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Rasender Gyro im Porsche: Hybrid mit Schwungrad
Die Buspassgier an der Bushaltistell waren es gewohnt. Obwohl das Iii- und Ustiegä beendet und die Türen verschlossen sind, wartete der Chauffeure mit dem Losfahren noch einige Sekunden. 40 Sekunden dauerte es, bis das tonnenschwere Schwungrad wieder auf Touren gebracht ist. Hier, am Südende des Neuchachateller Sees, setzten die lokalen Verkehrsbetriebe vor 50 Jahren jene Technik ein, die heute im Porsche GT3 R für Furore sorgen soll. Gyrobusse hießen die vom Schweizer Traditionsunternehmen gefertigten 19 Fahrzeuge mit dem Elektroantrieb. Denn die notwendige Energie zum Fahren lieferte eine im Vakuum bei 900 km/h rotierende Scheibe. der Schwung wurde an einen Elektromotor gelenkt und der trieb den Bus an.
Es muss wohl kein „Heureka-Erlebnis“ in der sauberen Antriebstechnik gewesen sein, denn nach Zwischenstationen in Gent landeten die Busse in Kongos Hauptstadt. Später verliert sich ihre Spur. Gyro-Fahrzeuge, der Name rührt aus dem Griechischen und meint laut Wikipedia rotierende Scheibe, Kreisel, leiden unter zu hohem Gewicht, lausiger Fahrzeugstabilität bei wechselnden Kurvenfahrten und kurzer Reichweite. 50 Jahre lang wurden diese Urteile immer wieder bestätigt, auch wenn in einem MAN-Erprobungsfahrzeug ein solcher Energiespeicher in den 80er Jahren eingebaut und mit neuen, leichten Materialien und höheren Umdrehungsgeschwindigkeiten experimentiert wurde. Am Ende hatte sich die Formel 1 dieses Themas angenommen, aber nach nur einer Saison ging KERS nicht mehr an den Start.
Jetzt probiert es Porsche. Dabei ist aber nicht daran gedacht, den GT 3 R rein elektrisch fahren zu lassen, der Elektroantrieb soll vielmehr für einen kurzen Augenblick zusätzlichen Schub geben. Dann wirken je 81 PS auf die Vorderräder. Aus dem Hecktriebler wird für knapp 8 Sekunden ein Allradfahrzeug, mit dem vielleicht entscheidenden Plus an Überholreserve, so wie es bisweilen bei den Formel-1-Rennen der vorletzten Saison zu sehen war.
Die beiden je 60 kW starken Elektromotoren wirken umgekehrt gleichzeitig auch beim Bremsen, um das Schwungrad wieder anzutreiben. Bis auf 40 000 Umdrehungen kann es beschleunigt werden. Und wie der Dynamo am Fahrradreifen sich andockt und Strom erzeugt, so treiben die Elektromotoren die Vorderräder an. Der Energiespeicher des 480 PS starken Rennwagens ist auf der Beifahrerseite angeordnet, ein Platz, der in Rennwagen sowieso nicht genutzt wird. Mit dem Schwungradspeicher können die Porsche-Ingenieure vor allem auf die schweren Akkumulatoren verzichten. Nicht elektrische sondern kinetische Energie wird gespeichert und kann blitzschnell abgerufen werden. Der 911 GT3 R Hybrid wird nach seiner Premiere in Genf auf dem Nürburgring bei Langstreckenrennen erprobt werden. Als Höhepunkt dieser Erprobung soll er beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings am 15./16. Mai starten. Ein Sieg des 911 GT3 R Hybrid steht dabei aber nicht im Vordergrund. Vielmehr soll er als Technologieträger und so genanntes Rennlabor Erkenntnisse für die spätere Anwendung der Hybridtechnik in Straßensportwagen liefern.
PS.: Und wenn dann die zigtausend Zuschauer im Mai den GT3 Hybrid an der 22 Kilometer langen Strecke geparkt sehen sollten, wird er wohl kaum zum Elektrotanken angehalten haben.
17.02.2010























