Es besteht nicht die geringste Gefahr, dass je die Vernunft auf Erden überhandnehmen, dass es je vernünftig zugehen könnte auf Erden.
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Porsche GT 2 RS: Der 620 PS starke Leichtathlet (I)
Wenn Andreas Preuninger mit seinem Motorboot über das Schwäbische Meer fährt und bisher unbekannte Küsten und Buchten ansteuert, er sich, wie er sagt, „ganz entspannen und tief fallen lassen kann“, kommen ihm oftmals die besten Einfälle. Oder er findet plötzlich Lösungen eines Problems, die kein noch so intensives wie zermürbendes Nachdenken hatte bringen können. So muss es auch dem verantwortlichen Projektleiter für die überaus erfolgreiche GT-Reihe des Zuffenhausener Sportwagenherstellers mit seinem neuesten Baby gegangen sein. Die Vision lautete, einen Supersportwagen für den Alltag zu bauen. Konkreter: den stärksten Straßenporsche auf die Räder zu stellen.
Dem von Preuninger einberufenen Braintrust seiner engsten Mitarbeiter war sofort klar, es konnte nur eine Variante eines bestehenden Modells sein. Denn schließlich mussten die Entwicklungskosten überschaubar gehalten werden und der Plan war geheim zu halten. Außerdem ist Porsche hoch verschuldet. „Wir konnten kein komplett neues Fahrzeug entwerfen“, sagt der athletische Mitvierziger, „sondern wollten zeigen, was mit konsequentem Leichtbau und Fokussierung auf das Wesentliche erreichbar ist.“ Der Traumwagen sollte realisiert werden können und erst dann seinem Chef, dem Leiter der Porsche-Sportwagenabteilung Hartmut Kristen, vorgestellt werden, wenn die Pläne so weit gediehen waren, dass mit deren Umsetzung auch begonnen werden konnte. „Das bedeutete viel Arbeit nach Feierabend und eingeschworenen Teamgeist“, sagt Preuninger.
Ob nun das strenggeheime Wirken der Technikerbande in der Weissacher Entwicklungsschmiede ruchbar geworden ist oder nicht, ist nicht mehr zu eruieren, aber das Konzept war so stringent und einleuchtend, das jetzt 500 Porsche GT2 RS gebaut werden. Ein halbes Tausend, streng limitiert sowie ausweislich der Plakette am Handschuhfach, durchnummeriert. Auch muss bereits an dieser Stelle gesagt werden, die Autos zum Preis von 237 000 Euro nahezu ausverkauft. Ein Auto, dessen Serienproduktion jetzt im Spätsommer anläuft und bereits ausverkauft ist, ist wie ein Abonnement einer Zeitschrift, die bezahlt aber deren Texte noch nicht geschrieben sind.
Die Daten für den GT 2 RS aber liegen vor, sind schnell abgespult, nahezu so schnell wie der Überporsche braucht, um aus Stand auf Tempo 300 km zu beschleunigen: 28 Sekunden, keine halbe Minute. Dabei wird die Hunderter Marke nach 3,4 Sekunden durchrast, ist nach 9,8 s Tempo 200 erreicht und endet der Drang nach Mehr bei Tempo 333 Stundenkilometer. Das muss man den Messingenieuren so glauben, ausprobiert, geschweige gestoppt, werden konnte es nicht.
Für diesen Ritt auf dem Lichtstrahl bedarf es entsprechender Voraussetzungen. Da ist das Kraftpaket von Motor, der altbewährte 3,6 Liter Rennsechszylinder, mithilfe eines Turboladers auf 620 PS gemästet. Da ist das von Hand zu schaltende Sechsganggetriebe (sicherlich auch ein Tribut an den engen Kostenrahmen des „Geheimprojekts. Das sicherlich tauglichere sequentielle Getriebe bleibt der kommenden Generation der GT-Fahrzeuge vorbehalten). Mit den aufgesetzten Zahnrädern lässt das Getriebe aber unterschiedliche Übersetzungen zu. Die Einscheiben-Kupplung ist Rennsport pur und doch zu exakt zu bedienen wie ein alltäglicher Krafttrenner, auch wenn Wade und Oberschenkel Mehrarbeit leisten müssen.
Aber all dies reicht natürlich noch nicht, um aus dem GT 2 den GT2 RS werden zu lassen. RS bedeutet „Renn Sport“ und diesem Prädikat wollten die leidenschaftlichen Racemaniacs, Preuninger und Kumpanen, koste was es wolle, gerecht werden. Also musste das Gewicht runter, gespart wurde an allen Ecken und Ende, ohne die Funktion zu beeinträchtigen. Wenn aus Metall Leichtmetall wird und daraus wiederum Kunststoff sowie Kohlefaser weiß selbst der Laie, das ist gut und vor allem aber teuer. Sauteuer. Gleichzeitig aber auch ein Hinweis für die kommenden Entwicklungen. Denn die tausend GT2 RS sind auch Versuchskanninchen, um zu lernen, wie mit den neuen Materialien umgegangen werden kann und wie sie in die laufende Produktion am Band eingeschleift werden.
Zentraler Punkt sind da die vorderen Kotflügel. Sie bestehen aus Kunststoff. Die Kunst am Montageband besteht nun darin, die Übergänge zu meistern. Da grenzt das seitlich das Blech aus herkömmlichen Stahl und die Vorderhaube besteht aus Kohlefaser. Hier die Spaltmaße Piechscher Prägung millimetergenau einzuhalten, „ist schon eine große Herausforderung“, freut sich Preuninger auch die Werker am Band davon überzeugt zu haben, es ist machbar. „Ja, wir konnten sogar die Taktzahl erhöhen.“
Folgt Porsche GT2 RS: Einfach und ohne Abstriche an Komfort zu fahren























