Eine Theorie, die nicht praktisch im Leben Anwendung finden kann, ist wertlose Gedankenakrobatik.
Die 10 großen Mysterien unserer Existenz
Der perfekte Mord ist Geschichte
Papiergeld - Das Risiko des schönen Scheins
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
06/2012
Ausgabe
01/2011
Ausgabe
04/2011
Verlangen die Frauen heute zu viel?
Gibt es bald ein Medikament gegen das Altern?
Wann wird eine Psycho-Krise zum Trauma?
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
02/2012
Ausgabe
01/2012
Ausgabe
05/2012
Ausgabe
03/2012
Ausgabe
03/2012
92 qualitativ hochwertige Sudokus – für Anfänger, Fortgeschrittene, Experten und Champions
Zu gewinnen: drei Qualitäts-Kochtopf-Sets!
Ausgabe
03/2012
Noch mehr Rätselspaß:
P.M. Logicals bringt Ihre grauen Zellen auf Hochtouren. Mit 45 anspruchsvollen Logik-Puzzles
Ausgabe
01/2011
P.M. direkt
Sagen Sie mal: Was verrät unsere Kleidung über unseren Charakter?
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
Hier geht's zum aktuellen Heft »
Sakko oder Pullover, Minirock oder Hosenanzug – was wir anziehen, sagt viel mehr über uns, als wir glauben. P.M.-Autor Michael Kneissler sprach mit dem Sozialpsychologen Prof. Dr. Carlo Michael Sommer über die Geheimnisse der Mode – und wie sie zum Trend wird.
P.M.: Professor Sommer, Sie tragen einen schwarzen Cordanzug, schwarze Lederschuhe und ein dunkles Polo-hemd. Was wollen Sie mir damit sagen?
Prof. Dr. Carlo Michael Sommer: Ich habe mich so lange und intensiv mit der Psychologie der Mode beschäftigt, dass es mir selbst gar nicht mehr wichtig ist. Schwarz ist neutral, damit kann ich mich überall bewegen, es ist gleichzeitig formell für Geschäftsgespräche und informell fürs Büro.
Wollen Sie mir damit sagen, dass Sie mit Ihrem Outfit gar nichts sagen wollen?
Nein, das ist unmöglich. Unsere Kleidung erfüllt jenseits ihrer praktischen Aufgaben wesentliche psychische und soziale Funktionen. Mit ihr »transformieren« wir unseren biologischen Körper in eine sozial bedeutsame Erscheinung. Wir kommunizieren über die Kleidung mit unserer Umwelt, ob wir wollen oder nicht.
Also kommuniziert auch Ihr schwarzer Cordanzug etwas. Was denn?
Das Erstaunliche ist, dass jeder die Sprache der Mode verstehen kann. Nur meistens findet das auf einer unbewussten Ebene statt. Wir sehen, wie jemand angezogen ist, und ordnen ihn ein. Versuchen Sie es doch mal!
Okay: Die Farbe Schwarz verweist eher auf den seriösen Geschäftsmann, das Material Cordsamt auf den kreativen Künstler. Außerdem tragen Sie kein klassisches weißes Hemd und keine Krawatte. Also soll Ihr Oufit zeigen: Sie sind kreativ, aber kein Spinner; Sie sind seriös, aber nicht spießig. Sie tragen das Outfit eines Angepassten, der es sich leisten kann, sich nicht anzupassen. Richtig?
Sehen Sie, wie detailreich die Sprache der Mode ist? Allerdings gibt sie uns nur ein vorläufiges Bild der anderen Person. Oft stimmt unsere Interpretation – aber gelegentlich täuscht uns der erste Blick. Denken Sie an den Hauptmann von Köpenick: Der war gar keiner, er war nur so angezogen, und alle fielen auf seine Uniform herein.
Also hilft die Mode auch dabei, andere reinzulegen?
Natürlich dient Mode gelegentlich auch zum Betrug. Aber normalerweise wollen wir mit unserer Kleidung dem anderen einen Eindruck davon geben, wer wir sind – oder wer wir sein wollen.
Fällt es deswegen jeden Morgen so schwer, sich zu entscheiden, was man anziehen soll?
Ja, der Fall ist nämlich noch ein wenig komplizierter. Wir überlegen vor dem Kleiderschrank, wie wir uns der Umwelt präsentieren wollen: zum Beispiel als seriös, als jugendlich, als angepasst, als unangepasst. Es kommt natürlich auch darauf an, was wir vorhaben: Gehen wir nur ins Büro? Dann reicht vielleicht ein bequemer Pullunder. Haben wir Kundenkontakt? Dann sollte es eventuell ein Anzug sein. Ist es ein besonders wichtiger Kunde? Dann muss noch ein Schlips dazu. Das ist die eine Ebene: die Außenwirkung. Aber es gibt auch eine Innenwirkung: Was wir anziehen, beeinflusst nicht nur die anderen, sondern auch uns selbst. Im Jogging-Anzug verhalten wir uns anders als im Frack. Und bei Frauen macht es einen großen Unterschied, ob sie sich für ein Kostüm und hohe Schuhe oder für Jeans und Turnschuhe entscheiden.
Geht es bei der Kleidung darum, sich anzupassen, die Erwartungen der anderen zu erfüllen?
Darum geht es auch. Aber nicht nur. Beim Anziehen versuchen wir, die Balance zu finden zwischen Anpassung und Abgrenzung. Kleidung erfüllt nämlich grundsätzlich zwei Funktionen. Einerseits signalisiert sie unsere Individualität: Ich bin ich! Andererseits zeigt sie, welcher gesellschaftlichen Gruppe wir uns zugehörig fühlen – etwa den Punks, den Bankern oder den Rentnern.
Wie Punks aussehen, ist klar: Stiefel, Lederhosen, Ketten, Piercings. Wie Banker aussehen, auch: Lederschuhe, Anzug, Krawatte. Aber wie erkennen Sie Rentner?
Vor allem an den Farben: Beige und Grau. Unauffällig und praktisch, das ist Rentner-Stil. Ein alterstypisches Kleidungsprogramm der Unauffälligkeit und Anpassung.
Wenn Kleidung wie Sprache funktionieren will, dann hat sie aber einen gewaltigen Nachteil: Wir sagen den ganzen Tag dasselbe, bis wir wieder an unseren Kleiderschrank zurückkommen.
Das stimmt, die Sprache der Mode ist träge. Wenn ich etwas in Worten sage und merke, es kommt nicht so gut an, kann ich es sofort wieder zurücknehmen. Wenn ich etwas Falsches anhabe, dann stehe ich blöd da. Aber die Trägheit der Kleidersprache hat auch Vorteile: Sie gibt eine gewisse Verlässlichkeit und repräsentiert damit eine konstante Persönlichkeit. Stellen Sie sich doch mal vor, was wäre, wenn Sie in einem Bewerbungsgespräch plötzlich rausrennen, den Anzug ablegen und in Muskelshirt und durchlöcherten Jeans zurückkommen würden.
Da wäre mein Gesprächspartner wahrscheinlich total verunsichert!
Eben. Kleidung ist eine Konstante in der Kommunikation. Das schafft Vertrauen. Und es ist wichtig, dass wir uns in gewisser Weise auf den ersten visuellen Eindruck verlassen können. Wir schließen nämlich von der Kleidung auf den ganzen Menschen, also von dem sichtbaren Merkmal auf andere, nicht sichtbare Merkmale.
Haben Sie dafür ein Beispiel?
Wenn einer sackähnliche bunte Pullover, rosarote Baumwollhosen und Jesuslatschen anhat, denken wir spontan an Hippies, Woodstock und Atomkraftgegner. Wenn einer viel zu weite Hosen auf Halbacht trägt, dazu riesige Turnschuhe ohne Schnürsenkel und ein weites Kapuzen-Shirt, ist er wahrscheinlich Hip-Hop-Fan. Ein Mädchen im Minirock mit Netzstrümpfen, Dekolleté und hohen Absätzen ruft andere Vermutungen über seine Persönlichkeit in uns hervor als eine junge Frau im langen Rock, mit flachen Schuhen und einem Rollkragenpullover.
Aber das sind doch Vorurteile!
Klar sind das Vorurteile. Aber Vorurteile sind aus psychologischer Sicht unbedingt notwendig, um im Alltag bestehen zu können. Wir begegnen so vielen Menschen, dass es ein Zeichen von Intelligenz ist, wenn wir sie blitzschnell nach ihren äußeren Kennzeichen einordnen. Es ist allerdings kein Zeichen von Intelligenz, wenn wir unser Vorurteil nicht bei Bedarf revidieren.
Muss man sich das so vorstellen, dass jeder Mensch Schablonen für Kleidungsstile im Gehirn gespeichert hat und die aussucht, die am besten passt? Also etwa: Schablone 17 – Alt-Hippie!
Im Prinzip ist das so. Psychologen nennen das allerdings nicht Schablone, sondern Schema. Wir haben ein Schema, wie ein Beamter aussieht oder ein Obdachloser usw. Schemata sind einfache Vorstellungen, die in der Regel durch Erfahrungen gelernt und im Gehirn gespeichert wurden. Diese Schemata haben den Vorteil, dass wir aus einfachen Hinweisen schnelle und komplexe Rückschlüsse ziehen können. Wenn jetzt hier die Tür aufgeht und eine Hand zu sehen ist, dann vermuten wir auf Grund unserer Erfahrungen, dass an der Hand ein ganzer Mensch dran ist. Und meistens haben wir mit dieser Vermutung Recht. So funktioniert das auch mit unseren Rückschlüssen bei der Kleidung.
Woran orientieren wir uns eigentlich, wenn wir unseren eigenen Kleidungsstil entwickeln?
Das ist ein fließender Prozess. Wir alle kommen nackt zur Welt, aber danach fangen wir unverzüglich an, den Körper zu gestalten. Zunächst übernehmen das die Eltern, und wenn wir beginnen, als Kind Dinge selbst zu beurteilen, orientieren wir uns zunächst an dem, was die Eltern uns vormachen. Was der Papa oder die Mama anhat, finden kleine Kinder super.
Aber das ändert sich?
Wenn aus den Kindern Jugendliche werden, nabeln sie sich von den Eltern ab, auch modisch, und orientieren sich an ihrer Peer-Gruppe, den Freunden und Freundinnen. Oft auch an etwas älteren Jugendlichen. Plötzlich ist alles, was die Eltern tragen, absolut uncool. Früher gab das oft Ärger, heute erstaunlicherweise nur noch selten.
Woran liegt das?
Am Jugendlichkeitswahn der Erwachsenen. Auch Eltern wollen nicht älter werden. Sie orientieren sich deshalb beispielsweise bei Modefragen nicht an den Großeltern, sondern an den Kids.
Gibt es gar keinen Erwachsenen-Stil mehr?
Doch, aber zunächst – nach der Orientierung an der Peer-Group – versuchen wir, uns vom Mainstream abzunabeln und einen individuellen Stil zu entwickeln. Das passiert etwa zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Ab 30 neigen wir dazu, beizubehalten, was wir dann tragen. Von da an machen die meisten Menschen nicht mehr viele Experimente, was die Kleidung betrifft. Man könnte also sagen, dass der Erwachsenen-Stil sich dadurch auszeichnet, dass er sich über längere Zeiträume nicht mehr verändert.
Erwachsene machen den schnellen Zyklus der Mode nicht mehr mit?
Viele wollen eigentlich nicht mehr mitmachen, müssen es aber notgedrungen tun: Oft lässt sich der gewohnte Stil nämlich nicht mehr beibehalten, weil es die entsprechenden Schnitte und Materialien gar nicht mehr gibt. Und falls es doch jemand schafft, immer noch die Schlaghosen aufzutreiben, die in den 1970er Jahren Mode waren, stellt er plötzlich fest, dass er damit extrem auffällt, weil er mittlerweile weithin der Einzige in solchen Hosen ist. In den 70er Jahren hat diese Person mit Schlaghosen dazugehört, jetzt ist sie Außenseiter und gibt ein ungewollt starkes Fashion-Statement ab. Da hilft nur: Schlaghose zurück in den Schrank und unauffällige Hosen kaufen — oder als Mode-Freak Aufsehen erregen.
Wenn ich Sie richtig verstehe, soll Mode einerseits unsere Individualität betonen, andererseits aber auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zeigen. Das widerspricht sich doch.
Das ist tatsächlich ein Zielkonflikt. Deshalb geht es ja auch manchmal daneben, und wir sind für die entsprechende Gruppe over- oder underdressed, zu gut oder nicht gut genug angezogen.
Wer bestimmt eigentlich, was gerade Mode ist?
Es gibt verschiedene Theorien dazu. Zum Beispiel die Trickle-down-Theorie. Sie sagt, dass die Mode von den oberen Schichten durch Imitation nach unten »tröpfelt«: Die unteren Schichten machen also nach, was die oberen vormachen. Es gibt aber auch eine Trickle-across-Theorie: Die Mode breitet sich von den mittleren zu den unteren und oberen Schichten aus. Oder die Manipulationstheorie: Mode wird von Unternehmen und Massenmedien diktiert. Relativ neu ist das postmoderne Modell. Danach ist die Mode nichts anderes als ein mehr oder minder beliebiges Spiel postmodern aufgelöster Zeichenwelten.
Dieses Modell erscheint mir als ziemlich zutreffend: Die Leute mischen doch heute alle möglichen Stile miteinander, und die Trends wechseln so schnell, dass sich gar keine einheitliche Zeichensprache mehr entwickeln kann.
Auf den ersten Blick haben Sie Recht. Aber in Wirklichkeit gibt es doch deutliche Stilveränderungen und Modeströmungen. Wir Sozialpsychologen haben deshalb ein so genanntes Zeitgeist-Modell entwickelt, das Mode als komplexe Reaktion auf gesellschaftlichen Wandel erklärt.
Mode verrät also auch etwas über die Gesellschaft, in der wir leben?
Ja. Ein modischer Wandel tritt nur da auf, wo gesellschaftliche Veränderungen und der damit zusammenhängende Wertewandel besonders rasch und unüberschaubar vonstatten gehen. Seit dem 19. Jahrhundert erleben wir die moderne und postmoderne Gesellschaft mit ihren schnellen Veränderungen. Und in dieser Situation spielt die Mode für den Einzelnen eine wichtige Rolle: Weil sich nahezu alles ständig verändert, gibt die Mode insofern eine Hilfestellung, dass sie die zahlreichen Möglichkeiten der Veränderung auf einige wenige sinnfällige reduziert.
Und indem wir mit Mode auf die Gesellschaft reagieren, zeigen wir auch, dass wir nicht zum alten Eisen gehören?
So könnte man das sagen: Mit der Mode demonstrieren wir, dass wir bereit sind, uns auf die Gegenwart einzustellen. Der Vorteil dabei ist es, dass wir unsere modische Anpassung an die Gegenwart mehr oder weniger probemäßig erledigen: Wenn es uns gar nicht gefällt, ziehen wir eben die alten Sachen wieder an. Aber wenn wir uns dem neuesten Trend entsprechend kleiden, dann stimuliert uns das auch selbst und macht es uns leichter, mit dem Wertewandel Schritt zu halten.
Wer erfindet die neue Mode?
Das ist gut untersucht. Neue Stile werden vor allem von Gruppierungen geschaffen, die auf der Suche nach einer Identität sind. Heute sind das vor allem jugendliche Subkulturen wie Punks oder Hip-Hopper.
Und wie wurden Punk-Mode und Hip-Hop-Baggys plötzlich Mainstream?
Das passiert, wenn der Trend aus der Subkultur für die Mehrheit relevant ist und wenn die »modernen Performer« ins Spiel kommen. Zu deren privater und beruflicher Identität gehören individualistische, kreative und innovative Selbstdarstellung und Stilführerschaft. Deshalb sind sie ständig in den Subkulturen auf der Suche nach neuen Entwicklungen. Diese »klauen« sie und verwenden sie für sich selbst. Performer arbeiten in den Medien, im Design, in der Kunst, im Pop-Business und im Marketing.
So, wie die Mode-Designerin Vivian Westwood plötzlich mit Punk-Elementen experimentiert hat?
Ja, und ihr Kollege Jean-Paul Gaultier steckte seine Models in ausgelatschte Arbeiterstiefel. Die Sängerin Christina Aguilera und die Rapperin Lil Kim ließen sich in ihrem Stil von den Textilien aus dem Rotlichtmilieu inspirieren – und die Kids machten es ihnen nach. Die breite Mehrheit erfährt davon, weil die Performer ständig im Fernsehen sind.
Thomas Gottschalk ist auch ständig im Fernsehen. Aber niemand außer Günter Netzer trägt dessen goldenes Jackett – und das auch nur, weil er eine Wette verloren hatte!
Goldene Jacketts sind gesellschaftlich nicht relevant – Pop und Rap sind offenkundig relevanter als »Wetten dass ...?«. Die Jugendlichen übernehmen den Punk- und Hip-Hop-Stil – und weil alle jugendlich wirken wollen, sickert er in die Welt der Erwachsenen ein. Die Zahl der so genannten Follower wird immer größer. Schließlich will keiner altmodisch wirken – keiner will vom Zug abgehängt werden, wenn der in Bewegung ist.
Wie lange dauert es, bis Subkultur Mainstream wird?
Ein Modezyklus dauert in der Regel sechs bis acht Jahre: So viel Zeit vergeht, bis die Trendsignale aus den Subkulturen bei der Mehrheit ankommen. Aber wenn die Mehrheit die neue Mode trägt, ist schon der nächste Tend im Anmarsch. Dafür schickt die Mode-Industrie extra ausgebildete Trend-Scouts in den Untergrund – Leute, die in die Szene ausschwärmen und Trends ermitteln.
Welches sind die aktuellen Mode-Ikonen?
Das ist schwer zu sagen – Stil-Ikonen wie früher James Dean oder Marilyn Monroe gibt es heute gar nicht mehr. Unsere Stars wirken eher wie ein Katalysator: Sie nehmen Trends aus den Subkulturen auf und verbreiten sie über die Medien. Madonna ist ein gutes Beispiel dafür, wie neue Modetrends weltweit promotet werden. Die Sängerin Beyoncé von »Destiny’s Child« hat diese Funktion. Und auf einer nationalen Ebene auch »Tokio Hotel«: Die Boygroup aus Magdeburg imitiert den Visual-Kei-Stil aus der japanischen Manga-Kultur.
Nach dem modebewussten Brioni-Kanzler Gerhard Schröder wurde die chronisch schlecht angezogene Angela Merkel ins Amt gewählt. Ein Wertewandel?
Interessant ist ja, wie viel Aufsehen das äußere Erscheinungsbild der Kanzlerin erregt hat. Helmut Kohl hatte auch schlecht sitzende Anzüge an – und niemand hat sich dafür interessiert. Ich glaube, bei Frauen ist die Kleidung immer noch mit einer höheren Bedeutung aufgeladen als bei Männern. Also zeigt es keinen Wertewandel. Eher im Gegenteil: Die Diskussion über das Aussehen der Kanzlerin ist ein Beleg dafür, dass die alten geschlechtsspezifischen Rollenbilder noch immer in den Köpfen existieren.
Aber was will Frau Merkel uns mit ihrem Outfit sagen: Äußerlichkeiten spielen keine Rolle mehr, es geht um innere Werte?
Das möchte sie sicherlich nicht – es würde ja auch nicht stimmen. Außerdem hat Frau Merkel ihren Stil durchaus geändert – und zwar dramatisch. Sie hat eine regelrechte stilistische Aufholarbeit geleistet und ist jetzt sogar für viele zu einem stilistischen Vorbild geworden.
Entschuldigung: Angela Merkel – eine Stil-Ikone?
Nicht für die Avantgardisten. Aber für den Mainstream. Berufstätige Frauen orientieren sich in ihrem Outfit unterdessen an der Bundeskanzlerin. Sie macht vor, wie man sich als Frau im Berufsleben korrekt anzieht: nicht zu weiblich, aber auch nicht geschlechtsneutral, am besten im Hosenanzug.
Und wer macht den Männern vor, wie sie sich richtig anziehen?
Auch das haben wir untersucht: Die meisten haben von Mode wenig Ahnung, aber sie lernen dazu. Im Moment sind sie der Ansicht, dass man nichts falsch machen kann, wenn man Kleidung von einer der großen Männermodemarken kauft. Experimente macht da keiner.
- Trend & Style
- Trend & Style

























