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Otto find’ ich gut: Der Alfa Mito mit MultiAir-Technologie
So oft wie die Verbrennungsmotoren totgesagt wurden, so häufig sind sie auch wieder auferstanden. Bei allem Elektro-Hype und Diesel-Lob, der Viertakter-Benziner schafft mit kleinen, aber nachhaltigen Verbesserungen die Kraftstoffausbeute zu verbessern, das Drehmoment zu erhöhen, den Verbrauch zu senken, kurz, technologischen Anschluss zu halten. Mit dem Multiair-Verfahren ist Fiat ein bemerkenswerter technischer Wurf gelungen, um den Spritdurst zu zähmen.
Im Alfa Mito, dem Mini-Konkurrenten und Lifestyle-Flitzer, ist dieser Motor 2009 zum ersten Mal eingebaut worden und wird jetzt Zug um Zug in der Modellpalette des italienischen Konzerns implantiert. Wenn auch schon der erste turboaufgeladene Multiair-Motor in dem zu konzerneigenen Technologieträger avancierten Mito angeboten wird (siehe Alfa Romeo Mito Quadrifoglio Verde), so bildet der 1,4 Liter Motor doch die Basis dieser Innovation. Der Clou liegt im Wegfall einer Nockenwelle für die Einlassseite des Motors. An ihrer Stelle wird jedes einzelne Ventil elektrohydraulisch angetrieben. So kann die Menge der Frischluft dosiert werden und damit der Anteil des zur Verbrennung notwendigen Sauerstoffs. Es lassen sich auch bestimmte Dralleffekte zur erhöhten Drehmomentausbeute erzielen, wenn das Ventil zwei Mal kurz hintereinander geöffnet wird.
Jeder Zylinder verfügt über ein eigenes Hydrauliksystem mit einer separaten Hydraulikkammer. Die Zylinderfüllung lässt sich so exakt dem jeweiligen Lastzustand anpassen. Das Ergebnis: mehr Leistung bei geringerem Verbrauch. Die maßgerechte Ventilsteuerung wird etwa auf „spät“ gestellt, wenn der Motor gestartet wird oder im Leerlauf dreht. Dann öffnet sich das Ventil spät. Möglich ist auch eine vorgezogene Schließung des Ventils, wenn es etwa zu Verzögerungen kommt, der Fuß vom Gaspedal genommen wird.
“Multi Lift“ nennen die italienischen Motorenbauer den Zustand, wenn bei Stadtfahrten maximale Drehzahl und angemessene Leistung abgefordert wird. Dann werden die zwei Ventile pro Zylinder zwei Mal kurz geöffnet. Maximale Öffnung ist bei Autobahnfahrten erforderlich, damit sich der nach unten fahrende Kolben ein Höchstmaß an Frischluft beim Ansaugen in den Zylinder ziehen kann.
Diese revolutionäre neue Technologie erlaubt nach Angaben von Alfa bis zu 10 Prozent mehr Leistung. 15 Prozent höheres Drehmoment im unteren Drehzahlbereich. Deutlich geringeren Verbrauch (minus 10%), da die Verluste an der Drosselklappe, die in herkömmlichen Motoren für die Frischluftdosierung zuständig ist, minimiert werden. Auch das Abgasverhalten der Multiair-Motoren ist in der Kaltlaufphase deutlich günstiger und schafft für die Zertifizierung Vorteile.
Die individuelle Ventilsteuerung für jeden einzelnen Zylinder bietet auch bei der Schubabschaltung, wie sie jetzt für größere Motoren geplant ist, eindeutige Pluspunkte. Aber daran haben die Turiner nicht gedacht, als sie für den Fiat 500 einen Zweizylinder-Multiair-Motor entwickelten und auf dem Genfer Automobilsalon vorstellten. Die Twins müssen klaglos die verschiedenen Lastzustände beherrschen, dürfen beim Anfahren nicht ruckeln und sollen unter Volllast kraftvoll zupacken. Dies ist nur mit ausgeklügelter Frischluftzufuhr und Gemischbildung möglich. Absolutes Muss dabei ist der Turbolader, der solch kleine Motörchen befeuert, ohne sie zu überfordern.
Noch sind diese Kraftzwerge, wie sie Fiat und auch Volkswagen produzieren will, nicht auf dem Markt. Aber der kleinste 58 kW (78PS) Benzinmotor von dreien sprintet im Mito mir vier Zylindern in 12,3 Sekunden auf Tempo 100, verfügt über ein Drehmoment von 120 Newtonmeter und schafft 165 km/h. Dass dabei die DIN-Verbräuche von städtisch 7,7 Liter über außerorts 4,8 l dann bei 5,9 l einpendeln, ist für einen Benzinmotor beachtlich – auch wenn der individuelle Fahrstil den Spritkonsum bestimmt. Auf jeden Fall machen die kleinen Hightech-Turbomotoren dem Diesel arge Konkurrenz. Hat er sowie in der Klasse der Kleinwagen kaum etwas zu sagen, amortisieren sich seine deutliche höheren Anschaffungskosten nicht und droht ihm bei zunehmender Verschärfung der Abgasgesetze das Aus, so bewegen sich jetzt schon die Verbrauchswerte nahe denen eines Selbstzünders von Rudolf Diesels Erben.
Fazit: Der kleine Multiair-Motor im zum Technologiepionier geadelten Alfa Mito überrascht durch seine spontane Gasannahme, den ausgeglichenen Lauf und den geringen Verbrauch. Alfa, bereits als Erfinder der Common-Rail-Technik für Diesel in die Hall of Fame des Motorenbaus eingezogen, schafft jetzt die oftmals beschworene Renaissance des Benzinmotors des Nikolaus Otto.
09.03.2010























