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Radioprogramm für Entführungsopfer

Dieser Artikel stammt aus P.M. Fragen & Antworten
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Radioprogramm für EntführungsopferRadioprogramm für Entführungsopfer

Sie senden Liebesgrüße für verschleppte Menschen. Das Beste an dieser guten Idee eines kolumbianischen Journalisten ist, dass die Botschaften wirklich ankommen.

Früh am Sonntag, zwischen ein und vier Uhr morgens, gehen die »Stimmen der Entführung« über den Äther. Dann sendet Radio Caracol in Kolumbiens Hauptstadt Bogota ein spezielles Programm für Verschleppte. Für Verwandte, Bekannte und Freunde ist die Sendung oft die einzige Möglichkeit, ihre Lieben zu grüßen, zu trösten, aufzumuntern, mit der berechtigten Hoffnung, dass sie auch wirklich gehört werden.

Adressaten für die persönlichen Radionachrichten gibt es in Kolumbien genug: Laut einer an die Sendung angelehnten Internetseite, die den gleichen Namen – »Las voces de secuestro« – trägt, sind in dem südamerikanischen Land derzeit mehr als 4200 Menschen in den Händen von Entführern. Manche schon seit Jahren. Am bekanntesten ist der Fall der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Ingrid Betancourt, die seit dem 23. Februar 2002 verschwunden ist.

Kürzlich hat ihre Mutter, Yolanda Pulecio, ein Buch veröffentlicht, mit einer Sammlung aller Nachrichten, die sie über »Stimmen der Entführung« an ihre Tochter gesandt hat. Ins Leben gerufen wurde das Programm vor zwölf Jahren vom Journalisten Herbin Hoyos, dem Moderator der Sendung. Der Reporter, der sich inzwischen auch als weltweit aktiver Krisenberichterstatter einen Namen gemacht hat, war selbst verschleppt worden, direkt vor der Sendeanstalt von Radio Caracol in Bogota. Nach 17 Tagen in Gefangenschaft befreiten ihn die Streitkräfte unverletzt.

Er hatte miterlebt, wie ein Mann, mit dem er zusammen festgehalten wurde, nachts sehnsüchtig das Ohr an ein Transistorradio presste. Kaum frei, fing er mit 15 Minuten Sendezeit an, der »Andrang« war aber so groß, dass schnell drei Stunden daraus wurden. Heute ist »Las voces de secuestro« über Mittelwelle in 147 Ländern zu empfangen. Warum aber so spät nachts?

Da werde – so Hoyos – am wenigsten gekämpft und der Empfang sei am besten. Dass die »Stimmen der Entführung« tatsächlich bis zu den Adressaten vordringen, bestätigen Betroffene immer wieder. Schon Tausende Freigelassene haben sich bei Hoyos persönlich für die Unterstützung bedankt.

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