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Bücher, die die Welt veränderten
Rachel Carson: »Der stumme Frühling«
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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Ihr Buch war der Startschuss der Umweltbewegung. Sie kämpfte hartnäckig gegen DDT und andere Pestizide – und die Chemieindustrie schlug unfair zurück.
Es gab einmal im Herzen Amerikas ein Dorf, wo das ganze Leben harmonisch zu sein schien …«: Wie eine Idylle fängt Rachel Carsons Sachbuch »Der stumme Frühling« an. Eindringlich schildert sie die blühenden Wiesen, das Vogelgezwitscher, die Flüsse, die von Forellen schier überlaufen. Aber plötzlich wendet sich das Blatt: »Ein seltsamer Gifthauch breitete sich aus, und alles wurde auf einmal anders.« Die Hühner seien an geheimnisvollen Krankheiten gestorben, die Rinder und Schafe erkrankt. »Überall war der Schatten des Todes.«
Was war geschehen? Lange muss der Leser auf eine Antwort nicht warten: Hier wird die Wirkung von den Pestiziden angeprangert, die jahrelang auf die Felder Amerikas gesprüht wurden. Die Chemikalien haben Insekten und Unkraut vernichtet – und erheblich zum Wohlstand der Nachkriegsgeneration beigetragen.
Wir schreiben das Jahr 1962. Es geht den Menschen in den USA und Europa ausgesprochen gut. Und nun, ganz unerwartet, tritt die Meeresbiologin Rachel Carson (1907–1964) als Spielverderberin auf. Die ehemalige Mitarbeiterin des US-Fischereiamts war damals bereits durch zwei Bücher über das Meeresleben zur Bestsellerautorin avanciert. Sie hatte im Laufe mehrerer Jahre ein mysteriöses Sterben in der Tierwelt beobachtet und dokumentiert. Ziemlich schnell konnte sie dieses Phänomen mit dem wachsenden Gebrauch von Pestiziden in Verbindung bringen.
Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel wie DDT waren während des Krieges zur Entlausung von Soldaten und Kriegsgefangenen entwickelt worden. Nach Kriegsende kam die chemische Industrie auf den Gedanken, sie auch in der Landwirtschaft gegen Insekten, Bakterien, Pilze und Unkraut einzusetzen. Immer neue Gifte wurden entwickelt, mit denen man uralten Plagegeistern blitzschnell den Garaus machen konnte. So ließ sich in großen Teilen Afrikas die Menschengeißel Malaria durch DDT nahezu ausrotten. Für die petrochemische Industrie ein Bombengeschäft.
Zunächst schien niemand zu merken, dass diese Mittel auch eine Kehrseite hatten: Sie vergifteten nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge, und verursachten mitunter Krebserkrankungen bei Menschen. Rachel Carsons Buch was das erste Alarmsignal. Anhand von vielen gut dokumentierten Beispielen konnte sie ihre Argumente glaubhaft untermauern. Nach wenigen Monaten waren rund
500 000 Exemplare im Umlauf.
Aber die Chemieindustrie wehrte sich. Sie ließ keine Gelegenheit aus, die Autorin in den Medien zu diskreditieren: Sie sei eine hysterische Jungfer, die Katzen halte, hieß es. Diese unsachlichen Angriffe verfehlten aber ihr Ziel. Carson hatte das öffentliche Bewusstsein geweckt, und bald wurde die Politik aktiv. Der damalige Präsident John F. Kennedy ordnete eine wissenschaftliche Untersuchung an, auch die UNO wurde hellhörig.
Innerhalb von wenigen Jahren wurden DDT und ähnliche Gifte weltweit verboten. Rückblickend war Rachel Carsons Buch der Startschuss für eine neue Umweltbewegung. Leider hat die Autorin nur wenig von ihrer Wirkung mitbekommen: 1964 starb sie an einem Krebsleiden.
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