschritten haben. Und das macht Schönheits-Chirurgen reich.

Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung für die Mode, sich den unteren Rücken mit so genannten Arschgeweihen tätowieren zu lassen?

Wir beobachten schon lange, wie die Zonen erotischer Signale über den Körper der Frau wandern. Das hat nach meiner Meinung damit zu tun, dass das erotische Interesse immer wieder neu geweckt werden muss. Die Mode trägt viel dazu bei. Es gab eine Zeit, in der die Frauen ihre Schultern zeigten. Auch die Beine sind ein starkes erotisches Signal. Aber wenn Frauen lange Hosen tragen, müssen sie irgendwo anders Haut zeigen. Dazu kommt, dass sie sich immer mehr darüber klar werden, wie sexy sie sind. In Zeiten zunehmender Offenheit rutschen deshalb auch die erotischen Signale immer dichter an die Geschlechtsteile heran. Frauen tragen Tätowierungen gern am Brustansatz, in der Leistengegend oder am Po. Und jetzt ist die Rückseite dran. Die Tätowierung am unteren Rücken sieht man ja nicht ganz – sie verschwindet zum Teil im Höschen. Das Arschgeweih ist sozusagen ein Hinweiszeichen: Wenn du es richtig anstellst, bekommst du auch den Rest zu sehen.

Können Sie zusammenfassen: Was macht Frauen aus Sicht des Forschers sexy?

Ein kurviger Körper, weil man daran schon aus der Ferne Frauen von Männern unterscheiden kann – und weil er sich aus der Nähe besser anfasst als ein Knochengestell. Außerdem eine glatte, frische Haut als Zeichen der Gesundheit. Und wenig Körperbehaarung, weil das feminin ist. Hier ist übrigens die Blondine gegenüber der Dunkelhaarigen im Vorteil: Sie hat genauso viele Haare an den Beinen, aber man sieht sie kaum. Sexy ist auch ein flaches Gesicht mit einer kleinen Nase – keine Frau läßt sich die Nase vergrößern.

Das bedeutet: Je mehr eine Frau einem Baby gleicht, desto mehr Sexappeal hat sie?

Ja, aber das ist keine Abwertung und hat auch nichts mit Pädophilie zu tun. Es ist die generelle Entwicklung des Menschen hin zu einem kindlichen Aussehen. Je kindlicher wir aussehen, desto moderner und attraktiver sind wir.

Sind wir also auf dem Weg in die totale Infantilität?

So könnte man es sagen, auch wenn das Wort Infantilität negativ besetzt ist. Die Evolution lässt sich von Worten nicht beirren. Sie entwickelt sich in die Richtung, die der jeweiligen Art nützt. Deshalb werden Frauen künftiger Generationen noch viel mehr an Babys erinnern: glatte Haut, Stupsnase, große Augen. Auch die Männer werden Haare lassen – aber bei ihnen findet die Kindlichkeit, wie gesagt, eher im Kopf statt. Glücklicherweise. Denn Infantilität ist eine der großen Besonderheiten unserer Art. Würden wir nicht gelegentlich Dinge tun, die auf den ersten Blick kindlich wirken, gäbe es keine Erfindungen, keine Meisterwerke der Kunst und keinen Fortschritt.

Wenn Sie alles in Betracht ziehen: Welches ist die schönste Frau der Welt?

Ich würde sagen, Claudia Schiffer ist eine der schönsten Frauen, die ich kenne. Sie entspricht all dem, was ich in meiner Forschung als attraktiv entschlüsselt habe.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (2 Bewertungen)


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