Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur liegt darin, daß du in der Demokratie wählen darfst, bevor du den Befehlen gehorchst.
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Bücher, die die Welt veränderten
Paulus: »Die Briefe«
Dieser Artikel stammt aus P.M. Magazin
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In der biblischen Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas erscheint Paulus zunächst unter dem Namen Saulus. Dieser Saulus ist ein junger, gesetzestreuer Jude in Jerusalem, der mit enormem Eifer die ersten Christen verfolgt.
Einen von ihnen, Stephan, lässt er sogar steinigen. Anschließend geht er nach Damaskus, um auch dort gegen Christen zu hetzen. Doch dann passiert es: Unterwegs wird er vom auferstandenen Jesus bekehrt, und aus Saulus wird Paulus. Alsbald fängt seine lange Karriere als Missionar an. Seine Briefe sind ein einmaliges Zeugnis aus der Anfangszeit des neuen christlichen Glaubens.
Die Texte – geschrieben zwischen 50 und 60 n. Chr., also etwa drei Jahrzehnte vor Lukas’ Berichten – vermitteln ein etwas anderes Bild von Paulus als die Apostelgeschichten. So war er beispielsweise in jungen Jahren niemals in Jerusalem gewesen. Diese Stadt besuchte er zum ersten Mal lange nach seiner Bekehrung, die um das Jahr 35 stattfand. Tatsache ist aber, wie er in den Briefen selbst zugibt, dass er als Saulus Christen verfolgt hat – nur nicht in Damaskus.
Paulus kannte die Christen der ersten Stunde persönlich, z. B. Petrus (den er meistens mit dessen aramäischem Namen »Kephas« bezeichnete) und Jakobus, den Bruder von Jesus. Dreizehn Briefe werden ihm zugeordnet. Sieben davon gelten als echt: der Römerbrief, die zwei Korintherbriefe, der Brief an die Galater, der Brief an die Philipper, der erste Brief an die Thessalonicher und der Brief an seinen Freund Philemon. Über den Rest herrscht bis heute keine Übereinstimmung.
Jahrelang reiste Paulus durch Kleinasien, besuchte Christen und schrieb lehrreiche Briefe an ihre Gemeinden. Von ihm als Augenzeugen erfahren wir viel über einen großen Konflikt, der maßgebend zur Geburt der christlichen Religion führte. So war Jakobus der Meinung, dass sich Heiden zum Judentum bekennen müssten, um Christen zu werden. Diese Idee lehnte Paulus ab. In seinen Briefen verkündete er einen Glauben, der von seinen Anhängern nur verlangte, dass sie ihr Heil in Christus suchen. So einfach sollte die neue Religion sein. Komplizierte Regeln wie im Judentum – etwa die Beschneidung, Diätvorschriften usw. – hielt er für überflüssig.
Auch über die Struktur der frühchristlichen Gemeinden machte er sich Gedanken: In den Briefen erscheinen zum ersten Mal Wörter wie »Diakon« und »Episkopos« (Bischof). Frauen betrachtete er allerdings als »Abglanz« der Männer, eine Vorstellung, die bis heute für Unmut sorgt.
Die Evangelien berichten über das Leben und Wirken von Jesus, Paulus hingegen macht den auferstandenen Jesus zum Mittelpunkt des Glaubens, was bis heute das besondere Merkmal des Christentums geblieben ist. Paulus lehrte die Kraft des reinen Geistes – eine Idee, die die ganze Geschichte der westlichen Kultur und Philosophie von Augustinus und Luther bis heute prägt. Es wäre nicht ganz falsch, die christliche Religion als »Paulismus« zu bezeichnen.
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