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Peugeot offeriert in Berlin Mobilität „Mü“: Fahren mit Punkten (Teil II)

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In Berlin läuft seit wenigen Wochen ein ähnliches alternatives Mobilitätskonzept. Es trägt den Namen „Mu (ausgesprochen mü) by Peugeot“. Der Slogan lehnt sich an den griechischen Buchstaben my an und steht als Vorsilbe für den Faktor Millionstel (10 hoch minus 6) bei Maßen und Gewichten. Er steht aber auch für Bewegung. Der französische Automobilhersteller hat mit Mu ein Paket geschnürt, in dem sich alle Fahrzeuge des Unternehmens wieder finden. Vom Fahrrad bis zum Kleinstransporter, vom Motorroller bis zum Sportwagen können 50 unterschiedliche Fahrzeuge online reserviert und abgeholt werden. So regelt jeder Mobilitätsbedarf ganz individuell, „á la carte“ wie Pressesprecher Thomas Schallberger das vielfältige Angebot umreißt. „Mit dem Fahrrand ankommen und dem Sportwagen fortfahren“, sagt er. Dabei müsse der Ausleiher nicht bereits Kunde bei Peugeot sein, ergänzt Schallberger.

So könne man sich für 10 Euro ein Elektrofahrrad für 24 Stunden mieten. Eingezahlt wird die Summe auf ein Online-Konto und dafür erhält man 50 Mu-Punkte. Neben dem E-Bike können auch Elektro-Scooter, oder die ganz normalen Personen- und Kleinlastfahrzeuge mit Verbrennungsmotor gegen entsprechende Mu-Punkte genutzt werden. Seit Sommer letzten Jahren ist das Mobilitätskonzept in französischen Großstädten erfolgreich gestartet. In Paris haben sich seit Februar bereits 1000 Kunden eingeschrieben. In diesem Jahr folgen weitere Standorte in europäischen Kapitalen Spaniens, Belgiens, Italiens und in Deutschland. In Berlin wurden die ersten vier Niederlassungen gegründet.

Die deutsche Hauptstadt ist mit Bedacht gewählt. Die Initiatoren versprechen sich nicht nur erhöhte Aufmerksamkeit durch die hohe Präsenz der Politiker, auch hat die Metropole von allen deutschen Großstädten die geringste Autodichte. Der Motorisierungsgrad folgt hier einem Trend, wie ihn Mobilitätsforscher schon seit längerem beobachten: In Ballungsräumen wächst die Zahl derjenigen, die ein Auto nicht mehr als ihr Eigentum betrachten sondern als Fortbewegungsmittel nur dann nutzen wollen, wenn sie es auch tatsächlich bewegen. Wer in der Innenstadt wohnt, kann sich selbst davon überzeugen. „Laternengaragen“ werden meist nur am Wochenende frei gemacht. Die übrige Zeit steht das Auto, während seine Besitzer alternative Verkehrsmittel wie Fahrrad, Roller oder Tram und Bus nutzen.

Gestützt werden die Befunde von den Zahlen des Kraftfahrzeugsbundesamtes in Flensburg. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Neuwagenkäufer zwischen 18 und 29 Jahren um die Hälfte von 14 auf 7 Prozent geschrumpft. Daraus ist abzuleiten, so sagen Mobilitätsexperten, dass der Neuwagen vor allem bei jungen Städtern nicht mehr den Status besitzt, den das Automobil früher einmal hatte.

Die Freiheit beim Geldausgeben ist mit dem Erwerb des teuersten Konsumartikels sehr eingeschränkt, konstatieren die Marktforscher von Frost & Sullivan. Immer mehr jungen Erwachsenen erscheinen andere Werte oder Besitztümer wichtiger, nicht zuletzt auch deshalb, weil das Auto an seinem Erfolg zu ersticken droht. Parkplätze werden weniger, Staus länger, die Unterhaltskosten höher und die Umweltbedenken größer. Das ist auch der Grund, weshalb in Ulm bei bereits jedem dritten Führerscheininhaber im Alter von 18 bis 35 Jahre ein car2go-Siegel auf seiner Fahrerlaubnis klebt.

Jung und mobil heißt jetzt nicht unbedingt festgelegt auf mein Automobil. Es meint, die Freiheit zu haben, heute das zu tun und es morgen zu lassen. So hat bei Peugeot auch das noch in diesem Herbst debütierende 30 000 Euro teure Elektroauto iOn mit der Lithium-Ionen-Batterie im Rahmen des Mu-Projekts seinen Auftritt. Da erwiesenermaßen batteriebetriebene Voltflitzer um ein Vielfaches teurer sind als herkömmliche Personenwagen mit Verbrennungsmotoren, bietet das temporäre Ausleihen dem Ecomobil deutlich verbesserte Chancen sich durchzusetzen und im Stadtbild präsent zu sein.

Diesen Nachweis mit der neuen urbanen Mobilität bei Ökonomie wie auch bei Ökologie zu punkten, hat die Universität Ulm für das car2go-Projekt schon erbracht. So wurden knapp 400 Ulmer zu ihrem Fahrverhalten befragt. In den durchgerechneten Szenarien kamen die Forscher zu dem Schluss, dass von ihnen durch die Benutzung der angebotenen Smarts im günstigsten Fall 4032 Tonnen C02, beziehungsweise im schlechtesten 2100 Tonnen des Klimagases eingespart worden sind. Im ersten Jahr wurden 235 000 Mietvorgänge gezählt; bis zu Tausend sind es pro Tag. In der Regel beträgt die Dauer eine halbe bis zu einer vollen Stunde. Eine Lawine des Erfolgs wurde in Ulm losgetreten. Nun muss die Flotte von 200 auf 300 Smarts aufgestockt werden.

Mögen diese Zahlen Stadtplaner und Klimaschützer freuen, könnte sich die Freude der Automobilhersteller in Grenzen halten, wenn das Beispiel Schule macht. 28 Prozent der befragten car2go-Teilnehmer können sich nämlich vorstellen, bei einem dauerhaften Angebot auf das eigene Auto gänzlich zu verzichten. Ob dies im Jahre 130 nach dem Bau des ersten Automobils im Sinne seines Erfinders ist?

Folgt Teil III: Neue Mobilität: So funktioniert das Ausleihen

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